AI isn’t coming, it’s already here

Warum der teuerste Posten im Angebot zur NAV Migration gerade verschwindet.

Auf den meisten NAV-nach-Cloud-Angeboten steht ein Posten, der bald Geschichte ist: „Code-Umstellung, X Manntage“. Über Jahre war das der dicke Brocken in der Kalkulation. Genau dieser Posten schmilzt gerade – und das sagt einiges darüber, wo der Wert einer Migration wirklich liegt.

Fangen wir mit dem Teil an, über den noch viel zu oft im Futur geredet wird.

Es heißt nicht „AI is coming“

Auf der Directions EMEA 2025 hat Microsoft Business Central in der Keynote nicht vorsichtig als „bekommt bald ein paar KI-Features“ vorgestellt, sondern direkt als „The AI-First Business Application“ bezeichnet. Dazu eine Folie, die hängen bleibt: Keine Technologie hat je so schnell 100 Millionen Nutzer erreicht wie LLMs. Facebook brauchte rund viereinhalb Jahre, das Internet sieben, LLMs ein paar Monate. Und die Sales-Order- und Payables-Agenten sind keine Vorschau mehr, sondern seit November allgemein verfügbar.

Das ist kein Ausblick. Das ist ein Auslieferungsstatus. Wer noch sagt „wir schauen uns KI an, wenn es so weit ist“ – es ist so weit. Schon eine ganze Weile.

Der konkrete Beweis: die Code-Migration

Jetzt lehne ich mich aus dem Fenster. Die mechanische Code-Umstellung von C/AL nach AL – das stumpfe „von links nach rechts“ übersetzen von Syntax, Mustern und Idiomen – ist genau die Art Arbeit, in der ein starkes KI-Modell richtig gut ist. Was früher als Wochen Entwicklerzeit im Angebot stand, ist heute eine Sache von Stunden bis wenigen Tagen.

Warum die NAV Migration nicht „in zwei Tagen“ heißt

Eine NAV-Cloud-Migration ist kein Übersetzungs-, sondern ein Umbauprojekt. Jede Anpassung wird als AL-Extension neu gebaut, sauber getrennt vom Standard – genau das erlaubt die zweimal jährlichen Updates, ohne dass etwas zerbricht. Einen 1:1-Code-Transfer gibt es also bewusst nicht. Ein erheblicher Teil der alten Anpassungen ist ohnehin überflüssig, weil BC die Funktion längst selbst mitbringt.

Spannend ist, dass auch der zweite große Zeitfresser gerade schrumpft: die Datenmigration. Microsofts Cloud-Migration-Tool repliziert die Altdaten, während das alte System bis zum Umschalttag produktiv bleibt – nach dem ersten Lauf werden nur noch Änderungen übertragen. Und seit dem 2026er-Release gibt es dafür einen offiziell unterstützten Weg: Beim sauberen Neuaufsetzen werden gezielt nur die wichtigen Daten übernommen – Stammdaten und offene Vorgänge – und der alte Ballast bleibt zurück.

Der eigentliche Aufwand liegt woanders: bei den Integrationen, den Schnittstellen zu allem, was außen dranhängt – Webshop, Versand, EDI, Lohn, BI. Genau die übernimmt niemand freiwillig, und sie sind es, die die Anwender am meisten spüren, wenn der gewohnte nächtliche Datenaustausch am Montagmorgen plötzlich fehlt.

Werkzeuge und KI nehmen mir die Migration also nicht ab. Sie löschen die mechanischen Posten von der Rechnung und legen frei, wo die Kosten immer schon lagen: nicht im Code und nicht im Kopieren der Daten, sondern in den Schnittstellen drumherum. Der Code war nie das teure Problem – und jetzt sieht es jeder.

Fazit

AI isn’t coming. It’s already here. Microsoft hat sein ERP danach benannt, die Agenten laufen produktiv, und der teuerste Posten der NAV-Migration verliert gerade seine Berechtigung. Der NAV-Support endet endgültig am 11. Januar 2028 – der Bestand ist riesig, die Deadline hart.

Die spannende Frage ist deshalb nicht mehr, ob die Technik so weit ist. Sondern was wir mit der Zeit anfangen, die sie uns zurückgibt.


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