Glasbachwasserfall: 5 km Herbstzauber im Jachenautal

Glasbachwasserfall bei Jachenau stürzt über moosige Felsen mit Nadelbäumen

Oktober. Die Buchen färben sich goldgelb, die Luft riecht nach nassem Laub und irgendwas zwischen Herbst und Abschied. Genau der richtige Moment, um aus München rauszufahren und einen Wasserfall zu suchen, den man eigentlich schon längst kennen müsste. Der Glasbach Wasserfall bei Jachenau — eine knappe Stunde mit dem Auto Richtung Bad Tölz, dann noch ein Stück ins Jachenautal rein. Kermit saß hinten auf dem Rucksack, schwieg stoisch und schien den Ausflug grundsätzlich gutzuheißen. Das Wetter spielte mit. Blau, weiß, ein bisschen Drama an den Rändern — genau wie es sein soll.


13:00 Uhr — Aufbruch am Wanderparkplatz Jachenau

Der Parkplatz an der Jachenauer Ortsmitte ist schnell gefunden. Auto abstellen, Rucksack schultern, Kermit in die Brusttasche — fertig. Die ersten Meter führen über sattgrüne Almwiesen, die im Oktoberlicht leuchten als hätte jemand die Sättigung im Nachhinein hochgedreht. Dabei stimmt das wirklich so. Die Buchen am Waldrand zeigen ihr bestes Ocker und Rostbraun, dazwischen das tiefe Grün der Fichten. Der Himmel: dramatisch blau mit Schönwetterwolken, die einfach nur dekorativ herumstehen. Rund 2,5 Kilometer flaches Einlaufen durch diese Kulisse — kein schlechter Start.

Der breite Schotterweg schlängelt sich gemütlich durchs Tal. Links und rechts Weiden, dahinter bewaldete Hügel, die sich in Herbstfarben überbieten. Ein Schutzbuche am Wegrand rahmt den Blick auf den nächsten Bergrücken — golden belaubt im Vordergrund, dunkelgrüner Nadelwald dahinter. Typisch bayerisches Bilderbuchmotiv. Ich hab natürlich trotzdem fünfmal angehalten und fotografiert. Kermit hat kein Wort gesagt. Der kennt mich.

13:30 Uhr — Kühe, Kuhglocken, Kuhblicke

Dann: Kühe. Viele. Braun-weiße Fleckvieh-Damen, die auf der Weide teils liegen, teils grasen und mich mit dieser unerschütterlichen Gleichgültigkeit anschauen, die nur Rinder und bestimmte Zugbegleiter hinbekommen. Eine kommt direkt auf mich zu — oder eher auf das Gras direkt vor meinen Füßen. Die Kuhglocke schwingt. Ich weiche aus. Kermit guckt von der Schulter aus zu und sagt nichts, was ich als Ermutigung interpretiere. Insgesamt etwa eine halbe Herde, rund ums Wegstück verteilt, Berge im Hintergrund. Das ist Jachenau auf dem Höhepunkt seiner selbst.

14:00 Uhr — Der Glasbach nimmt das Ruder

Ab hier wird der Weg interessanter. Der Glasbach taucht auf — ein echter Wildbach mit weißen Kalksteinen im breiten Bett, kristallklarem Wasser und ordentlich Strömung. Der Blick bachaufwärts: beidseits dicht bewaldete Hänge in Gelb, Orange und Grün, oben ein Bergkamm mit Felsabbrüchen. Man ahnt den Wasserfall, sieht ihn aber noch nicht. Etwa bei Kilometer 4 beginnt das Tal enger zu werden. Die Felswände rücken zusammen. Schlucht ist vielleicht etwas groß für den Begriff — aber die Stimmung passt dazu.

Die Felswände werden höher. Grauer Kalk, moosgrün durchzogen, Fichten klammernd daran. Der Bach zieht sich durch den Engpass, das Rauschen wird lauter. Man läuft jetzt auf schmalem Pfad direkt am Ufer entlang, ein paar Stellen feucht und rutschig. Kermit hat inzwischen die Kapuze vom Rucksack bezogen und schaut stoisch nach vorn. Gute Haltung für die Situation. Noch ein paar hundert Meter — dann hört man ihn.

14:30 Uhr — Der Glasbach Wasserfall

Da ist er. Der Glasbach Wasserfall stürzt gut 20 Meter über gestufte Kalkfelsen in ein smaragdgrünes Becken — sauber, laut, beeindruckend. Das Wasser teilt sich auf dem Weg nach unten in mehrere Stränge, trifft auf moosige Absätze, vereint sich wieder. Die Gischt kühlt einem das Gesicht. Über dem Wasserfall thront eine markante Felskuppe mit ein paar trotzigen Fichten drauf — sieht aus wie eine Filmkulisse, die sich zu ernst nimmt. Ich hab gefühlt zwanzig Fotos gemacht, von denen drei gut geworden sind. Das ist meine persönliche Trefferquote bei Wasserfällen.

Vom Becken aus schaut man steil die Felsrippe hoch — der Bach kommt von oben, kippt über den Rand und verliert sich im Sturzflug. Ringsum grauer Kalk, ein bisschen Moos, viel Lärm. Kermit saß auf meinem Rucksack und schaute schweigend zu. Ich auch. Manchmal braucht man keine Worte. Manchmal reicht ein Wasserfall.

Das Selfie musste natürlich sein. Sonnenbrille rauf, Rucksack grade ziehen, Wasserfall in die Bildmitte — fertig. Kermit ist auf dem Foto leider nicht sichtbar, aber er war dabei. Das zählt. Für die Runde insgesamt gut fünf Kilometer und rund 180 Höhenmeter bis hierher — die Steigung im Schlussanstieg zum Wasserfall merkt man durchaus, aber es bleibt komfortabel. Die Rückkehr läuft denselben Weg zurück. Das ist manchmal die ehrlichste Variante.


17:00 Uhr — Einkehr auf der Lainlalm

🏔️ Lainlalm
Jachenau · Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen
📍Google Maps

Auf dem Rückweg liegt die Lainlalm quasi auf dem Weg — was ich als klares Zeichen interpretiere. Eine urige Almwirtschaft direkt am Glasbach, mit Holzterrasse, Blick ins Tal und dem Charme eines Ortes, der sich nicht verbiegen muss. Ich setze mich raus, Kermit hält wie immer pflichtbewusst die Kaffeetasse. Ich bestelle Käsekuchen und Fruktose-Cola.

Käsekuchen. Ordentlich. Fest, nicht zu süß, leicht karamellisiert oben drauf — der hat sich verdient angefühlt. Dazu eine Flasche Trucade ColaMix, das Kultgetränk aus der Almwirtschaft, das man anderswo nicht findet und eigentlich auch nicht sucht, aber das hier in diesem Moment absolut richtig ist. Die Terrasse füllt sich mit ein paar anderen Wanderern, eine Familie mit Hund, zwei Rentner mit Karten, eine Gruppe, die lauter redet als notwendig. Normale Hüttenwelt. Kermit sitzt an der Kaffeetasse, ich esse. So funktioniert das.

17:30 Uhr — Ausklang am Bach

Noch ein Stück am Glasbach entlang — das Wasser zieht über ein kleines Wehr, staut sich kurz auf, fließt weiter. Im Hintergrund eine gezackte Felskante, bunt bewaldet, der Himmel beginnt zuzuziehen. Der Herbst macht sein Ding. Das sieht gut aus, auch ohne Sonne. Ich stehe eine Weile am Ufer und schaue dem Wasser zu. Das kostet nichts und bringt erstaunlich viel.

Der Rückweg auf dem letzten Kilometer öffnet sich wieder ins breite Tal. Goldgelbes Laub rahmt den Weg, dahinter weit offen die Bergsilhouette. Die Wolken haben inzwischen die Mehrheit übernommen, aber das stört nicht mehr. Man hat gesehen, was man sehen wollte. Der Tag ist rund. Kermit schaukelt auf dem Rucksack und sieht aus, als wäre er zufrieden. Ich auch.

Das letzte Stück zurück zum Parkplatz: Herbstlaub, offenes Tal, Abenddämpfe über den Wiesen. Die bunten Blätter im Vordergrund, die sanft gerundeten Bergkuppen dahinter — das ist kein spektakulärer Abschluss, aber ein ehrlicher. Die Jachenau braucht keine großen Gesten. Sie ist einfach da.


Ein Wasserfall, eine Alm, ein Käsekuchen — manchmal ist das genau genug für einen Oktobertag.

📍 Wanderparkplatz Jachenau Ortsmitte · 🏁 Lainlalm · 📏 11,2 km · ⬆️ 280 Hm · ⬇️ 280 Hm · ⏱ ca. 3:30 h

Die vollständige Tour gibt es wie immer auf Komoot: Tour auf Komoot ansehen


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