Juli 2017. Der Koffer ist gepackt, die Vorfreude ist riesig — und der Weg nach Kos führt ausgerechnet über Sofia und München. Wer einfache Reisewege mag, ist bei mir falsch. Dafür wartet am Ende eine griechische Insel mit türkisblauem Wasser, Strohhutschirmen am Strand und einem Mojito mit der Aufschrift „Welcome to Kos“. Ich sage: angenommen. Eine Woche Sonne, Sand, ein klapprigen Jeep, eine durchgefeierte Nacht und ein Sonnenuntergang vom Hoteldach — das ist mein Kos 2017.
Reisetag: Sofia → München → Kos
Morgens um halb acht steht der Koffer offen auf dem Parkettboden. Strandtücher, T-Shirts, Sonnencreme — alles drin, alles mehr oder weniger ordentlich verstaut. Der Tommy-Hilfiger-Kulturbeutel liegt noch daneben. Klar.
Der Weg nach Kos ist an diesem Tag alles andere als direkt. Von Sofia zunächst rüber nach München — Zwischenstopp am Flughafen München, dann weiter mit TUIfly, Flug X3 4806, ab 19:05 Uhr. Ankunft in Kos laut Ticket: 22:50 Uhr. Fast 2.900 Kilometer, zwei Flüge, ein Bus, mehrere Autos — und irgendwo in der Google Timeline taucht eine Fußstrecke von knapp 470 Kilometern auf. Das ist entweder ein GPS-Fehler oder ich bin im Schlaf gewandert.
Gegen 23 Uhr checke ich schließlich im Hotel Laura ein. Morgen ist Strand. Versprochen.

Das Hotel Laura ist meine Basis für die ganze Woche. Weiß getüncht, griechische Rundbögen, eine Palme vor dem Eingang — mehr Postkarte geht kaum. Für einen müden Reisenden nach zwei Flügen und einem halben Tag Transit: genau richtig.
Strand, Sonne, erster Ouzo

Erst mal zum Strand. Das war der Plan, und zum ersten Mal auf dieser Reise lief ein Plan reibungslos durch. Kurz nach dem Frühstück liegt man unter einem Strohhutschirm, das Meer ist türkisblau, der Himmel ist makellos, und in der Spiegelung meiner Sonnenbrille sieht man… noch mehr Strand. Könnte schlimmer sein.
Im Hintergrund: die türkische Küste, erkennbar als sanfte Bergsilhouette am Horizont. Kos liegt so nah an der Türkei, dass man fast meint, man könne rüberschwimmen. Fast.
Der Tag vergeht in der angenehmen Langsamkeit, für die Griechenland erfunden wurde. Liegen, dösen, Wasser, Liegen. Irgendwann wird gelaufen — die Timeline zählt mehrere Kilometer zu Fuß, verteilt über den ganzen Tag.
Abends — Mylos Beach Bar
Der Abend gehört der Mylos Beach Bar. Auf dem Tisch liegt eine Speisekarte mit der Aufschrift „Welcome to Kos“ — davor steht ein Mojito, frische Minze, Eis, leicht beschlagen. Willkommen, in der Tat. Und weil man in Griechenland ist und weil es einfach so gehört, muss natürlich auch ein Ouzo her. Muss auch mal sein.
Die Mylos Beach Bar ist genau das, was man sich nach einem langen Reisetag und einem Tag am Strand wünscht: unkompliziert, entspannt, mit Meerblick. Die Karte zeigt bunte Cocktailfotos, das Publikum ist international und gut gelaunt, der Service schnell genug, um nicht zu stören. Der Mojito hält, was er verspricht. Der Ouzo auch — wenn auch auf seine ganz eigene Art.

Gold über den Palmen
Tag 3 fließt dahin. Die Timeline verrät: viel zu Fuß, ordentlich Kilometer, kein Auto. Kos-Stadt ist gut zu Fuß erreichbar, die Straßen sind breit, der Schatten ist rar. Aber das ist der Deal mit Griechenland im Juli — man nimmt die Hitze als gegeben hin und bewegt sich entsprechend langsam.
Die Papas Beach Bar macht, was der Name verspricht: Strand, Bar, Wassersport, Shisha. Ein Ort zum Ankommen und Hängenbleiben.
Sonnenuntergang vom Hoteldach
Kurz vor 18 Uhr passiert dann etwas, das man nicht planen kann: Man steht mit einem Bier in der Hand auf dem Hoteldach, der Wind ist angenehm warm, und die Sonne versinkt hinter einer Reihe von Palmen. Alles wird gold. Die Berge im Hintergrund werden schwarz, die Palmensilhouetten stehen wie Scherenschnitte gegen den Himmel.
Ich habe kein besseres Wort dafür als: magisch. Ich weiß, das klingt nach Reisekatalog. Aber manchmal ist ein Moment eben genau das.

Der rote Jeep und die Bucht von Kefalos
Auto gemietet. Ein roter Jeep — Suzuki Jimny, offen, putzig, mit dem Fahrgefühl eines gut gereiften Traktors. „Echt Schrott“ ist vielleicht zu hart. Sagen wir: der Wagen hatte Charakter. Viel Charakter. Und Spaß hat er trotzdem gemacht.
Panoramablick auf Kefalos

Der Jeep kämpft sich die Serpentinen hoch — und oben angekommen, versteht man sofort, warum es sich gelohnt hat. Die Bucht von Kefalos liegt wie ein Postkartenmotiv unter uns: ein perfekter Halbmond aus tiefblauem Wasser, der kleine Ort schmiegt sich ans Ufer, ein paar Segelboote dümpeln ruhig im Hafen. Dahinter Hügel, Felsen, Dunst. Das westliche Kos in seiner schönsten Form.
Für diesen Blick allein hätte sich der Ausflug gelohnt — klappernder Jeep hin oder her.
Kurz nach dem Panoramapunkt geht es weiter auf Schotterpisten — unser roter Jimny schaukelt tapfer durch die karge Landschaft. Weiße Kalkfelsen ragen aus dem trockenen Boden, das Grün ist spärlich, der Himmel strahlend blau. Eine Mondlandschaft mit Meerblick.
Irgendwann biegt der Weg ab, und man fragt sich kurz, ob das noch eine Straße ist oder einfach nur der Platz, wo die letzte Straße aufgehört hat. Der Jeep juckt das nicht. Wir schon ein bisschen.

Nur Strand, sonst nichts
Manche Tage brauchen keine Erklärung. Tagesnotiz lautet wörtlich: „Nur Strand, sonst nichts.“ Und so war es auch. Liegestuhl, Sonne, Wasser, gelegentliches Aufrichten um zu schauen ob die Sonne noch da ist. Sie war noch da.
Mittagessen im Esperos Restaurant — griechisch essen, dann zurück zum Strand. Mehr war nicht nötig und mehr war auch nicht geplant.
Abends dann das Istros — Abendessen, kein großes Tamtam, einfach gut essen und den Tag ausklingen lassen. Genau richtig für einen perfekten Nichtstun-Tag.
Die Nacht, die kein Ende kannte
Manchmal muss das einfach sein. Party. Auf einer griechischen Insel. Im Juli. Die Noten meiner Google Timeline für diesen Tag sind eine einzige lange Fußgänger-Kurve durch die Kos-Stadt — hin und zurück und nochmal hin und irgendwie wieder zurück. Ich glaube, es war gegen 6 Uhr morgens, als ich wieder ins Hotel kam. Sicher bin ich mir nicht. Die West Bar hat ihren Teil dazu beigetragen.
Die West Bar — irgendwo in der Kos-Nacht, irgendwann zwischen Mitternacht und Morgengrauen. Mehr Details sind nicht überliefert.
Der Nachmittag gehört nach einer solchen Nacht der Vernunft — also dem Smugglers Bar Restaurant. Wasser, Essen, ein bisschen Würde zurückgewinnen.
Der Name klingt abenteuerlicher als die Mission: Katerfrühstück-als-Mittagessen. Hat funktioniert.
Den Abend beendet die Old River Taverne — ein ruhiges Abendessen, diesmal ohne Ambitionen auf eine weitere Dauernacht. Morgen ist Abreisetag. Manchmal muss man auch das akzeptieren.
Tschüss, Kos
Kurz vor 14 Uhr — letzter Blick auf das Hotel Laura. Weiß getünchte Fassade, Rundbögen in warmem Orange, eine stattliche Palme vor dem Eingang, ein Fahrrad angelehnt an der Wand. Ein altes Fahrradrad hängt als Deko im Bogen — warum auch immer, aber es passt irgendwie. Das Hotel war unkompliziert, sauber und gut gelegen. Mehr braucht man nicht.
Der Koffer ist wieder geschlossen — diesmal mit etwas mehr Strandtuch-Geruch und etwas weniger Ordnung als beim Packen in Sofia. Das ist Urlaub.

19:34 Uhr — Rückflug nach München

TUIfly X3 4807, ab 19:50 Uhr, Ziel München. Am Fenster: der TUI-Flügel leuchtet orange im Sonnenuntergang, die Wolken unten sehen aus wie rosa Watte, der Himmel darüber ist ein Farbverlauf von Blau in Gold in Apricot.
Kos verabschiedet sich damit auf seine beste Art: still, warm, wunderschön. Wenige Wochen nach diesem Urlaub hat übrigens ein Erdbeben die Insel erschüttert — Kos-Stadt wurde dabei beschädigt, Menschen kamen ums Leben. Ein komisches Gefühl im Nachhinein, wenn man in Erinnerungen blättert und weiß, was kurz darauf kam. Die Insel lebt und erholt sich — aber vergessen sollte man das nicht.
Ankunft in München: 21:55 Uhr. Koffer, Taxi, Bett. Reisepreis: 389 Euro. Erinnerungen: unbezahlbar. Und ja, das war ich tatsächlich gerade am Tippen.
Kos 2017: eine Woche Sonne, ein klappernder roter Jeep, ein Ouzo zu viel und eine Nacht zu kurz — und trotzdem genau das, was man manchmal braucht. Einfach ankommen, abschalten, das Meer anschauen und kurz vergessen, dass es die restliche Welt noch gibt.




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