Jochberg-Rundtour: Zwei Seen, 730 Höhenmeter und ein zufriedener Frosch

Panoramablick vom Jochberg auf Walchensee und Kochelsee in den Bayerischen Alpen

Manchmal muss man nicht weit fahren, um sich vorzukommen wie in einem anderen Land. Der Walchensee liegt knapp eine Stunde südlich von München — und sein türkises Wasser sieht aus wie karibisches Meer, nur mit Zugspitze im Hintergrund statt Palmen. Ich kannte den See natürlich. Aber ich hatte ihn noch nie von oben gesehen. Der Jochberg mit seinen 1.565 Metern thront direkt am Westufer und verspricht genau das: den kompletten Überblick. Walchensee auf der einen Seite, Kochelsee auf der anderen, die Alpen im Rücken. Klingt fast zu gut. Also Rucksack gepackt, Kermit eingesteckt — und los.


Morgens — Aufbruch am Parkplatz

Mit dem Auto ging es von München aus südlich Richtung Walchensee — die B11 durchs Isartal, an Kochel vorbei, dann den letzten Anstieg hinunter ans Seeufer. Wer den Parkplatz am Jochberg ansteuert, hat zwei Optionen: einen etwas weiter unten an der Seestraße oder einen höher gelegenen, der ein paar Höhenmeter schenkt. Ich nahm den oberen — weil ich grundsätzlich jeden geschenkten Höhenmeter nehme und weil das Schild ‚Parkplatz‘ mich magisch anzieht, wenn ich eh schon kurz davor bin.

Der Morgen war blau, klar, fast schon frech schön. Kein einziges Wölkchen zum Entschuldigen, falls die Beine schlapp machen würden. Kurz den Rucksack geschultert, Kermit in die Seitentasche — er reist immer komprimiert, aber würdevoll — und ab zum Einstieg.

Schon auf dem kurzen Weg vom Parkplatz zum eigentlichen Trailbeginn hatte ich meinen ersten ‚Ich-muss-das-fotografieren‘-Moment. Durch die Baumkronen blitzte das türkisfarbene Wasser des Walchensees — eingerahmt von Ästen wie ein Gemälde, das sich selbst aufgehängt hat. Kermit hätte wahrscheinlich reingehüpft. Ich ließ es bleiben und lief weiter.


Der Aufstieg — Schweiß, Latschenkiefern und immer mehr Aussicht

Der Jochberg ist kein Kletterberg. Aber ein gemütlicher Spaziergang ist er auch nicht. Knapp 730 Höhenmeter auf rund 9,5 Kilometern — das merkt man. Der Weg führt zunächst durch schattigen Mischwald, dann öffnet sich das Gelände, und plötzlich liegt der Walchensee unter einem. Jedes Mal, wenn ich eine neue Kurve nahm, wurde der See ein bisschen größer, ein bisschen blauer, ein bisschen unwirklicher.

Ab der Waldgrenze begleiten einen Latschenkiefern und ein stetig frischer Wind. Die Sonne drückte an diesem Junitag mit allem, was sie hatte. Mein T-Shirt hatte nach etwa einer Stunde aufgehört, trocken zu sein. Ich hatte aufgehört, das zu bemerken.

Irgendwo auf halbem Weg öffnete sich dann der erste Blick in die andere Richtung: der Kochelsee. Kleiner als der Walchensee, ruhiger, eingebettet ins Flachland — dahinter die Weite des bayerischen Vorlandes bis zum Horizont. Zwei Seen auf einmal. Das Hirn weiß nicht, wo es zuerst hinschauen soll.

Ich entschied mich fürs Weiterlaufen. Der Gipfel war nah genug, um ehrgeizig zu sein.


Am Gipfel — Walchensee, Kochelsee und das ganze Panorama

Oben angekommen, stand ich erst mal eine Weile einfach nur da. So ein Panorama braucht einen Moment zum Einatmen. Der Walchensee lag türkisblau unter mir, durchzogen von einem leichten Wind, der kleine Wellen zeichnete. Dahinter die Alpenkette — Zugspitze, Karwendel, Wetterstein — noch mit Schneeflecken auf den höchsten Graten. Rechts der Kochelsee, dahinter das Alpenvorland, das sich bis zum Horizont zieht wie eine grün-braune Tischdecke.

Ich holte Kermit aus der Seitentasche. Er schaute kurz auf den See, dann zu mir — und ich schwöre, er wirkte zufrieden. Manchmal reicht ein Blick.

Das Panoramafoto auf dem Gipfelgrat ist das, wofür man diese Wanderung macht. Links der Walchensee in seinem unverschämten Türkis, rechts der Kochelsee — und dazwischen felsige Gipfelgrate, Latschenkiefer und ein paar andere Wanderer, die genauso verdutzt dreinschauten wie ich. Auf dem Selfie sieht man den Walchensee im Hintergrund und mich mit meiner besten ‚Ich-hab-das-verdient‘-Miene. In den Brillengläsern spiegelt sich der Gipfelweg — ein Detail, das ich erst beim Nachbearbeiten bemerkt habe. Manchmal ist die Technik doch poetisch.

Auf dem Gipfelselfie mit dem Kochelsee im Rücken sieht man: Sonnenbrille auf, Rucksack drauf, Stirn glänzend wie ein frisch polierter Parkettboden. Das ist der ehrliche Zustand nach 730 Höhenmetern im Juni. Ich finde, das gehört dazu. Wer auf Gipfelfotos frisch und unbeschwert wirkt, hat entweder eine Seilbahn genommen oder lügt.

Die Sonne war inzwischen auf Mittagsposition. Der Wind oben war angenehm, fast kühl. Ich blieb länger als geplant — was auf Berggipfeln mein Standardprogramm ist.

Der Blick vom Grat hinunter auf den Walchensee mit dem Abstiegspfad im Vordergrund ist ein klassisches Wanderfoto — und trotzdem jedes Mal neu. Rechts am Bildrand saß jemand auf einem Stein und aß seine Brotzeit. Gute Idee. Ich packte auch kurz aus. Kermit bekam seinen Ehrenplatz auf dem Felsvorsprung. Er saß dort und schaute auf den See wie ein kleiner grüner Buddha. Ich aß mein Brot.


Gipfelgrat und Abstieg — Almwiesen, Bergblumen und noch mehr Selfies

Der Abstieg führte über die offenen Almhänge unterhalb des Gipfelgrats. Weites Wiesengelände, durchsetzt von Almblumen in Gelb und Rosa, dahinter der Walchensee als Dauermotiv. Ich fotografierte gefühlt alle zehn Meter. Das kostet auf dem Rückweg deutlich mehr Zeit als auf dem Hinweg — was ich als Feature und nicht als Bug betrachte.

Noch ein Selfie, diesmal ohne Rucksack-Trägern und mit etwas mehr Ruhe im Gesicht. Der Walchensee liegt türkis im Hintergrund, die Alpen dahinter in dunstigen Blautönen gestaffelt. Mein T-Shirt hatte sich zwischenzeitlich wieder halbwegs erholt.

Und dann die Almwiese mit den Bergblumen. Gelbe Margeriten im Vordergrund, rosa Blüten dahinter, der Walchensee in der Tiefe — und am Horizont die Schneeberge. Das Bild hat sich selbst komponiert. Ich hab nur abgedrückt. Solche Momente mag ich am meisten: wenn die Landschaft die Arbeit erledigt und man als Fotograf einfach zur rechten Zeit am rechten Ort kniet.

Letztes Selfie des Tages — oben ohne Rucksackträger, der Walchensee im Rücken, die Insel Sassau als kleiner grüner Fleck im türkisen Wasser. In den Sonnenbrillen-Gläsern spiegelt sich diesmal die Almwiese. Ich finde das irgendwie schön: Das Beste des Tages steckt in den Gläsern drin.

Der Rückweg zum Parkplatz war ruhig. Beine gingen noch. Kermit schlief in der Seitentasche. Alles gut.


Die Route auf Komoot

Hier die vollständige Tour zum Nachverfolgen — knapp 9,6 Kilometer, rund 730 Höhenmeter, Gehzeit etwa zwei Stunden. Für einen Tagesausflug aus München absolut machbar, wenn man früh losfährt.


Eine Stunde von München entfernt, und man steht über zwei Seen, unter dem halben Alpenhauptkamm und fragt sich ernsthaft, warum man je weiter weg gefahren ist. Der Jochberg ist kein großer Berg. Aber er hat das richtige Verhältnis von Aufwand und Aussicht — und das ist eigentlich alles, was zählt.


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