Oktober in den Voralpen. Die Luft hat diesen leichten Herbstbiss, der einen morgens noch zweifeln lässt, ob T-Shirt oder Fleece. Ich entscheide mich fürs T-Shirt — und bereue es keine Sekunde. Heute ist kein großer Gipfelsturm geplant, keine epische Mehrtagesetappe. Heute ist Familientag. Freunde, Kinder, entspanntes Tempo. Die Denkalm bei Miesbach ruft — und ich folge dem Ruf, ganz ohne Ambitionen, aber mit vollem Akku.
Mit dem Auto von München aus ist man in knapp einer Stunde am Start — Richtung Miesbach, Ausfahrt nehmen, kurz orientieren, fertig. Kein Stress, kein Bahnhofsgewusel. Einfach einsteigen und fahren.
13:00 Uhr — Aufbruch am Dorfbach: Gemächlicher Start ins Voralpenidyll

Am Dorfbach starten wir unsere kleine Runde. Die Gruppe ist bunt: ein paar Erwachsene, ein paar Kinder, unterschiedliche Laufgeschwindigkeiten — und eine kollektive Einigkeit, dass heute niemand Rekorde bricht. Perfekt.
Der Weg zieht sich zunächst sanft durch die Talachue. Saftige Herbstwiesen, erste goldgelbe Bäume, Bergblick nach Süden. Irgendwo da hinten lugt das Mangfallgebirge raus — der Wendelstein ist klar zu erkennen, gut 1800 Meter hoch, imposant auch aus der Ferne. Das Tal unter mir: Miesbach, eingebettet zwischen bewaldeten Hügeln, wirkt von hier oben fast zu idyllisch, um real zu sein.
Etwa 2,5 Kilometer und rund 200 Höhenmeter liegen vor uns — für Familientempo mehr als genug Stoff für gute Laune und ein paar Stopps.
14:00 Uhr — Tratenbach und Begegnung der kuschligen Art
Bei Tratenbach führt der Weg an gepflegten Bauernhöfen vorbei, Holzzäune links, Obstbäume rechts, Herbstsonne von oben. Ich mache ein Selfie auf dem Asphaltweg — weil manchmal der einfache Moment der schönste ist.
Und dann: die Begegnung des Tages. Eine Gruppe Hereford-Rinder lagert seelenruhig am Wegrand. Braun, weiß gefleckt, Ohrmarke 08 546. Einer schaut mich so direkt an, als hätte er eine konkrete Frage. Die Frage lautet vermutlich: Hast du Brot dabei? Habe ich nicht. Enttäuschung auf beiden Seiten.
Die Kinder sind begeistert. Ich auch, ehrlich gesagt.


Der Weg von Tratenbach hinauf zur Alm ist einer dieser Wege, die man nicht beschreiben muss. Man muss sie einfach gehen. Asphalt weicht Schotterweg, Schotterweg weicht Pfad, Herbstfarben links und rechts. Das Tempo der Gruppe: entspannt bis sehr entspannt. Niemand hat es eilig. Ich auch nicht.
Zwischendurch: Kinderpause. Schnürsenkel binden. Stein anschauen. Weitergehen. Das volle Programm.
15:00 Uhr — Einkehr auf der Denkalm: Brotzeit mit Ausblick
Die Denkalm empfängt uns mit dem, was man sich von einer solchen Alm erhofft: rustikale Holzbänke, Herbstsonne auf der Terrasse, ein überschaubares Angebot an deftiger Brotzeit und der typische Almkaffee, der einen sofort warm macht. Wir bestellen quer durch die Karte — Käsebrot, Obatzda, ein Radler für die Erwachsenen, Apfelsaft für die Kleinen.
Die Aussicht von der Alm ist das eigentliche Highlight. Der Blick geht nach Norden ins Voralpenland, weit über Miesbach hinaus Richtung Münchner Schotterebene. An so einem klaren Oktobertag meint man fast, die Türme der Frauenkirche erahnen zu können. Meint man. Vielleicht.
Das Publikum: Familien, ein paar ältere Wanderpaare, Hunde. Niemand hat Eile. Die Alm macht das, was gute Almen immer machen — sie bringt alle auf dasselbe gemächliche Tempo.
16:00 Uhr — Abstieg über Tratenbach: Runde schließt sich
Der Rückweg führt wieder über Tratenbach. Bergab läuft sich’s leichter, die Stimmung ist satt und zufrieden. Die Kinder entdecken noch einmal die Kühe — die Kühe entdecken noch einmal uns. Altes Spiel, neues Glück.
Die letzten Kilometer zurück zum Auto sind reine Genugtuung. Nicht weil die Beine schmerzen — tun sie nicht, dafür war die Tour zu entspannt — sondern weil der Tag einfach gut war. Unkompliziert, laut, witzig, warm.

Nicht jede Wanderung muss episch sein. Manchmal reicht ein Oktobertag, ein neugieriges Rind, eine Almbrotzeit und gute Freunde — und es ist trotzdem genau das Richtige.
📍 Dorfbach · 🏁 Dorfbach (Runde) · 📏 ca. 5,0 km · ⬆️ ca. 200 Hm · ⬇️ ca. 200 Hm · ⏱ ca. 3:00 h




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