Sommer 2020. Kein normaler Sommer. Maskenpflicht, Unsicherheit, halb Europa noch im Krisenmodus — und ich? Ich miet mir ein Auto am Max-Weber-Platz in München, werfe Kermit auf den Beifahrersitz und fahre nach Italien. Weil Urlaub. Weil Adria. Weil man manchmal einfach Vitamin S braucht — Salzwasser, Sonne, Seeluft. Mit dabei: eine befreundete Familie mit zwei Kindern, ein Mobile Home auf dem Village Camping Marina di Venezia in Cavallino-Treporti und die kollektive Entschlossenheit, diesen bescheuerten Sommer trotzdem irgendwie schön zu machen. Spoiler: Hat geklappt.
Tag 1 — Samstag, 15. August 2020 — Von München an die Adria
Morgens zum Europcar am Max-Weber-Platz, Schlüssel entgegennehmen, Kermit auf das Armaturenbrett drapieren — und los. 31 Grad laut Tacho-Display, strahlend blauer Himmel, freie Autobahn. Kermit hat das Steuer sofort für sich beansprucht. Ich hab ihn gelassen. Er wirkte entschlossen. Außerdem sah er konzentrierter aus als ich um diese Uhrzeit.
Die Strecke von München nach Cavallino-Treporti ist so eine Sache: Über den Brenner, runter durch Norditalien, irgendwann taucht die Lagune auf. Landschaftlich schön, autobahntechnisch ausdauernd. Aber bei dem Wetter? Kein Drama. Playlist läuft, Kermit navigiert stumm vor sich hin, und irgendwo hinter Verona beginnt man zu ahnen, dass da gleich Meer kommt.

Nachmittags — Ankommen, Strand, fertig
Check-in, Koffer rein, Badehose an — in dieser Reihenfolge und ohne nennenswerte Pause dazwischen. Das Mobile Home war für zwei Familien gut geschnitten, der Campingplatz selbst ein echtes Dorf. Wege, Pinien, blühende Oleander, ein eigener Strand direkt am Adriatischen Meer. Man braucht hier eigentlich kein Programm. Man braucht Sonnencreme und Flip-Flops.

Der Beach Marina di Venezia ist breit, sandig, und am Nachmittag des 15. August — also Ferragosto, dem größten Feiertag Italiens — entsprechend gut gefüllt. Familien, Liegestühle, Sonnenschirme so weit das Auge reicht. Trotzdem: Platz gefunden, Handtuch ausgerollt, Kermit abgelegt.
Kermit hat das Handtuch übrigens sofort vollständig für sich beschlagnahmt und sich der Länge nach draufgelegt. Keine Anstalten, jemals wieder aufzustehen. Ich kann es ihm nicht verdenken.
Wer Kermit kennt, weiß: Der Frosch ist kein Draufgänger. Er sonnt sich. Methodisch. Mit geschlossenen Augen und dem zufriedenen Gesichtsausdruck von jemandem, der genau weiß, dass er heute nichts mehr leisten muss. Ich hab kurz erwogen, ihm das Handtuch wegzuziehen. Dann hab ich’s gelassen.
Den Abend haben wir im Ristorante Calici e Mare ausklingen lassen — direkt auf dem Campingplatz. Pasta, Wein, müde Kinder und zwei Familien, die einfach froh sind, irgendwo angekommen zu sein. Für 2020 war das schon eine Menge.

Das Calici e Mare liegt direkt auf dem Campinggelände und ist genau das, was man nach einem langen Fahrtag braucht: kein Stress, ordentliche Küche, ein Glas lokaler Wein. Das Publikum ist durchweg Campingurlauber — Familien, Paare, alle irgendwie entspannt und ein bisschen von der Sonne gezeichnet. Abendessen hier wurde über die Tage zum festen Anlaufpunkt.
Tag 2 — Sonntag, 16. August 2020 — Bäcker, Strand, Wasserpark
Morgens — Fahrradtour zum Frühstück
Wer mal auf dem Marina di Venezia war, weiß: Der Campingplatz ist kein Campingplatz. Der ist eine Stadt. Parzellen, Wege, Grünflächen, Infrastruktur — alles da, alles weitläufig. Zum Bäcker und zurück ist ohne Fahrrad keine Option, es sei denn, man möchte die Semmeln warm essen, weil die Mittagshitze sie auf dem Rückweg aufgebacken hat.
Also: Fahrrad geschnappt, Runde gedreht, frische Brötchen für alle geholt. Um kurz vor halb zwölf sah ich bereits aus wie jemand, der einen Triathlon absolviert hat — Schuld war weniger die Anstrengung als die Augustsonne, die hier keine Kompromisse kennt. Aber die Kinder haben sich gefreut, und das zählt.

Nachmittags — Adria von innen

Nach dem Frühstück, nach dem obligatorischen Mittagsnickerchen unter der Markise, nach dem zweiten Kaffee — irgendwann am frühen Nachmittag zog es uns wieder an den Beach Marina di Venezia. Diesmal nicht nur draufschauen. Rein.
Die Adria ist im August flach, warm und angenehm salzig. Man kann ewig weit rausgehen und steht noch hüfttief im Wasser. Ideal für Kinder, entspannend für Erwachsene, und für Selfies mit Sonnenbrille im Wasser gibt es offenbar eine internationale Pflicht, der auch ich mich nicht entziehen kann.
Etwas weiter draußen im Wasser ankerte ein aufgeblasener Wasserpark — bunte Hüpfburgen, Rutschen, Klettertürme, alles in Grün-Gelb-Blau. Kinder sprangen rein, sprangen raus, sprangen wieder rein. Der Lärm war beachtlich. Die Freude auch. Ich hab aus sicherer Entfernung bewundert und mich nicht angestellt. Ich bin Blogger, kein Turniertaucher.
Den Abend beschloss wieder das Ristorante Calici e Mare — mittlerweile so etwas wie unser Wohnzimmer auf dem Campingplatz. Die Kinder kannten schon die Speisekarte auswendig. Ich hab das als gutes Zeichen gewertet.

2020 war kein normales Urlaubsjahr. Aber Sonne, Salzwasser und gute Gesellschaft — das hat auch mit Masken und Unsicherheit im Gepäck funktioniert. Manchmal braucht man den Urlaub nicht trotz der Umstände. Sondern genau wegen ihnen.





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