August 2020. Die Welt war ein bisschen durch den Wind, Masken gehörten zum Alltag, und trotzdem — oder vielleicht genau deswegen — war klar: Urlaub muss sein. Also Auto gemietet, Kermit eingepackt, und ab nach Italien. Genauer gesagt: nach Cavallino-Treporti, direkt an der Adria, ein paar Kilometer von Venedig entfernt. Ein Campingplatz, ein Mobile Home, eine befreundete Familie mit zwei Kindern — und jede Menge Sonne. Kermit hatte schon die ganze Woche vorher auf dem Armaturenbrett gesessen und ungeduldig mit den Flossen getrommelt. Ich kann ihn gut verstehen.
Tag 1 — Anreise: München nach Cavallino-Treporti
Morgens — Aufbruch am Max-Weber-Platz
Der Plan war simpel: Mietwagen abholen, einladen, fahren. Die Realität war natürlich etwas chaotischer. Früh morgens am Max-Weber-Platz angekommen, erst mal Schlange stehen bei Europcar. Formulare, Führerschein, nochmal Formulare. Dann endlich Schlüssel in der Hand. Kermit hatte es sich bereits auf dem Armaturenbrett bequem gemacht — Pfoten am Steuer, Blick auf die leere Autobahn, 31 Grad laut Anzeige. Der Frosch war bereit. Ich auch, mehr oder weniger.
Die Fahrt nach Italien war entspannt. Autobahn, blauer Himmel, Kermit als Co-Pilot. Er hat das Navigieren übernommen — zumindest hat er so getan, als ob. Ich habe einfach dem Navi vertraut und Kermit seinen Moment genossen. Tempo 130, Sonne im Gesicht, und irgendwo hinter uns lag der Alltag.

Nachmittags — Ankunft und direkt an den Strand
🌐 marinadivenezia.it
Der Village Camping Marina di Venezia ist kein kleiner, beschaulicher Campingplatz. Der ist riesig. Eher eine eigene kleine Stadt mit Straßen, Supermarkt, Restaurants und allem drum und dran. Unser Mobile Home war ordentlich, sauber, und hatte genau die richtige Größe um festzustellen, dass zwei Familien auf engem Raum trotzdem harmonieren können — wenn genug Wein vorhanden ist. Koffer rein, Badehose raus. Prioritäten.
Keine halbe Stunde nach der Ankunft standen wir schon am Beach Marina di Venezia. Vitamin S tanken, wie ich das nenne. Sonne, Sand, Salzwasser. Der Strand war belebt, bunt, laut — auf die angenehme Art. Familien, Kinder, Rentner mit Sonnenhüten, ein paar Mutige die schon früh am Nachmittag im Wasser standen. Ich gehörte dazu. Das Wasser war warm, die Adria zeigte sich von ihrer freundlichsten Seite.
Kermit hingegen hatte andere Pläne. Er rollte sich auf dem Handtuch zusammen und tat das, was er am besten kann: nichts. Einfach da liegen, die Sonne genießen, und dabei aussehen als hätte er das schon immer so gemacht. Ich beneide ihn manchmal wirklich.


Irgendwann am frühen Abend dann der erste Restaurantbesuch. Das Ristorante Calici e Mare direkt auf dem Campinggelände hatte uns schon beim Vorbeigehen angelockt. Meeresfrüchte, Pasta, ein ordentlicher Hauswein — nach einem langen Fahrtag war das genau das Richtige. Die Kinder hatten Nudeln, die Erwachsenen hatten Wein, und alle waren glücklich. So soll Urlaub sein.
Tag 2 — Semmeln, Salzwasser und ein aufgeblasener Wasserpark
Morgens — Fahrrad, Bäcker, Frühstück für alle
Morgens früh, Sonne schon oben, Campingplatz langsam erwacht. Meine selbst auferlegte Mission: Semmeln für alle holen. Klingt simpel. Ist es nicht, wenn der Campingplatz die Ausmaße eines mittelgroßen Vororts hat. Ohne Fahrrad wäre ich wahrscheinlich erst zum Mittagessen zurück gewesen.
Also Fahrrad geschnappt und durch die Gassen des Village Camping Marina di Venezia geradelt. Überall blühende Oleander, Pinien die Schatten spenden, Wohnmobile und Mobile Homes in langen Reihen. Andere Frühaufsteher mit dem gleichen Ziel. Ein Nicken hier, ein ‚Buongiorno‘ dort. Beim Bäcker dann die übliche Urlaubsatmosphäre: alle wollen frische Brötchen, niemand will warten. Ich wartete. Mit Würde. Und einer Maske.
2020, nicht vergessen. Maskenpflicht auch auf dem Campingplatz. Man gewöhnte sich dran — und trotzdem, oder gerade deswegen, fühlte sich jeder Moment ohne Maske an der frischen Luft wie ein kleines Privileg an.

Nachmittags — Meer, Schwimmen und dieser Wasserpark

Nach dem Frühstück — Semmeln verteilt, Kaffee getrunken, Kermit wieder auf seinem Platz — ging es nachmittags wieder an den Beach Marina di Venezia. Der zweite Tag, und schon war die Strandtasche gepackt wie eine gut eingespielte Routine.
Das Wasser der Adria hat an diesem Nachmittag wieder geliefert. Warm, ruhig, ein leichter Wellengang. Man steht bis zur Hüfte drin und fragt sich, warum man das nicht öfter macht. Die Antwort kennt man natürlich — Alltag, Arbeit, der ganze Kram. Aber für ein paar Tage war das alles weit weg. Weit genug.
Ein Stück weiter draußen im Wasser schwamm ein aufgeblasener Wasserpark — bunt, laut, voller kreischender Kinder und Jugendlicher die sich gegenseitig von Rutschen schubsten. Ich habe mir das aus sicherer Entfernung angeschaut. Mit Sonnenbrille. Und dem zufriedenen Gesichtsausdruck eines Menschen, der genau weiß: da drüben ist Spaß, aber hier drüben ist Frieden.
Neben mir, in Hörweite, eine italienische Familie. Großmutter, Eltern, gefühlt sieben Kinder. Alle gleichzeitig am Reden. Laut, lebhaft, herzlich. Das ist das Schöne an Stränden: man muss nicht eine Sprache sprechen um zu verstehen, dass alle glücklich sind.

Abends — Nochmal Calici e Mare
Am Abend wieder das Ristorante Calici e Mare. Manchmal findet man auf Reisen einen Ort, der einfach funktioniert — und dann geht man halt zweimal hin. Die Atmosphäre war entspannt, das Essen solide, der Wein floss. Die Kinder waren irgendwann müde genug um still zu sein. Das nenne ich einen gelungenen Urlaubstag.
2020 war kein normales Jahr. Aber ein paar Tage Sonne, Meer und gute Gesellschaft — die hat sich niemand nehmen lassen. Und Kermit schon gar nicht.





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