Baumgartenschneid: Mein erster Gipfel über dem Tegernsee

Selfie zweier Wanderer auf dem Weg zum Baumgartenschneid mit Alpenpanorama

Manchmal braucht es nicht viel für eine gute Wanderung. Eine Freundin, einen Fernsehtipp aus dem BR und den festen Vorsatz, sich das Ganze nicht anmerken zu lassen, wenn die Beine schon nach der Hälfte streiken. So begann meine erste Bekanntschaft mit dem Baumgartenschneid — einem Gipfel über dem Tegernsee, den ich vorher nicht mal dem Namen nach kannte. Helmut Schleich hatte ihn im Fernsehen empfohlen. Wir dachten: wenn der das schafft, schaffen wir das auch. Spoiler: Wir haben recht behalten. Knapp.

Mit der BRB von München nach Tegernsee — das geht entspannt, kein Stress, kein Stau, einfach einsteigen und ankommen. Der Tag war warm, der Himmel freundlich bewölkt, die Stimmung gut. Noch.


09:00 Uhr — Tegernsee: Froschbegrüßung und Aufbruch

Tegernsee empfängt uns auf seine eigene Art. Direkt auf dem Weg durch den Ort stoßen wir auf einen Garten, der aussieht, als hätte jemand beschlossen, sämtliche Frösche der Welt aus Beton zu gießen und bunt anzumalen. Ein blauer Riese thront in der Mitte, links ein buntes Mosaik-Exemplar, rechts ein pinkes. Der Garten quillt über vor Pflanzen, Blüten und keramischer Amphibienpracht. Ich stehe kurz davor und denke: Das ist entweder sehr viel Liebe zu Fröschen oder eine sehr lange Geschichte, die ich nie erfahren werde. Beides ist in Ordnung.

Dann geht es los. Der Aufstieg Richtung Riederstein beginnt harmlos — breite Wege, Wald, angenehmer Schatten. Das Berggasthaus Riederstein am Galaun passieren wir, ohne einzukehren. Im Nachhinein: fragwürdige Entscheidung. Der Riederstein selbst grüßt von oben, eine kleine Kapelle auf einem Felsvorsprung — pittoresk, fast unwirklich. Wir schauen kurz hoch, nicken anerkennend und gehen weiter. Die Höhenmeter fangen an, sich zu melden.

🍺 Berggasthaus Riederstein am Galaun
Riederstein · Tegernsee
📍Google Maps

Das Berggasthaus liegt direkt am Weg unterhalb des Riedersteins — wir sind vorbeigegangen. Ob das klug war, lasse ich mal offen.

Der Wanderweg am Hang ist genau das, was er aussieht: steil, schmal, mit Schotter bedeckt und ohne jeden Kompromiss nach oben gerichtet. Links fällt der Hang ab, unten liegt eine einsame Almhütte, dahinter staffeln sich bewaldete Rücken bis zum Horizont. Weit rechts schimmert schon der erste Streifen Tegernsee. Das Wetter hält — blauer Himmel, ein paar Schäfchenwolken, der Wind fehlt noch. Wir steigen, ohne viel zu reden. Das spart Sauerstoff.


12:30 Uhr — Gipfel Baumgartenschneid: Panorama und Pause

Und dann ist er da — der Moment, für den man das alles macht. Der Tegernsee liegt dort unten wie hingemalt. Von hier oben wirkt er fast unwirklich klein und gleichzeitig überraschend groß. Tegernsee-Ort schmiegt sich ans südliche Ufer, die Häuser kaum zu erkennen, das Wasser silbrig-blau. Dahinter schichten sich die Berge — Mangfallgebirge, weiter hinten die Alpenkette, alles in sanftem Dunst. Nach Süden hin öffnet sich der Blick weit ins Gebirge, nach Norden erkennt man das Alpenvorland bis zum Horizont. Man sieht gefühlt halb Bayern auf einmal.

🏔️ Baumgartenschneid
Gipfel · 1.415 m ü. NN · Schliersee / Tegernsee
📍Google Maps

Der Gipfel ist kein dramatischer Felsturm, sondern ein langer, offener Gratrücken — man spaziert fast darauf herum. Ein paar Baumstämme als Sitzgelegenheit, viel Himmel, noch mehr Aussicht. Genau richtig.

Das Selfie muss sein. Mit Sonnenbrille, pinkem Poloshirt und dem Gesichtsausdruck von jemandem, der gerade beide Dinge gleichzeitig denkt: ‚Ich bin so stolz auf mich‘ und ‚Meine Knie hassen mich‘. Meine Wanderpartnerin kommt kurz darauf den Weg herauf — ebenfalls mit dem Gesicht einer Person, die Helmut Schleich im Geiste freundliche, aber deutliche Worte sagen möchte.

Der Gratrücken des Baumgartenschneid ist wirklich etwas Besonderes. Man läuft auf dem schmalen Kamm, links geht es steil nach Tegernsee runter, rechts nach Schliersee. Unten liegt auf beiden Seiten Bayerisches Bilderbuch: grüne Hänge, Almhütten, Wälder. Und mittendrin dieser eine Wanderer im roten Shirt, der versucht, möglichst erhaben auszusehen — und dabei seinen Daumen ins Bild hält. Klassiker.


14:00 Uhr — Abstieg nach Schliersee: Kühe, Almen und Teer

Der Abstieg führt auf der anderen Seite hinunter Richtung Schliersee. Nach der exponierten Grat-Passage wird der Weg breiter, die Landschaft ruhiger. Auf den sattgrünen Almwiesen stehen braune Rinder, die uns mit der üblichen Kuh-Gleichmut betrachten. Zwei von ihnen stehen so dicht nebeneinander, dass man kurz denkt, sie schmusen. Vielleicht tun sie das auch. Ich fotografiere und gehe weiter — manche Momente sind besser ohne Kommentar.

Dann kommt der Teil jeder Bergwanderung, den man gerne vergisst, wenn man beim nächsten Mal plant: die Straße. Eine schmale, geteerte Landstraße zieht sich zwischen Wiesen und Wald dahin, schnurgerade, unter stahlblauem Himmel, in praller Sonne. Schön ist anders. Nötig ist das schon. Wir schweigen einvernehmlich und marschieren. In Schliersee dann — Kaffee. Verdient, heiß, schweigend getrunken.

☕ Café Milchhäusl am See
Schliersee
📍Google Maps

Das Milchhäusl am Schliersee ist die verdiente Belohnung nach dem Abstieg. Kaffee, Aussicht auf den See, kurzes Innehalten — mehr braucht es nicht. Danach geht es zurück nach München.


Wenn Helmut Schleich das im Fernsehen locker rübergebracht hat — dann hat er einfach gut geschnitten. Es war wunderbar. Aber leicht war es nicht.

Die vollständige Tour gibt es auch auf Komoot: Tour auf Komoot ansehen


zuletzt Aktualisiert:


Schreibe einen Kommentar