Steingroßväter, Schluchten und Abschied — Jejus letzter Abend

Letzter Tag auf Jeju. Das Wetter hat sich entschieden: erst golden, dann bewölkt, dann Abend. Kermit sitzt still im Rucksack — er weiß, dass Abreisen kommen. Ich auch. Aber vorher: noch eine Schlucht, noch zwei Dol-hareubang, noch ein Sonnenuntergang mit Flugzeug drüber. Jeju gibt alles bis zum Schluss.

천지연 — Die Schlucht am Abend

Cheonjiyeon — eine Schlucht aus Lavagestein, dazwischen ein stilles, tiefgrünes Gewässer. Abends, kaum Touristen. Die Felsen sind schwarz und nass, das Wasser bewegt sich nicht. Bäume hängen von oben rein. Das ist das Jeju das man nicht in jedem Reiseführer findet — still, roh, ohne Eintrittsschild-Gedränge.


Letzter Abend: Lava, Licht und ein Flugzeug

28. September, kurz vor 18 Uhr. Die Schlucht noch einmal — diesmal von oben, im Abendlicht. Das Lavagestein leuchtet fast, die Bäume obendrüber strahlen dieses späte Goldgelb. Fünf Minuten früher und das Licht wäre nicht so gewesen. Fünf Minuten später auch nicht.

Die Sonne taucht hinter der Küstenlinie weg — orange, lautlos. Ein Flugzeug im Anflug zieht seinen Weg über das Bild. Irgendwer landet gerade auf Jeju. Ich denke: Die wissen noch nicht, was sie erwartet. Ich weiß es jetzt. Und muss morgen trotzdem weg.

Dol-hareubang — die steinernen Wächter

Dol-hareubang. Wörtlich: Steingroßvater. Jejus Wahrzeichen — runde Augen, breite Nase, Hände auf dem Bauch. Überall auf der Insel stehen sie, immer zu zweit, immer am Eingang von irgendwas. Diese beiden stehen auf einem Weg im Abendlicht. Sie schauen einen an als wollten sie sagen: Na? War’s gut? Ja. War’s gut.

Die Küstenstraße biegt sich in Richtung Sonnenuntergang. Gelbe Linie, leere Fahrbahn, der Himmel noch einmal orange. Das ist das letzte Fahren auf Jeju — morgen gibt der Mietwagen zurück, dann Flughafen, dann weg. Kermit schaut aus dem Fenster. Ich auch.

Noch einmal Dol-hareubang — diesmal im Park, auf einem Kopfsteinpflasterweg, Kiefern dahinter. Die beiden hier sind etwas verwitterter, etwas breiter, und schauen mit dieser ruhigen Gleichgültigkeit die nur Steinstatuen und sehr alte Menschen haben. Ein Schild erklärt irgendetwas auf Koreanisch. Ich verstehe es nicht. Die Dol-hareubang auch nicht — aber die brauchen das nicht.


Strandpromenade und Abschied bei Nacht

18:13 Uhr, Strand. Wolken haben gewonnen. Die Holzpromenade leuchtet von unten — grüne und weiße LED-Punkte im Boden, gleichmäßig, wie ein Landebahn für sehr kleine Flugzeuge. Der Strand ist fast leer. Ein paar Spaziergänger, ein gelbes Banner irgendwo. Das Meer ist grau. Es passt trotzdem.

20:02 Uhr. Irgendwo in Jeju Stadt, vor einer Bank oder einem Laden: eine große Schweinchen-Skulptur in Rosa, die drei kleinere Schweinchen umarmt — gelb, blau, braun. Das schwarze Auge starrt ins Leere. Ich starre zurück. Jeju hat ein Faible für große bunte Skulpturen an unerwarteten Stellen. Ich habe das inzwischen akzeptiert.

Jeju ist eine Insel die man nicht ganz versteht — und die das auch nicht verlangt. Man kommt, schaut, läuft, isst, sitzt vor Leuchttürmen und Steingroßvätern. Und dann ist man weg. Aber die Insel bleibt.


Tag27.–28. September 2023
Cheonjiyeon WasserfallServierport/Jeju Stadt — Eintritt ca. 2.000 KRW; abends ruhiger
Dol-hareubangJejus Wahrzeichen — überall auf der Insel, kostenlos anzuschauen
KüstenstraßeJeju Nordküste entlang — mit Mietwagen ideal; Sonnenuntergangsstrecke
StrandpromenadeIho oder Hyeopjae Beach — abends mit LED-Beleuchtung, kostenlos
Mietwagen-RückgabeJeju Airport — Rückgabe früh einplanen, Schlangen möglich
Kermit-FaktorStiller als sonst. Er wusste, dass es der letzte Abend war.

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