Zugspitze: Deutschlands höchster Punkt — und der weiteste Blick

Weites Steinplateau auf dem Zugspitzplatt mit Blick auf die Alpen

Zugspitze: Deutschlands höchster Punkt — und der weiteste Blick

Nicht mein erstes Mal hier oben. Und trotzdem stehe ich wieder da wie ein Erstbesucher, Mund auf, Kinnlade unten, Kermit im Rucksack. Der Sommer in München war in den letzten Wochen gnadenlos — genau der richtige Moment, um mal eben auf 2962 Meter zu flüchten. Die Zugspitze liegt von München aus prima erreichbar: einfach auf der A95 Richtung Garmisch-Partenkirchen, Parkplatz an der Talstation der Eibsee-Seilbahn, Ticket kaufen, einsteigen. Fertig. Eine Stunde Fahrt, und man steht am Fuß des höchsten Deutschen.

Der Plan für den Tag: rauf auf den Gipfel, Panorama genießen, irgendwas essen, und danach noch kurz am Eibsee die Füße baumeln lassen. Spoiler: Es wurde etwas mehr als das.


09:30 Uhr — Talstation Eibsee-Seilbahn: Der erste Blick nach oben

Schon unten am Parkplatz macht das Massiv klar, wer hier das Sagen hat. Die Zugspitze thront über dem Nadelwald, der Seilbahnmast ragt aus dem Grün, die Gondel zieht ihre Bahn nach oben — und ein Schauer läuft den Rücken runter. Den guten. Kermit lugt aus dem Rucksack und schaut ehrfürchtig nach oben. Oder er schläft noch. Schwer zu sagen.

Der Parkplatz an der Talstation ist an einem Augustsamstagmorgen das, was man sich vorstellt: voll. Aber mit etwas Geduld findet sich eine Lücke, Ticket ist schnell gelöst, und dann heißt es: warten auf die nächste Gondel. Gar nicht so dramatisch wie befürchtet.

🚡 Seilbahn Zugspitze
Eibseestraße 1 · 82467 Garmisch-Partenkirchen
🌐 zugspitze.de
📍Google Maps

Die Eibsee-Seilbahn ist die schnellste Route auf den Gipfel: rund zehn Minuten, knapp 2000 Höhenmeter, und man steht oben. Die Gondeln sind groß, modern und faszinierender als man denkt — wenn man erst mal über den schmelzenden Gletscher direkt unter einem hinwegsieht. Tickets empfehle ich online zu buchen, besonders im Sommer.


10:30 Uhr — Zugspitzgipfel: 2962 Meter über dem Alltag

Die Gondeltüre öffnet, und dann trifft einem der Wind sofort ins Gesicht. Frisch. Angenehm frisch. Während München unten in der Hitze schmorte, sind es hier oben gerade mal 8 Grad. Kermit findet das offenbar okay — er schaut stoisch aus dem Rucksack und lässt sich den Wind um die Ohren pfeifen.

Die Zugspitze ist Deutschlands höchster Berg. Das weiß man. Aber man vergisst es immer wieder, bis man oben steht und in alle Richtungen schaut — und überall nur Berge sieht. Österreich links, Bayern rechts, und irgendwo weit hinten, an klaren Tagen, sogar die Dolomiten.

Das Gipfelkreuz — ein schmiedeeisernes Kunstwerk mit dem Adler der Zugspitzbahnen und der Aufschrift „2950 m · Tirol“ — ist natürlich Pflichtmotiv. Drum herum drängeln sich Touristen aus aller Welt für das perfekte Foto. Ich drängele mich auch. Kermit wäre lieber etwas weiter weg vom Gedränge, aber er hat kein Vetorecht.

🏔️ Zugspitze
2962 m ü. NN · 82467 Garmisch-Partenkirchen
📍Google Maps

Deutschlands höchster Punkt liegt gleichzeitig auf der Grenze zwischen Bayern und Tirol. Die Gipfelanlagen bestehen aus zwei Seiten: der deutschen (mit Aussichtsplattform, Museum und Wetterstation) und der österreichischen (mit der Tiroler Zugspitzbahn). Zwischen beiden kann man hin- und herwechseln — ohne Pass, versteht sich.

Die Aussichtsplattform auf der deutschen Seite ist das Herzstück des Gipfels. Edelstahlgeländer, Gitternetzböden, und unter einem: 2962 Meter Nichts. Der Eibsee leuchtet unten türkisblau wie ein Juwel im Grünen. Garmisch-Partenkirchen sieht von hier oben aus wie ein Spielzeugdorf. Und irgendwo da hinten, ganz klein, wäre München.

Ich mache das Selfie. Natürlich. Das gehört dazu. Kermit bleibt im Rucksack — bei dem Wind wäre er in drei Sekunden in Österreich.

Dann gibt es noch ein Schild, das mich zum Schmunzeln bringt: „Deutscher Wetterdienst“ — auf einer verwitterten Holzwand, mit goldenem Bundesadler. Wer hier das Wetter macht, ist also amtlich geregelt. Angesichts der Vorhersagen der letzten Wochen hätte ich da ein paar Fragen.

Der Gipfelgrat ist das, was Bergfotografen nachts in den Schlaf begleitet. Zerklüftete Felsen, ein schmaler Weg, und zu beiden Seiten fällt das Gelände brutal ab. Ich bleibe brav auf dem Weg. Kermit würde hier sowieso nicht klettern — schon gar nicht auf 2962 Metern.

Was mich immer wieder fasziniert: wie mondlandschaftlich der Gipfelbereich wirkt. Grauweißer Kalkstein, kein Gras, kein Baum — nur Fels, Himmel und dieser unglaubliche Weitblick. Im August liegt kaum noch Schnee. Was früher Gletscher war, ist heute größtenteils Geröll. Das stimmt nachdenklich.


12:00 Uhr — Panorama-Gipfelrestaurant: Essen auf Deutschlands Dach

🍺 Panorama-Gipfelrestaurant
Zugspitzgipfel · 82467 Garmisch-Partenkirchen
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Auf fast 3000 Metern Höhe essen — das klingt nach Currywurst aus der Thermoskanne. Ist es aber nicht. Das Panorama-Gipfelrestaurant ist ein Self-Service-Betrieb, der erstaunlich gut funktioniert. Warme Speisen, ordentliche Portionen, nette Bedienung am Tresen, die auch auf Sonderwünsche eingeht. Kermit hält natürlich den Kaffeebecher, während ich die herzhafte Brotzeit wegarbeite. Teuer? Ja, klar — wir sind auf dem Dach Deutschlands. Aber für das Setting absolut in Ordnung.

Das Restaurant ist vollgepackt mit Tagesausflüglern aus aller Welt. Englisch, Italienisch, Japanisch — hier trifft sich die globale Gipfelgemeinschaft über einem Teller Gulaschsuppe. Irgendwie schön.


12:30 Uhr — Zugspitzplatt: Mondlandschaft mit Gletscher-Restposten

Auf dem Weg zurück zur Gondel — oder eigentlich auf dem Weg zur Zugspitzbahn auf österreichischer Seite — fährt man am Zugspitzplatt vorbei. Das ist das weite Hochplateau unterhalb des Gipfels, auf rund 2600 Metern. Im Winter Skigebiet, im Sommer eine Mischung aus Geröllwüste, Baustelle und atemberaubendem Panoramapunkt.

Was früher der Schneeferner-Gletscher war, ist heute ein trauriger weißer Fleck zwischen Kalksteinschutt. Aus der Gondel sieht man, wie die Eismasse auf kleinstem Raum zusammengeschrumpft ist — umgeben von freigelegtem Gestein, das vorher jahrelang unter Eis lag. Beeindruckend und bedrückend zugleich.

Vom Zugspitzplatt aus öffnet sich noch einmal ein ganz anderes Panorama als vom Gipfel. Die Zugspitze selbst ragt hinter einem auf, davor liegt dieses weite, helle Steinplateau — und am Horizont staffeln sich Gipfel um Gipfel, bis weit nach Tirol hinein. Ein paar mutige Wanderer laufen hier oben mit Stöcken durchs Geröll. Kermit und ich schauen vom warmen Innenraum der Gondel aus zu.

🏔️ Zugspitzplatt
ca. 2600 m ü. NN · 82467 Garmisch-Partenkirchen
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15:00 Uhr — Eibsee: Türkises Wasser, fehlende Badehose

🏛️ Eibsee Rundweg
Eibsee · 82491 Grainau
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Unten am Eibsee angekommen, versteht man sofort, warum man den See von oben die ganze Zeit angestarrt hat. Das Wasser ist türkisgrün, klar und — wie ich beim Hineinhalten des Fußes sofort feststellte — eisig kalt. Was mich aber wirklich ärgert: Ich habe meine Badehose vergessen. Kermit findet das vermutlich witzig. Er muss ja nicht ins Wasser.

Während ich also mit trockener Hose am Ufer sitze und den anderen beim Baden zuschaue, kommt zumindest noch ein Kaffee im seeRestaurant EIBSEE Pavillon dazu. Kermit hält die Tasse, ich schaue auf die Zugspitze, die direkt über dem See thront. Von hier unten wirkt der Gipfel nochmal gigantischer als von oben — das Massiv füllt den halben Himmel aus.

Der Rundweg um den Eibsee ist ein Traum: gut 8 Kilometer, größtenteils flach, mit immer wieder neuen Ausblicken auf das Bergmassiv. Touristisch, ja. Aber manche Orte sind touristisch aus gutem Grund.

☕ seeRestaurant EIBSEE Pavillon
Eibseestraße 1 · 82491 Grainau
📍Google Maps

Der Pavillon direkt am Seeufer ist der perfekte Abschluss: Kaffee, Kuchen, Blick auf den See und die Zugspitze dahinter. Das Publikum ist bunt gemischt — Wanderer, Familien, ein paar Rennradfahrer, und mindestens drei andere Leute, die ebenfalls ihre Badehose vergessen haben. Wir schauen uns kurz an und sagen nichts.


„Nicht mein erstes Mal auf der Zugspitze — aber der Moment, wenn man oben aus der Gondel tritt und der Wind einem ins Gesicht schlägt, fühlt sich jedes Mal wie das erste Mal an. Kermit und ich kommen wieder. Nächstes Mal mit Badehose.“

📍 Zugspitze & Eibsee, Garmisch-Partenkirchen · 🚗 Auto ab München über A95 · ⏱ ca. 1:30 h Fahrzeit · 🎯 Highlights: Gipfelpanorama 2962 m, Gipfelkreuz, Eibsee-Aussicht, Eibsee Rundweg


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