Valletta. Eine Stadt, die sich keine Mühe gibt, bescheiden zu wirken — und das völlig zu Recht. Die maltesische Hauptstadt ist eine der kleinsten Hauptstädte Europas und gleichzeitig eine der dichtesten. Jede Gasse, jede Treppe, jeder verwitterte Sandsteinblock hat hier Geschichte. Ich hatte zwei Nachmittage. Kermit hatte Geduld.
Tag 1 in Valletta — Auberge, Kanonen, Gassen
16:31 Uhr. Die Auberge de Castille. Maltesische Flagge oben, EU-Fahnen links und rechts, Kopfsteinpflaster davor. Das Gebäude ist heute Sitz des Premierministers — was erklärt, warum man nicht einfach rein spaziert. Ich fotografiere von der richtigen Seite und tue so, als ob ich das geplant hätte.


Die Saluting Battery. Acht Kanonen zeigen auf den Grand Harbour — täglich um 12 und 16 Uhr wird hier tatsächlich noch geschossen. Nicht auf irgendwen, nur so. Zur Erinnerung, dass Malta eine lange Geschichte mit Lärm hat. Davor: ein Malteserkreuz aus Blumen. Dahinter: der Hafen, Kräne, das Meer. Ein Bild, das gleichzeitig touristisch und echtzeitig ist.
Selfie mit Grand Harbour. Das Malteserkreuz im Hintergrund, die Sonne von rechts, ich leicht verschwitzt vom Laufen — aber die Sonnenbrille sitzt. Kermit steckt im Rucksack und beobachtet die Situation von innen.

Die Gassen von Valletta

Valletta hat Gassen wie andere Städte Hauptstraßen. Schmal, steil, lückenlos aus gelbem Sandstein gebaut. Die Balkone — die sogenannten Gallariji — hängen in allen Farben heraus: rot, grün, blau, verwittertes Braun. Ich laufe einfach geradeaus und schaue, wo ich rauskomme. Meistens am Meer.
Selfie in der Gasse. Im Hintergrund läuft jemand — gelbes Shirt, rote Schuhe, eigenes Tempo. Valletta gehört niemandem allein. Ich stelle mich breit hin und tue so, als wäre ich der Hauptdarsteller dieser Straße. Kurz.


Eine Treppengasse hinunter zum Hafen. Links das Grand Harbour Hotel, darunter ein Schild: „The Bridge Bar — Jazz every Friday.“ Ich war an einem Dienstag. Kein Jazz. Nur die Stufen, die Häuser, das Licht — und ein Schild „Persian“ über einer Tür, die schon länger niemand mehr aufgemacht hat. Malta schichtet Vergangenheit einfach übereinander, ohne aufzuräumen. Das gefällt mir.
Lower Barrakka Gardens & Hafenblick
17:29 Uhr. Lower Barrakka Gardens. Ein kleiner Garten hoch oben auf der Bastionsmauer — mit dem vielleicht besten Ausblick auf den Grand Harbour, den man ohne Ticket bekommt. Unten gleitet ein Kreuzfahrtschiff vorbei, als wäre es eine Kulisse. Ein Steinbogen rahmt das Meer ein wie ein Gemälde, das sich jemand ausgedacht hat.


Ein Bogen aus Sandstein, dahinter nur Blau. Leuchtturm, ein rotes Schiff, Horizont. Ich stehe hier und denke kurz, dass ich mir das eigentlich nicht verdient habe — ich habe heute morgen vier Stunden an einem Spreadsheet gearbeitet. Aber Malta fragt nicht danach.
Upper Barrakka Gardens. Das Wahrzeichen: das Malteserkreuz aus Blumen vor den Kanonen, dahinter Fort St. Angelo und der Grand Harbour in seiner vollen Breite. Dieses Bild kennt jeder, der je in Valletta war. Ich mache es trotzdem — weil es von oben genauso gut aussieht wie auf allen anderen Fotos.

Rote Balkone & Upper Barrakka

Diese Fassade. Sandstein, vier Stockwerke, und alle Balkone rot. So tiefrot, dass man kurz glaubt, das wäre Absicht. Ist es wahrscheinlich. Malta hat ein Gespür für Kontraste — der helle Stein und die satten Farben funktionieren zusammen auf eine Weise, die kein Designbüro hinbekommen würde.
Upper Barrakka Gardens. Ein Brunnen, Olivenbäume, eine Wachturm-Nische. Ein Mann schaut aufs Meer. Ich schaue auf den Mann. Kermit schaut vermutlich auch irgendwo hin — er hat heute viel gesehen.


Lower Barrakka Gardens. Ein kleiner griechischer Tempel zwischen Palmen und einem Teich — zu Ehren von Sir Alexander Ball, dem ersten britischen Gouverneur Maltas. Der Teich ist grünlich, der Himmel blau, die Atmosphäre seltsam friedlich für eine Stadt, die historisch so viel Krieg gesehen hat.
Tag 2 in Valletta — Abendlicht und Bootsdock
16:48 Uhr, zweiter Valletta-Tag. Ich kenne die Stadt jetzt schon ein bisschen — und gehe trotzdem wieder hin. Weil ich noch nicht alles gesehen habe. Weil das Licht am Nachmittag anders ist. Weil Kermit gestern im Rucksack geblieben ist und heute raus möchte. Diesmal: Vittoriosa, das alte Bootsdock, der Uhrenturm.


Ein Uhrenturm, davor eine Dampflokomotive — schwarz, mit roten Rädern, als Restaurant-Dekoration zweckentfremdet. Das Gebäude dahinter war früher eine Werft, heute sind es Restaurants und ein Hotel. Malta macht das so: Altes bleibt stehen, Neues zieht ein. Kein Abriss, kein Aufräumen. Einfach weiter benutzen.
17:44 Uhr. Ich stehe auf der Bastionsmauer und schaue auf den Grand Harbour. Die Senglea-Halbinsel liegt gegenüber, dahinter Kräne. Das Wasser ist ruhig. Unten: das Malteserkreuz aus Blumen, wieder. Ich werde dieses Kreuz noch oft sehen in den nächsten Tagen — es ist auf Tischsets, Souvenirs, Türen und Pflastersteinen. Ein Symbol, das sich nicht versteckt.


Zurück am Bootsdock. Jetzt im Abendlicht. Die Bögen werfen Schatten ins Wasser, das Licht ist warm und weich. Ich stehe hier und habe das Gefühl, dass ich eigentlich noch mehr Fotos machen sollte — tue es aber nicht. Manche Momente brauchen keinen zweiten Versuch.
Das Kastelania — ein langer Bogengang direkt am Hafen. Zwei Etagen Arkaden, ein schmaler Rasen davor, der noch nicht ganz weiß, ob er grün werden will. Dahinter das Meer. Ich spaziere langsam daran vorbei und denke, dass die Ritter der Malteserorden wirklich kein schlechtes Händchen für Architektur hatten.

Valletta ist eine Stadt, die man nicht an einem Nachmittag abgehakt hat. Gut, dass ich zwei hatte.
| Destination | Valletta, Malta |
| Tage | 28. + 29. März 2023 |
| Highlights | Upper & Lower Barrakka Gardens, Saluting Battery, Vittoriosa, Kastelania |
| Eintritt | Barrakka Gardens kostenlos |
| Anreise | Bus von St. Julian’s (ca. 30 Min.) |
| Tipp | Nachmittags hingehen — Licht besser, weniger Tagestouristen |




