Venedig 2020: Burano, Campanile & Kermit mit Maske

Panoramablick vom Campanile San Giorgio Maggiore über Venedigs Lagune und Dächer

Venedig im August 2020. Mitten in einer Pandemie, mit Maske im Gepäck und dem leisen Gefühl, dass das alles irgendwie surreal ist. Aber weißt du was? Venedig ist sowieso surreal. Eine Stadt, die im Wasser steht und trotzdem nicht versinkt — zumindest nicht sofort. Kermit war natürlich dabei, fest im Rucksack verstaut, und ich hatte vier Tage Zeit, die Lagune zu erkunden. Burano, San Giorgio Maggiore, Canal Grande, und dazwischen jede Menge Strand und Sonne. Klingt gut? War es auch.


Tag 4 — Burano zum ersten Mal und dann noch mehr Venedig

Der Plan für den ersten Tag war ambitioniert. Vormittags rüber nach Burano, nachmittags weiter nach Venedig. Das Schiff von Punta Sabbioni legt früh genug ab — wenn man rechtzeitig aufsteht. Ich war rechtzeitig. Meistens bin ich das nicht. Dieser Tag war also bereits ein kleiner Triumph.

Morgens — Burano, mein erstes Mal

Ich hatte Fotos von Burano gesehen. Viele Fotos. Trotzdem hat es mich kalt erwischt. Man steht da, und die Häuser sind so pink, so blau, so gelb, so alles auf einmal — das Gehirn braucht einen Moment zum Kalibrieren. Als ob jemand den Sättigungsregler im echten Leben auf Maximum gestellt hat. Das Selfie musste sein. Adidas-Shirt, grüner Rucksack, Sonnenbrille mit Spiegelgläsern. Ich passe farblich erstaunlich gut hierher.

Wer glaubt, man braucht nur zehn Minuten für Burano, irrt. Ich habe mich durch jede Gasse getrieben, bin planlos abgebogen, habe an jeder Ecke das Handy gezückt. Irgendwann habe ich mich einfach vor ein gelbes Haus gesetzt — neben einem roten Blumentopf mit knallroten Blüten — und einfach mal gar nichts getan. Eine ältere Signora kam vorbei, schaute mich an, schaute die Blumen an, schaute wieder mich an. Nickte kurz. Offenbar hatte ich den richtigen Platz gewählt.

Dann war es Zeit für Kermit. Ich habe ihn auf dem Brückengeländer über dem Kanal platziert — hinter ihm die buntesten Häuser der Insel, der schiefe Glockenturm von San Martino im Hintergrund, davor ein Dutzend Boote im grünen Wasser. Kermit hat gegrinst. Kermit grinst immer, aber hier wirkte es besonders überzeugend. Ein Tourist neben mir hat gefragt, ob das sein Frosch sei. Ich habe ‚ja‘ gesagt. Er hat genickt, als wäre das die normalste Sache der Welt. Ich liebe Burano.

🛳️ Punta Sabbioni — Fähranlegestelle
Punta Sabbioni · Cavallino-Treporti
📍Google Maps

Von Punta Sabbioni geht die Fähre direkt nach Burano und weiter nach Venedig. Praktisch, wenn man im Camping Marina di Venezia wohnt — man spart sich den Umweg über Mestre und ist direkt auf dem Wasser. Das Ticket lösen nicht vergessen. Ich sage das nur, weil man es vergessen kann.


Nachmittags — San Giorgio Maggiore und der Canal Grande

Nach Burano weiter nach Venedig. Wer kennt das nicht: Man denkt, man hat Venedig schon gesehen, und dann steht man auf dem Campanile von San Giorgio Maggiore und denkt: Ach so, SO sieht das also aus.

Kermit hatte natürlich den besten Platz reserviert. Ich habe ihn auf das Mauerwerk des Campanile gesetzt, hinter ihm der Markusturm, der Dogenpalast, die ganze Lagune in strahlendem Sonnenschein — das tiefblaue Wasser, die Vaporetti, die Skyline dieser unmöglichen Stadt. Er grinst. Ich grinse auch, aber ich trage Maske. Das war 2020, und die Maske saß im Gegenlicht genauso unbequem wie in geschlossenen Räumen. Immerhin sieht man an meinen Augen, dass ich lache.

Der Blick vom Campanile geht in alle Richtungen. Nach Norden: Venedig, Markusplatz, Campanile. Nach Süden: die Kuppeln von San Giorgio selbst, dahinter die Giudecca, noch weiter die offene Lagune. Das Licht war an diesem Nachmittag perfekt — die Sonne stand tief genug, um das Wasser glänzen zu lassen. Ich habe länger oben gestanden als geplant. Unten wartete die Schlange. Oben nicht.

Das Selfie mit Maske und Sonnenbrille hat inzwischen fast schon Dokumentarwert. Dahinter: der Campanile di San Marco, der Dogenpalast, das Bacino di San Marco — die bekannteste Kulisse der Stadt. Und ich davor, halb verdeckt, aber mit erkennbar guter Laune. 2020 eben. Man hat gemacht, was man konnte.

⛪ San Giorgio Maggiore
Isola di San Giorgio Maggiore · Venedig
📍Google Maps

San Giorgio Maggiore ist einer der unterschätzten Orte Venedigs. Weniger Massen als beim Markusturm, der Blick auf die Serenissima von der anderen Seite der Lagune — und ein Aufzug auf den Campanile, der keine weiteren Worte braucht. Einfach hinfahren.

Weiter zur Ponte dell’Accademia. Eine der vier Brücken über den Canal Grande, und meiner Meinung nach die schönste — weil von hier der Blick auf Santa Maria della Salute einfach unschlagbar ist. Kermit auf dem Holzgeländer, Canal Grande dahinter, die Salute-Kuppel im Dunst. Klassiker. Muss sein.

Das Wasser war an diesem Nachmittag ein perfektes Türkisblau. Kermit hat gewirkt wie er dazugehört — grün auf blauem Wasser, das macht farblich einfach Sinn. Ich habe mindestens zwölf Versuche gebraucht, bis er nicht umgefallen ist. Die Touristen, die an mir vorbeigingen, haben das mit einer Mischung aus Belustigung und Mitleid kommentiert. Einer hat ‚bravo‘ gesagt. Das zählt.

🍽️ Agli Archi — Ristorante, Enoteca, Cicchetti Gourmet
Venedig
📍Google Maps

Nach dem ganzen Herumrennen war eine Einkehr fällig. Bei Agli Archi gibt es Cicchetti — die venezianische Antwort auf Tapas. Kleine Brote, belegt mit allem, was die Lagune und die Vorratskammer hergeben. Dazu ein Glas Weißwein. Kermit saß daneben und hat auf meinen Teller geschaut. Er bekommt nie etwas ab. Das ist die Abmachung.


Abends — Sonnenuntergang über der Lagune

Zurück in Cavallino-Treporti, und die Lagune hatte noch ein Abschiedsgeschenk parat. Der Himmel über dem Wasser hat sich in Orange, Rosa und tiefes Blaugrau aufgeteilt. Dramatische Wolkentürme im Osten, sanftes Abendlicht im Westen. Die kleinen Bojen im Wasser waren kaum mehr als Silhouetten. Ich habe einfach da gestanden und fotografiert, bis das Licht weg war. Manchmal braucht man das.


Tag 5 & 6 — Strand, Meer und nichts tun

Nach dem Marathon-Tag in Burano und Venedig war die Ansage klar: Strand. Der Beach Marina di Venezia liegt direkt am Camping, der Weg dorthin beträgt ungefähr drei Minuten. Perfekte Voraussetzungen für komplette Faulheit.

🏨 Village Camping Marina di Venezia
Cavallino-Treporti · Venezia
🌐 marinadivenezia.it
📍Google Maps

Das Camping Marina di Venezia ist einer dieser riesigen italienischen Campingplätze, die eigentlich kleine Städte sind. Pool, Supermarkt, Restaurants, direkter Strandzugang — und die Fähre nach Venedig quasi vor der Tür. Für eine Venedig-Basis kaum zu schlagen, solange man kein Problem damit hat, dass der Nachbar zehn Meter entfernt zeltet.

Tag drei, nachmittags. Wir hatten ein Tretboot gemietet. Das ist eine dieser Entscheidungen, die man im Nachhinein entweder genial oder bescheuert findet — je nachdem, wie gut man in Form ist. Die Adria war warm, das Wasser grün und klar, und irgendwann war der Sprung ins Meer einfach unvermeidlich. Sonnenbrille auf, Foto von der Einstiegsleiter, breites Grinsen. Kermit blieb an Bord. Er hat eine gesunde Skepsis gegenüber größeren Gewässern.


Tag 7 — Noch ein Tag zum Relaxen

Der letzte Tag in Cavallino-Treporti war dem Nichtstun gewidmet. Kein Programm, kein Fährterminal, kein Campanile. Camping, Sonne, vielleicht noch mal einen kurzen Gang zum Strand. Der Village Camping Marina di Venezia macht sowas leicht — man findet immer einen Schattenplatz, eine Bank, einen Grund, einfach sitzen zu bleiben. Kermit saß auf dem Tisch und hat die Aussicht genossen. Ich habe Kaffee getrunken und den nächsten Trip geplant. So gehört sich das.


Venedig ist eine Stadt, die man gesehen haben muss — und dann will man immer wieder hin. Burano hat mich mit einem einzigen Vormittag vollständig überzeugt. Und der Lagune bei Sonnenuntergang zuzuschauen kostet nichts außer Zeit. Die hat man im Urlaub. Zum Glück.


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