Ushguli — Das höchste Dorf Europas und ein Frosch auf dem richtigen Stein

Ushguli gilt als eines der höchstgelegenen dauerhaft bewohnten Dörfer Europas. Knapp 2.200 Meter, Wehrttürme aus dem Mittelalter, der Shkhara im Rücken — über 5.000 Meter hoch, weiß, massiv, unverhandelbar. Kermit und ich haben uns ein Taxi geteilt und sind rausgefahren. Die Straße dorthin ist das, was Georgien unter „Straße“ versteht: abenteuerlich. Der Weg war es wert.


Die Fahrt: Svaneti im Oktober

Das Enguri-Tal zieht sich tief ins Gebirge. Rechts der Fluss, links die Hänge, überall Herbstfarben die langsam in Grau übergehen je höher man kommt. Irgendwo zwischen Mestia und Ushguli: ein erster Wehrturm. Allein. Am Flussufer. Kein Dorf drumherum, kein Schild — einfach da. Svaneti hat über 175 solcher Türme. Man gewöhnt sich nicht daran.


Ushguli: Türme, Stille und 5.000 Meter Kulisse

Und dann ist man da. Ushguli. Das Dorf besteht aus vier Siedlungen, mittelalterlichen Wehrtürmen, ein paar Häusern aus Holz und Stein — und dem Shkhara-Massiv direkt dahinter. Man kann nicht hinschauen ohne zu staunen. Der höchste Gipfel Georgiens, 5.193 Meter, weiß und abweisend, steht am Ende des Tals wie ein Ausrufzeichen. Kermit hat ihn lange angeschaut.


Die Kirche: Tausend Jahre Farbe

In einer der kleinen Kirchen von Ushguli hängt die Zeit anders. Mittelalterliche Fresken an der Apsis — verblasst, abgeblättert, aber noch da. Christus in der Mandorla, Heilige an den Wänden, daneben neue Ikonen in leuchtenden Farben. Alt und neu, ohne Übergang. Wer in diese Kirche tritt, tut das leise. Ich auch. Kermit blieb draußen — er respektiert das.

Durch ein altes Steintor hindurch sieht Ushguli aus wie ein Gemälde das man nicht aufgehängt hat, weil es zu groß ist. Das Licht fällt schräg, die Berge stehen hinten, das Dorf liegt ruhig davor. Kermit und ich haben diesen Moment nicht kommentiert. Manche Bilder brauchen das nicht.


Kaffee, Hunde und Kopfsteinpflaster

Mitten in Ushguli: ein handgeschriebenes Schild. „Caffee. Espresso. Cappuccino. Caffelatte. Cake.“ Auf einem Brett, mit Kreide oder Filzstift, leicht schief. Kermit und ich haben kurz überlegt. Dann: rein. Der Kaffee war gut. Der Kuchen auch. Das Ritual — Kaffee, Kuchen, einfach sitzen, nichts müssen — funktioniert auch auf 2.200 Metern. Vielleicht sogar besonders gut.

Ushguli hat Hunde. Viele. Große, gutmütige, vollkommen unbeeindruckte Tiere die durch die Gassen streifen als wäre das Dorf für sie gebaut. Dieser hier kam direkt auf mich zu, schaute kurz, entschied dass ich in Ordnung bin — und lief weiter. Kermit hat ihn beobachtet. Respektvoll.


Kermit am Bach: Das Foto des Tages

Am Ende des Tages, am Bach unterhalb der Türme: Kermit auf einem Felsen. Ushguli dahinter, der Shkhara darüber, das Wasser darunter. Ich habe ihn da hingesetzt, bin ein paar Schritte zurückgetreten und dachte: das ist es. Das ist das Bild. Kermit wirkt vollkommen entspannt. Als wäre er immer schon hier gewesen. Vielleicht stimmt das.

Ushguli ist der Ort, an dem man versteht, warum Menschen seit Jahrhunderten genau hier geblieben sind — trotz allem.


ZielUshguli, Svaneti, Georgien
Höheca. 2.200 m ü. M.
AnreiseTaxi ab Mestia, ca. 1,5 Std. (Schotterstraße)
Shkhara5.193 m — höchster Berg Georgiens, direkt dahinter
WehrtürmeMittelalterliche Svan-Türme — UNESCO-Welterbe
KircheLamaria-Kirche — Fresken aus dem 12./13. Jahrhundert
KaffeeJa. Handgeschriebenes Schild. Empfehlenswert.
HundeViele. Friedlich. Unbeeindruckt.
Kermit-BewertungLieblingsplatz der Reise. Fels am Bach. Endgültig.

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