Siebenhütten & Gumpen: Türkises Wasser, eiskalte Überraschung

Kermit-Plüschfrosch sitzt auf Felsen an Gumpen bei Siebenhütten

Sommerhitze, blauer Himmel und ein kleiner grüner Frosch im Rucksack — manchmal braucht es nicht mehr für einen perfekten Tag. Ende Juli 2020 bin ich mit meiner Bekannten und ihren Kindern zu den Gumpen bei Siebenhütten aufgebrochen. Das Wetter war makellos, das Wasser eiskalt, die Stimmung bombastisch. Und auf dem Heimweg? Sintflut. Aber der Reihe nach.

Mit dem Auto von München aus geht das prima — rund eine Stunde Richtung Tegernsee, dann ins Tal nach Kreuth, und schon steht man am Parkplatz Gernberg. Früh losfahren lohnt sich, die Gegend ist beliebt.


Ankunft am Parkplatz Gernberg

🅿️ Parkplatz Gernberg – Siebenhütten
Gernberg · 83708 Kreuth
📍Google Maps

Der Parkplatz Gernberg ist der klassische Startpunkt für die Wanderung zu den Siebenhütten und den Gumpen. Gut ausgeschildert, ausreichend Platz — zumindest wenn man nicht zu spät kommt. Wir hatten Glück. Kermit schaute aus dem Rucksack und sah aus, als hätte er die ganze Nacht auf diesen Moment gewartet.


Der Weg zu den Gumpen

Der Wanderweg zu den Siebenhütten ist breit, flach und angenehm — kein Klettersteig, kein Drama. Ein breiter Schotterweg schlängelt sich durch einen satten Mischwald, links und rechts Fichten und Buchen die um die Wette wachsen. Die Sonne bricht in Streifen durch die Kronen. Man hört Vögel. Und Kinder. Viele Kinder. Der Weg ist eindeutig familientauglich.

Ich schnall den Rucksack fester. Kermit guckt über meine Schulter und begutachtet die Aussicht. Oder schläft. Schwer zu sagen.

Der Weg folgt dem Tal, immer leicht ansteigend. Rechts rauscht es schon — man ahnt den Bach, bevor man ihn sieht. Das Wasser der Weißach glitzert durch die Bäume. Die Kinder der Gruppe haben ab diesem Moment nur noch ein Ziel. Wir großen Erwachsenen natürlich auch. Wir sind nur besser darin, es nicht zu zeigen.


Die Gumpen: türkises Wasser, graue Felsen, kalter Schock

Dann sind sie da. Die Gumpen. Natürliche Becken, vom Wasser über Jahrtausende in den Kalkstein gefräst. Das Wasser ist so klar, dass man jeden Stein auf dem Grund zählen kann. Und so kalt, dass man beim ersten Hineinstapfen kurz die Sprache verliert. Nicht dramatisch — nur so ein leises inneres ‚Ähh‘.

Die Felsen ringsum sind hell und rau, das Wasser schäumt an einer kleinen Kaskade, bevor es sich in den nächsten Pool ergießt. Dahinter: Tannen, Felswände, blauer Himmel. Das sieht aus wie ein Screensaver — nur echter und nasser.

Kermit hat sich direkt einen sonnigen Felsvorsprung gesucht und sich aufgesetzt wie ein Weiser, der aufs Wasser meditiert. Ehrlich gesagt wirkte er entspannter als alle anderen. Er ist schließlich ein Frosch. Das hier ist sein Terrain.

Ich hab das Shirt ausgezogen und kurz überlegt, ob ich reingehe. Spoiler: Ja. Und es war genau so erfrischend-brutal wie erwartet. Die Kinder dagegen? Rein, ohne zu zögern, ohne Jammern, ohne Drama. Kinder sind manchmal einfach die besseren Menschen.

Weiter bachaufwärts öffnet sich das Tal. Der Gebirgsbach zieht sich breit und flach durch ein steiniges Kiesbett, links und rechts die bewaldeten Flanken der Berge. Die Stille hier oben ist angenehm — nur Wasser, Wind, Vögel. Der Alltag fühlt sich sehr weit weg an. München liegt eine Stunde entfernt. Gefühlt: ein anderer Planet.

Kermit hat es sich weiter unten am Bach bequem gemacht — ausgestreckt auf einem warmen Stein, die Nase Richtung Tal. So liegt man halt, wenn man Frosch ist und der Tag perfekt ist. Ich hab ihn nicht gestört. Manche Momente sind einfach heilig.

Das Selfie ohne Shirt entstand übrigens auch hier. Bandana statt Cap, Sonnenbrille, leicht verschwitzt. Das Internet muss das wissen.

Auch ein Selfie mit Shirt ist im Kasten — kurz vor dem Rückweg, Cap aufgesetzt, Rucksack geschultert, Kermit lugt wieder heraus. Man sieht uns beiden an, dass wir zufrieden sind. Hinter mir: grüne Berge, blauer Himmel, Tannen soweit das Auge reicht. Schönere Kulissen gibt es nicht.


Der Wegweiser und seine Versprechen

Auf dem Rückweg stehe ich vor diesem gelben Schilderwald und lese. Königsalm, Halserspitz, Blauberg-Alm, Gufferhütte, Schwarzentenn-Alm — das klingt alles nach mehr. Viel mehr. Die Kinder zupfen mich am Ärmel.

Das nehmen wir uns fürs nächste Mal vor.

Die Halserspitz auf 1862 Meter — 6 Stunden, steht da. Die Königsalm in 2¼ Stunden. Die Gufferhütte in 6 Stunden. Ich fotografiere das Schild sehr ernsthaft, als würde ich einen Vertrag mit mir selbst schließen. Kermit sagt nichts dazu. Er weiß, dass ich sowas schon öfter fotografiert habe.


Heimweg — und dann kam der Regen

Wir sind gut gelaunt zum Auto zurückgelaufen. Zufrieden, ein bisschen nass vom Baden, hungrig. Und dann, kaum auf der Straße Richtung München: der Himmel öffnete sich. Nicht ein bisschen regnen — richtig. Vorhang auf, Bühnenbild: Apokalypse. Scheibenwischer auf Stufe drei, Sichtweite gefühlt zehn Meter.

Wir haben gelacht. Wir saßen im Trockenen, hatten einen tollen Tag hinter uns, und draußen regnete es als wäre das die letzte Gelegenheit für dieses Jahr. Timing ist alles.


Kühl, klar, kurz und gut — manchmal ist der perfekte Ausflug genau eine Autostunde entfernt. Und der Regen danach macht ihn erst vollständig.

📍 Siebenhütten / Gumpen, Kreuth · 🚗 Auto ab München · ⏱ ca. 1:00 h Fahrzeit · 🎯 Highlights: Gumpen, Gebirgsbach, Wegweiser-Versprechen für nächstes Mal


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