Seoul, Kermit und 24 Stunden unterwegs — Ankunft auf Umwegen

Seoul. Ich wollte schon lange hin. Kermit auch — zumindest hat er nicht widersprochen, als ich ihn in den Rucksack gesteckt habe. Die Anreise: München, Peking, Seoul. Klingt nach Abenteuer. Fühlt sich beim Kofferpacken noch nach Chaos an.

Der Aufbruch: Koffer, Kermit, Countdown

Zuhause, Vorabend. Der Koffer steht. Der Rucksack steht. Kermit steckt bereits im Rucksack und schaut mit diesem Gesichtsausdruck, der sagt: „Wann fahren wir endlich?“ Ich hätte noch tausend Dinge zu tun. Stattdessen mache ich ein Foto.

Pass. Boardingpass. Air China. Zwei Tickets — einmal München–Peking, einmal Peking–Seoul. Der Umweg über Peking ist kein Umweg, er ist Teil des Plans. Auch wenn der Plan hauptsächlich bedeutet: sehr lange sitzen.

München, Terminal 2. Draußen Sonne, drinnen die übliche Gate-Atmosphäre: Menschen mit zu großem Handgepäck, Kinder die rennen, und ich mit Kermit im Rucksack. Die Star Alliance-Maschine steht bereit. Erster Abschnitt: neun Stunden nach Peking.


Zwischenstopp Peking: Pagode im Terminal

Peking Capital Airport, frühmorgens. Der Anschlussflug geht erst in ein paar Stunden. Zeit genug, um festzustellen, dass der Terminal 3 tatsächlich einen chinesischen Garten beherbergt — mit Pagode, Felsen, Teich und allem. Mitten im Transitbereich. Ich stehe davor und denke: Das hätte ich nicht erwartet.

Dann das Gate. Air China, Boeing 737, Richtung Seoul-Incheon. Der Kontrollturm im Hintergrund, der Dunst über dem Vorfeld — Peking im Morgengrau. Kermit schläft noch. Vernünftig.

Am Gate, kurz vor dem Boarding. Kermit ist wach. Ich auch — mehr oder weniger. Hinter uns das Rollfeld, die Sonne schon über dem Horizont, Peking zieht weiter. Wir auch.


Angekommen: Seoul bei Regen

Incheon Airport, U-Bahn, Seoul. Die AREX bringt uns in die Stadt — sauber, pünktlich, klimatisiert. Kermit hängt am Rucksack und schaut die koreanischen Mitreisenden an. Die schauen zurück. Kurz. Dann wieder aufs Handy.

Erste Erkundung: eine Gasse irgendwo in der Innenstadt. Norebang-Schilder, koreanische Schriftzeichen, enge Wände. Das hier ist nicht die Hochglanz-Seoul aus den Reiseführern — das ist die echte Version. Grau, lebendig, laut.

Der Cheonggyecheon. Ein Bach mitten in der Millionenstadt, tief unten zwischen Betonwänden — und trotzdem erstaunlich grün. Es regnet. Natürlich regnet es. Zwei Leute mit Schirmen laufen am Ufer, als wäre das der normalste Nachmittag der Welt. Für sie ist er das wahrscheinlich.

„JESUS LOVES YOU.“ In Neon. An einer Kirche. Mitten in Seoul. Südkorea ist zu etwa 30 Prozent christlich — das merkt man. Ich fotografiere das Schild und denke: Zumindest einer freut sich über meine Ankunft.


Abends am Cheonggyecheon

Abends noch einmal zum Bach. Der Cheonggyecheon verändert sich nach Einbruch der Dunkelheit komplett. Die Lichter spiegeln sich im Wasser, das Rauschen der Stadt klingt von hier unten gedämpft. Wer hierher kommt, taucht buchstäblich ab — unter das Straßenniveau, unter den Lärm.

Noch ein Stück weiter bachaufwärts. Das Hyundai-Hochhaus leuchtet, die Weiden hängen ins Wasser, die Steine glänzen nass. Kermit steckt im Rucksack und schläft — nach diesem Tag ist das mehr als verständlich. Morgen geht es richtig los.

München, Peking, Seoul. Etwa 24 Stunden unterwegs. Kermit hat kein einziges Mal gejammert. Ich auch nicht — aber er war näher dran an Würde.


ReisezielSeoul, Südkorea
AnreiseAir China via Peking (MUC → PEK → ICN)
Flugzeit gesamtca. 13–14 Stunden + Layover Peking
Transfer SeoulAREX (Airport Express) vom Flughafen Incheon in die Stadt
Erster SpaziergangCheonggyecheon-Bach, Innenstadt Seoul
WetterBedeckt, Regen am Nachmittag
Kermit-StatusReisebereit. Wie immer.

zuletzt Aktualisiert: