Philippinen Teil 1D – Bohol

Bohol. Die Insel mit den Chocolate Hills, den Tarsieren und — wie ich am eigenen Leib erfahren durfte — mit dem beeindruckendsten Dauerregen der ganzen Reise. Ich wurde auf Bohol so nass wie noch nie zuvor auf einem Roller. Und das will etwas heißen.

Ankunft und ein ordentliches Abendessen

Nach Fähre, Motorrad-Taxi und Anreise: erst mal ankommen, Rucksack abstellen, Fahrstuhl-Selfie. Das ist Reiseroutine. Kermit schaut vom Rucksack, ich schaue in den Spiegel — alles normal.

Das Abendessen am Vortag im Hotel-Restaurant war noch gut: gegrilltes Hähnchen mit Ananas und Gemüse, dazu ein roter Cocktail. Ordentlich angerichtet, ordentlich geschmeckt. Das war der letzte unbeschwerte Abend — das Wasser aus der Hotel-Refill-Flasche sollte sich noch rächen. Aber dazu später.

Kleiner aber wichtiger Hinweis für alle, die auf den Philippinen unterwegs sind: Wasser immer kaufen. Nur neue, original versiegelte Flaschen. Niemals aus Hotel-Refill-Stationen. Das klingt paranoid — bis man die Konsequenzen kennt.

Roller, Regen und Reisfelder

Roller gemietet, losgefahren. Bohol begrüßt mit dem, was Bohol im Dezember tut: Regen. Nicht ein bisschen Regen — richtiger, warmer, tropischer Dauerregen, der die Straßen in Flüsse verwandelt und die Sicht auf etwa 50 Meter reduziert. Ich wurde durch und durch nass, und das nicht einmal. Irgendwann hört man auf, sich zu ärgern, und fängt an zu lachen.

Wenn der Regen zu stark wurde, passierte dasselbe wie schon auf den anderen Inseln: Anhalten, irgendwo unterstellen, warten. Auf Bohol waren das überdachte Bushaltestellen — und dort saßen dann meistens schon welche: Einheimische, die ebenfalls warteten, Motorradfahrer mit Helmen auf dem Schoß, Kinder die rausschauten. Und dann ergaben sich manchmal die besten Gespräche der ganzen Reise.

Die DJI Mini 4 Pro blieb auf Bohol leider im Rucksack. An mehreren Brücken hätte ich gerne Drohnenaufnahmen gemacht — aber bei diesem Regen war das keine Option. Manchmal gewinnt das Wetter.

Tarsiere — die kleinsten Primaten der Welt

Erster großer Stop: das Tarsier-Schutzgebiet. Die Tarsiere sind die kleinsten Primaten der Welt — etwa so groß wie eine Faust, mit Augen die größer sind als ihr Gehirn, und Fingern die sie an Ästen festhalten wie kleine Greifhände. Sie sind tagaktiv nur wenig, schlafen meistens, und wirken dabei so als wären sie geradewegs aus einem Animationsfilm entsprungen. Die Statuen am Eingang bereiten einen vor. Die echten Tiere übertreffen dann trotzdem alles.

Chocolate Hills — grün statt braun, trotzdem grandios

Die Chocolate Hills sind das bekannteste Wahrzeichen Bohols — über 1.200 gleichmäßig geformte Kegelberge, die sich über eine Fläche von fast 50 Quadratkilometern erstrecken. In der Trockenzeit werden sie braun und sehen dann tatsächlich aus wie riesige Schokoladenpralinen. Im Dezember sind sie grün. Das ist weniger fotogen im klassischen Sinne — aber ehrlich gesagt fast noch beeindruckender, weil man versteht wie groß dieses Naturwunder wirklich ist.

Das Kreuz auf dem Hügel — spontaner Abstecher

Auf dem Rückweg von den Chocolate Hills sah ich von unten ein großes Betonkreuz auf einem Hügel. Keine Beschilderung, keine Erklärung — einfach ein Kreuz, das aus dem Grün ragte. Natürlich bin ich hochgefahren. Die Belohnung: eine Aussicht auf das Landesinnere und die Küste, die jeden Umweg rechtfertigt. Frangipani-Bäume, ein verlassener Treppenabgang, Wolken über der See.

Sevilla, Bambus-Hängebrücke und Straßenleben

Weiter durch Bohol — durch das Städtchen Sevilla, vorbei an Jesus-Bildern an Hauswänden (die Philippinen sind tief katholisch, das zeigt sich überall), an Tricycles mit „I ❤ GOD“-Aufschriften, an nassen Straßen und wartenden Menschen. Und dann: eine Bambushängebrücke über einen grünen Fluss, mit Weihnachtssternen dran. December in Bohol.

Das Shiphaus auf der Strecke war eines dieser philippinischen Gebäude, die man zweimal anschaut: ein Wohnhaus oder Restaurant, vollständig als Schiff verkleidet, mit „Safety First“-Schriftzug auf der Brücke und Matrosen-Figuren oben drauf. Macht keinen Sinn. Sieht trotzdem gut aus.

Tag 2: Hängebrücke im Regen und nochmal nass

Tag 2 auf Bohol war noch reicher an Regen als Tag 1. Ich hatte mir vorgenommen, Drohnenaufnahmen von den Hängebrücken Bohols zu machen — die Insel ist bekannt für ihre Seilbrücken über grüne Flüsse. Die DJI Mini 4 Pro blieb im Rucksack. Stattdessen: rotes Regenzeug, Helm, Selfie. Das muss reichen.

Das Reisen auf Bohol im Regen hat seinen eigenen Rhythmus: fahren, nass werden, unterstellen, reden, weiterfahren. Und irgendwann merkt man, dass genau das die Erinnerungen sind, die bleiben — nicht die trockenen Tage mit perfekten Fotos, sondern die nassen Tage mit zu vielen Geschichten.

Abreise: Fähre, Motorrad-Taxi, Flughafen

Am letzten Tag auf Bohol ging es mir nicht gut. Das Wasser aus der Hotel-Refill-Flasche hatte seinen Tribut gefordert. Merke: auf den Philippinen — und generell in Südostasien — immer original versiegelte Flaschen kaufen. Niemals Refill-Stationen, egal wie vertrauenswürdig sie aussehen. Die Konsequenzen sind unangenehm, lehrreich, und kommen immer zum ungünstigsten Zeitpunkt.

Fähre zurück nach Cebu. Motorrad-Taxi zum Flughafen — wieder die schnellste Option, mitten durch den Cebu-Stadtverkehr, Helm auf, Rucksack auf dem Rücken, Kermit schaut in den Fahrtwind. Dann: Flughafen Cebu, Check-in, warten.

Bohol war rau, nass, manchmal unbequem — und trotzdem eines der schönsten Kapitel der Reise. Chocolate Hills im Regen. Tarsiere die schlafen als hätte das Leben keine Eile. Brücken aus Bambus mit Weihnachtssternen. Und ein großes Betonkreuz auf einem Hügel, das niemand auf der Karte hatte, und das die beste Aussicht von Bohol bot.

Weiter geht’s in Teil 1E: Palawan / Puerto Princesa — Untergrundsee, Motorrad und der Norden der schönsten Insel der Welt.


Trip-Infos: Bohol

LageBohol, Central Visayas — Philippinen
AnreiseFähre von Cebu-City nach Tagbilaran — ca. 2 Std.
RollerMiete in Tagbilaran — unverzichtbar für Eigenständigkeit
HighlightsChocolate Hills (Carmen), Tarsier Sanctuary, Bilar Man-Made Forest, Bambushängebrücke Sevilla, Kreuz auf dem Hügel (spontan!)
WetterDezember: Dauerregen — Regenzeug einpacken, trockene Wechselklamotten in Drybag
DrohneNicht möglich wegen Regen — nächstes Mal in der Trockenzeit
Wasser⚠️ Nur original versiegelte Flaschen kaufen — keine Refill-Stationen
WeiterreiseFähre Tagbilaran → Cebu-City → Motorrad-Taxi zum Flughafen → Cebu Pacific nach Puerto Princesa (Palawan)

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