Mestia per Propeller — Wo der Kaukasus anfängt, ernst zu werden

Es gibt Flüge, die sind Transportmittel. Und es gibt Flüge, die sind ein Erlebnis — ob man das will oder nicht. Der Flug von Kutaisi nach Mestia gehört zur zweiten Kategorie. Handgeschriebenes Ticket, Propellermaschine, Kaukasus aus nächster Nähe. Kermit saß auf dem Schoß. Ich habe versucht, ruhig zu wirken. Hat mäßig funktioniert.


Kutaisi Airport: Georgien fliegt anders

10:44 Uhr. Abflugtafel in georgischer Schrift. Irgendwo da oben steht Mestia. Temperatur am Ziel: 15 Grad. Das klingt harmlos. Die georgische Schrift sieht aus wie Musik — rund, fließend, vollkommen unlesbar für mich. Kermit hat getan, als ob er es verstünde. Dann kam das Ticket. Handgeschrieben. Auf gelbem Papier. Mit meinem Namen darauf, in lateinischen Buchstaben, erkennbar bemüht. Kutaisi–Mestia, Flug W6 auf der Tafel — nein, eigentlich war es eine ganz andere Airline. Eine kleinere.

Das gelbe Ticket ist das Gegenteil von einem digitalen Boarding-Pass. Kein QR-Code, kein Piepsen, keine App. Stattdessen: Handschrift, Nummer 008458, und das unausgesprochene Vertrauen, dass schon alles gut geht. Kermit hat das Ticket bewundert. Ich habe es dreimal gecheckt.


Der Flug: Propeller, blaues Leder und der Kaukasus

Die Maschine war klein. Sehr klein. Blaue Kunstledersitze, keine Klimaanlage im modernen Sinne, ein Gang der Breite nach kaum ausreichend für einen Rucksack. Vorne ein Schild: „Please remain seated.“ Das war kein Hinweis — das war eine Warnung. Und dann die Propeller. Und dann der Start. Und dann: der Kaukasus.

Irgendwann hört man auf, sich zu fragen ob die Maschine alt ist — und fängt einfach an, das Panorama zu genießen. Dem Piloten sei Dank.


Mestia: Angekommen im Hochgebirge

Queen Tamar Airport. Das ist der offizielle Name. Die Realität: ein Schild, eine Landebahn, Berge drumherum die in den Himmel stoßen. Keine Gangway, keine Gepäckausgabe im klassischen Sinne — aber dieser Blick. Schneebedeckte Gipfel, klarer Himmel, das Tal von Mestia unten. Kermit und ich haben kurz nichts gesagt.

Taxi. Direkt. Auf den Berg. Der Fahrer hat nicht groß gefragt wohin — Mestia ist überschaubar, die Berge sind offensichtlich, und wer mit Rucksack und einem Frosch ankommt, will wahrscheinlich rauf. Also rauf.


Auf dem Berg: Das Panorama, das man nicht plant

Der Weg nach oben war ein Schotterweg. Steil, sandig, mit Schneeresten am Rand. Unten das Tal, dahinter der Kaukasus — immer breiter, immer größer, je höher man kommt. Irgendwann dreht man sich um und denkt: das war’s. Das ist der Moment. Kermit hat ihn auch gespürt, glaube ich.

Dann das Selfie. Weil man das macht. Weil man beweisen will: ich war hier. Die Berge dahinter machen sich gut. Ich auch, finde ich. Kermit steckte im Rucksack — er ist kein Fan von Selfies, aber er toleriert sie.

Die Sonne geht hinter dem Kaukasus unter und macht vorher nochmal alles orange-rosa. Die Berge leuchten. Das Tal darunter verschwindet im Schatten. Man steht da und weiß: das war ein guter Tag. Kermit und ich — einig.


Abends: Die Wand, die alles erzählt

Die Gaststätte unten in Mestia ist das Gegenteil vom Berg — warm, laut, vollgeschrieben. Jede Wand, jeder Zentimeter: Unterschriften, Herzen, Graffiti, Fotos. Polen waren da. Slowenen. Israelis. Jemand aus Minsk. Jemand aus Legnica. Alle haben sich verewigt. Kermit und ich haben die Wand studiert wie ein Gästebuch der letzten Jahre. Es war das urigste Lokal, das ich seit Langem gesehen hatte — und wir kamen noch öfter wieder.

Mestia ist kein Ort, an dem man einfach vorbeikommt. Man kommt hin — und fragt sich dann, warum man jemals wieder gehen sollte.


EtappeKutaisi → Mestia, Svaneti, Georgien
AnreisePropellerflug ab Kutaisi International Airport (ca. 30 Min.)
TicketHandgeschrieben, gelbes Papier — kein Witz
ZielflughafenQueen Tamar Airport Mestia
Höhe Mestiaca. 1.500 m — Berge drumherum deutlich höher
AussichtsbergHatsvali-Gebiet oberhalb Mestia — per Taxi erreichbar
AbendessenUriges Lokal in Mestia — Wände vollgeschrieben, Wiederkommen empfohlen
ReisezeitOktober 2023 — Herbst, trocken, perfektes Licht
Kermit-UrteilPropellerflug: skeptisch. Bergpanorama: beeindruckt.

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