Kutaisi, du chaotische Schöne — Ein Tag zwischen Riesenrad-Angst und Klosterfrieden

Georgien stand schon lange auf der Liste. Nicht ganz oben, aber hartnäckig präsent. Irgendwann habe ich einfach gebucht: Allgäu Airport Express nach Memmingen, Wizz Air nach Kutaisi, fertig. Kermit war sofort dabei. Und so begann ein Tag, der alles hatte — Markt, Monumente, Klöster, und ein Riesenrad, bei dem ich kurz überlegt habe, ob das mein letzter Ausflug sein könnte.


Der Weg: Orange Bus, pinkes Flugzeug

14:55 Uhr, Augsburg. Der Allgäu Airport Express ist so orange wie der Herbst drumherum. Kermit mag Busse. Ich auch — solange sie pünktlich sind. War er. Memmingen Airport ist überschaubar. Das ist freundlich ausgedrückt. Aber dann: Wizz Air, pink und laut, rollte auf das Vorfeld. Abends kurz nach neun, Dunkelheit, Scheinwerfer, zwei Treppen gleichzeitig — das typische Wizz-Air-Boarding-Chaos. Alle drängeln, niemand gewinnt. Kermit blieb ruhig.

Kutaisi ist Georgiens zweitgrößte Stadt. Das klingt nach viel. Es sind knapp 150.000 Einwohner. Aber was Kutaisi an Größe fehlt, macht es mit Charakter wett. Die Stadt liegt am Fluss Rioni, hat Klöster aus dem Mittelalter, einen Park mit sowjetischem Riesenrad und Straßen, die sich nicht entscheiden können, ob sie renoviert werden wollen oder lieber nicht. Kurz: perfekt.


Morgens am Rioni: Frühstück mit Aussicht

Der Rioni ist milchig-türkis, fließt schnell und macht Lärm. Gut so. Kermit saß am Fenster, ich dahinter. Das Frühstück war georgisch: Tomaten, Gurken, Käse, Brot, etwas Unidentifizierbares in einer kleinen Schüssel. Alles frisch, alles gut. Draußen die Brücke, der Fluss, die Hochhäuser des anderen Ufers — Kutaisi morgens um zehn hat etwas von einem Ort, der noch nicht ganz wach ist. Das mochte ich.

Kermit und ich haben uns darauf geeinigt: Das ist das Ritual. Kaffee. Irgendwas Frisches auf dem Tisch. Blick auf Wasser. Nichts müssen. Kutaisi hat das verstanden.


Stadtbummel: Goldene Pferde, Tore und Street Art

Der Kolchis-Brunnen mitten in der Stadt ist das erste, was einen erschlägt. Goldene Hirsche, goldene Pferde, Wasserfontänen — alles ein bisschen zu viel und genau deshalb richtig. Georgien nimmt seine Mythologie ernst. Die Kolchis-Legende, das Goldene Vlies — das ist hier kein Schulstoff, das ist Identität. Kermit hat das Pferd bewundert. Ich auch, wenn ich ehrlich bin.

Etwas weiter: ein sowjetisches Monument aus Beton — ein riesiger Kreis in einem Rahmen, Stufen davor, Graffiti dran. Oben drauf stand ich. Warum? Weil man das tut. Weil Kutaisi Orte hat, die nicht erklären, was sie sind — sie stehen einfach da und warten, dass jemand hochklettert.

Dann das „Bon Plaisir“-Tor. Ein alter Jugendstilbogen, durch den man in einen Hinterhof schaut — und dort: ein riesiges Graffiti-Mädchen, blauhaarig, große Augen, leicht verstört. Daneben eine alte Frau mit Karton. Kutaisi in einem Bild.


Im Park: Eiffelturm, Riesenrad und Sowjet-Nostalgie

Der Stadtpark von Kutaisi hat einen Eiffelturm. Kleiner als das Original, aus Metall, mit blauen LED-Lichtern — aber eindeutig ein Eiffelturm. Daneben herbstliche Bäume, ein paar Bänke, und das Riesenrad. Das Riesenrad. Rostrot, bunt-verwitterte Gondeln, Quietschen beim Drehen. Und ich bin gefahren. Kermit auch. Mit gemischten Gefühlen meinerseits.

Oben hatte man einen schönen Blick über den Park. Unten war ich froh, wieder unten zu sein. Das Riesenrad dreht sich übrigens tatsächlich. Das war nicht selbstverständlich.

Manchmal ist Mut nicht der Sprung ins Abenteuer — manchmal ist es das Einsteigen in eine rostige sowjetische Gondel und Lächeln für Kermit.


Markt und Monumente: Das echte Kutaisi

Ein Markt in Georgien ist kein Supermarkt. Es ist ein Ort mit Charakter. Bronzestatuen säumen den Weg dahin, Reliefs erzählen Geschichten von Weinlese und Musik in rotem Stein. Und drinnen: alles. Käse, Fleisch, Gewürze — und auf einem Tresen ein Schweinskopf, der mich anschaute. Ruhig. Ohne Vorwurf. Kermit hat weggeguckt. Ich nicht.


Gelati: Klosterfrieden im Herbstlicht

Das Kloster Gelati liegt ein paar Kilometer außerhalb — und es ist das Gegenteil von allem, was vorher war. Stille. Goldenes Licht. Mittelalterliche Kirchen aus warmem Sandstein, einige noch im Gerüst, aber das stört nicht. Im Gegenteil. Hier wird noch etwas bewahrt, noch etwas festgehalten. Ein Mönch saß in einem Torbogen. Kermit und ich haben kurz innegehalten.


Bagrati und der Abend: Sonnenuntergang über der Stadt

Die Bagrati-Kathedrale thront über Kutaisi. Abends, wenn die Sonne hinter den Hügeln versinkt, wird sie zu einem Postkartenmotiv, das man nicht planen kann. Ich stand da mit Kermit. Die Sonne war orange. Die Kirche war grau. Der Himmel dazwischen — unentschieden. Perfekt.

Kutaisi ist keine Stadt, die man versteht. Es ist eine, die man einfach mag — und sich dann wundert, warum man nicht früher gekommen ist.


ReisezielKutaisi, Georgien
AnreiseAllgäu Airport Express nach Memmingen, Wizz Air nach Kutaisi (FRU)
UnterkunftHotel am Rioni (mit Frühstück und Flussblick)
HighlightsKolchis-Brunnen, Stadtpark, Kloster Gelati, Bagrati-Kathedrale
RiesenradJa. Funktioniert. Ist rostig. Trotzdem empfehlenswert.
MarktZentralmarkt Kutaisi — frisch, laut, ehrlich
ReisezeitOktober 2023 — Herbst, warm, perfekt
Kermit-MeinungGeorgien: Ja. Nochmal: Ja.

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