Budapest. Vier Tage, zwei Zugfahrten, eine Stadt die aussieht als hätte sie sich extra für den Besuch herausgeputzt. Mit dem Railjet von München, vier Stunden durch Bayern und Österreich, dann Grenze, Flachland, und plötzlich: Donau. Kermit saß die ganze Fahrt am Fenster. Ich auch.
Tag 1: Ankommen und staunen

Die Freiheitsbrücke ist grün. Nicht ein bisschen grün — komplett, durchgehend, konsequent grün. Man fragt sich kurz, ob das Absicht ist oder ob irgendwann jemand das Budget für eine zweite Farbe nicht genehmigt bekommen hat. Ist Absicht. Sieht gut aus.
Abends im Stadtpark: ein rot-weißer Fesselballon steigt in den Sonnenuntergang. Eine dieser Szenen, bei denen man nicht sicher ist, ob sie real ist oder ob Budapest einfach weiß, wie man Eindruck macht. Kermit hätte mitfliegen wollen. Ich weniger.


Gleich nebenan: die Vajdahunyad-Burg spiegelt sich so perfekt im Burggraben, dass man kurz überlegt, welche Seite die echte ist. Gebaut Ende des 19. Jahrhunderts als Kulisse für eine Ausstellung — und danach einfach stehengelassen, weil die Leute es zu schön fanden, um es wieder abzureißen. Gute Entscheidung.
Tag 2: Bäder, Helden und ein anonymer Schreiber
Széchenyi-Thermalbad. 38 Grad Wassertemperatur, blauer Himmel, neobarocke Fassade drumherum. Schwimmbahn im Außenpool, Jugendstilkuppel im Hintergrund. Kermit blieb trocken. Ich nicht.


Heldenplatz. Die Millenniumssäule mit dem Erzengel Gabriel obendrauf, die sieben Stammesführer auf ihren Pferden — Ungarn feiert hier tausend Jahre Staatsgeschichte auf einmal. Großes Pflaster, große Geste, großes Foto. Man stellt sich einfach hin.
Der Anonymus
Direkt neben dem Heldenplatz, versteckt im Stadtpark: Anonymus. Eine Bronzestatue ohne Gesicht — der unbekannte Chronist aus dem 12. Jahrhundert, der die Gründungsgeschichte Ungarns aufschrieb, ohne seinen Namen zu nennen. Die Kapuze verbirgt alles. Nur die Schreibfeder in der Hand verrät, wer er war. Irgendwie der sympathischste Typ auf dieser Reise.


Kurz vor dem Parlament: olympische Ringe, aber in ungarischen Nationalfarben — rot, weiß, grün. Budapest hatte sich 2032 als Olympiastadt beworben. Ob es klappt oder nicht, die Ringe stehen schon mal. Optimismus in Stahl.
Das Parlament
Das ungarische Parlament ist eines dieser Gebäude, bei denen man einfach stehenbleibt. Neugotik, weiß, mit roten Kuppeln und mehr Türmchen als man zählen möchte. An diesem Tag: dramatische Gewitterwolken dahinter. Als hätte jemand den Kontrast in der Kamera hochgedreht. Hatte er nicht.


Stephansbasilika. Gebaut über 54 Jahre, fertiggestellt 1905, benannt nach dem ersten ungarischen König. Ich stehe davor und sehe vor allem: viele Menschen, drei imposante Türme und die Frage, ob man wirklich noch hineingeht. Man geht hinein. Lohnt sich.
Die Zrínyi utca führt schnurgerade auf die Basilika zu. Eine der schönsten Straßenfluchten der Stadt — Gründerzeitfassaden links und rechts, am Ende die Kuppel. Man läuft da einfach durch und fühlt sich kurz wie in einem Film.


Vom Donauufer aus: die Széchenyi-Kettenbrücke und dahinter der Burgpalast auf dem Hügel. Dieses Bild kennt man. Man macht es trotzdem. Weil es immer noch gut ist.
Abends im Ruin-Bar
Szimpla Kert. Der bekannteste Ruin-Bar der Welt, oder zumindest der lauteste. Ein altes Fabrikgelände, vollgestopft mit Pflanzen, Kunstobjekten, Lichterketten und Menschen. Mehrere Ebenen, kein erkennbares System, überall Musik. Kermit wäre überfordert gewesen. Ich auch, ein bisschen.

Tag 3: Kermit im schönsten Café der Welt

Das New York Café gilt als eines der schönsten Cafés der Welt. Vergoldete Säulen, Kronleuchter, Fresken, Marmor — alles auf einmal, und irgendwie funktioniert es. Kermit sitzt auf dem Balkongeländer und schaut auf das Treiben unten. Er wirkt zufrieden. Das Café kostet Eintritt in Form von obligatorisch teuren Getränken. Ist es wert.
Kermit im New York Café. Ein Frosch unter Kronleuchtern. Passt eigentlich.
Auf den Gellértberg
Die Freiheitsbrücke nochmal, diesmal von unten und nah. Grünes Stahlfachwerk, Turul-Vögel auf den Türmchen, Donau darunter. Danach geht es hoch auf den Gellértberg — zu Fuß, bei 30 Grad, ohne Schatten auf dem letzten Stück. Kermit reiste im Rucksack.


Oben dann: Budapest komplett. Donau in der Mitte, Buda links, Pest rechts, Kettenbrücke und Elisabethbrücke nebeneinander, der Burgpalast oben links. Alles zusammen. Man versteht sofort, warum diese Stadt so fotografiert wird.
Die Freiheitsstatue auf dem Gipfel des Gellértbergs. Eine Frau, die eine Palmwedel-artige Figur in die Höhe reckt — errichtet 1947, ursprünglich als sowjetisches Befreiungsdenkmal gedacht, heute einfach Wahrzeichen. Im Umbau, Gerüst drumherum. Trotzdem beeindruckend.

Burgviertel und Fischerbastei

Von der Burgseite aus: die Kettenbrücke von oben, Autos und Busse drüber, Donau darunter, Pest dahinter. Ein anderer Winkel auf dasselbe Bild. Budapest hat das — man dreht sich um und alles sieht nochmal anders aus.
Fischerbastei. Neoromanische Arkaden, weiße Steintürme, und durch jeden Bogen ein anderes Bild der Stadt. Ich setze mich auf eine Brüstung und schaue rüber zum Parlament. Das Parlament schaut zurück. Kermit ist irgendwo im Rucksack und verpasst es.


Das Parlament von der Burgseite aus — weiß, weitläufig, mit der Kuppel in der Mitte. Eigentlich hätte man es an Tag 2 schon ausreichend gesehen. Aber von hier aus ist es nochmal ein anderes Gebäude. Budapest wiederholt sich nicht. Es variiert.
Sonnenuntergang an der Donau
Abends an der Donau. Sonnenuntergang hinter der Elisabethbrücke, Kreuzfahrtschiffe am Ufer, Gellértberg dahinter. Selfie. Sonnenbrille. Zufrieden.


Und dann sitzt Kermit auf dem Rucksack und schaut mit. Die Sonne versinkt hinter der Brücke, die Donau wird orange, die Stadt wird leiser. Beine hochgelegt, nichts mehr zu tun. So soll ein Reisetag enden.
Kermit schaut auf die Donau. Ich auch. Manchmal braucht es keinen Plan — nur einen guten Platz und das richtige Licht.
Tag 4: Abfahrt am Keleti
Budapest Keleti. Der Hauptbahnhof der Stadt — Jugendstil-Glasfassade, hohe Halle, Uhrenturm. Der Zug nach München fährt um 11 Uhr. Vier Stunden zurück. Kermit schläft. Ich schaue aus dem Fenster und denke: das war gut.

Budapest ist eine Stadt, die man nicht aufbraucht. Man kommt an, schaut, geht — und hat das Gefühl, die Hälfte noch nicht gesehen zu haben.
| Reisezeitraum | 26.–29. Mai 2023 |
| Anreise | Zug München–Budapest Keleti (Railjet, ca. 7 Std.) |
| Unterkunft | Budapest Innenstadt |
| Highlights | New York Café, Széchenyi-Bad, Fischerbastei, Gellértberg, Szimpla Kert, Sonnenuntergang an der Donau |
| Thermalbad | Széchenyi: Tageskarte ca. 25–30 €, früh kommen |
| New York Café | Pflichtbesuch — Kaffee ca. 8–10 €, Warteschlange möglich |
| Gellértberg | Zu Fuß ca. 30–40 Min. vom Zentrum, kein Schatten oben |
| Währung | Ungarischer Forint (HUF) — Karte fast überall möglich |
| Kermit-Faktor | Hoch. Budapest ist Kermit-kompatibel. |



