Tag drei auf Jeju — und diesmal alleine. Kein Guide, kein Plan, nur ein Mietwagen, eine grobe Richtung und Kermit auf dem Beifahrersitz. Jeju auf eigene Faust. Das klingt nach Freiheit. Es ist auch Freiheit. Und manchmal auch: ziellos durch Jeju Stadt fahren und nach Parkplätzen suchen.
Jeju Stadt: Straßen, Dampf und Haenyeo

Jeju Stadt ist größer als man denkt. Breite Straßen, Bäume die Schatten werfen, Gebäude die sich nicht entscheiden können ob sie modern oder traditionell sein wollen. Ich laufe einfach. Ohne App, ohne Ziel. Das funktioniert meistens gut. Manchmal landet man vor einem Parkplatz. Manchmal vor etwas Interessantem.
Eine alte Dampflokomotive unter einem Schutzdach — schwarz, massiv, Nummer 304. Irgendein Park, irgendein Museum. Ich bin einfach reingelaufen weil das Tor offen war. Die Lokomotive steht da seit Jahrzehnten und strahlt diese Art von Würde aus, die nur alte Maschinen haben. Kermit ist im Rucksack. Er hätte sie auch fotografiert.


In der Fußgängerzone: eine Steinskulptur, eine gebeugte Frau im Mantel. Eine Haenyeo — eine der Taucherinnen Jejus, die ohne Ausrüstung tief ins Meer tauchen, um Meeresfrüchte zu holen. Eine jahrhundertealte Tradition, fast nur noch von alten Frauen praktiziert. Die Statue steht hier zwischen Restaurants und Souvenirläden und schaut niemanden an. Sie muss das nicht.
Abend: Iho Tewoo Beach und der Sonnenuntergang
17:46 Uhr. Ein Waldweg, die Sonne genau dahinter. Ich stehe als Silhouette im Gegenlicht — oder jemand anderes steht da, ich bin mir nicht sicher. Aber das Bild ist gut. Kiefern rechts und links, goldenes Licht, die Stille vor dem Strand. Kermit hätte hier innegehalten. Ich auch.


Iho Tewoo Beach, kurz vor 18 Uhr. Die Sonne drückt sich durch die Wolken — Lichtstrahlen, die aufs Wasser fallen. Schwarze Lavafelsen im Vordergrund, ein einsamer Läufer weit hinten auf der Mole. Das ist einer dieser Abende, die man nicht fotografieren kann ohne das Gefühl zu haben, dass das Foto nie reicht.
Die Leuchttürme von Iho
Der rote Leuchtturm von Iho Tewoo — ein Pferd, obendrauf der Turm, dahinter Sonnenuntergang. Koreanische Leuchttürme haben manchmal diesen Hang zur Dramatik. Dieser hier hat sie verdient. Ein rotes Schlauchboot liegt vertäut, die Strahlen brechen durch die Wolken. Ich stehe da und mache fünf Fotos vom selben Motiv. Alle sind gut.


Zwei Leuchttürme — ein roter links, ein weißer rechts. Dazwischen eine Hafeneinfahrt, Wellenbrechersteine, Abendlicht das alles in Orange taucht. Das ist Iho Tewoo. Bekannt für genau diesen Moment. Ich bin froh, pünktlich hier zu sein. Das passiert mir nicht immer.
Ich sitze auf dem Wellenbrecher. Beide Leuchttürme im Rücken, Sonnenuntergang vor mir — oder dahinter, je nachdem wie man sitzt. Irgendjemand macht das Foto. Ein Tourist mit gutem Timing. Rote Laufschuhe, Jeansshorts, Sonnenbrille. So sieht Jeju auf eigene Faust aus.


18:13 Uhr. Das Licht wird weicher, das Wasser ruhiger. Zwei Angler stehen weit draußen auf der Steinmole — winzig, reglos. Der rote Leuchtturm rechts am Rand. Jeju zieht seinen Abend an wie einen alten Mantel. Ich bleibe noch ein bisschen sitzen. Kermit schläft im Rucksack. Wir haben heute alles richtig gemacht.
Auf dem Rückweg: das Schild. Iho Tewoo Beach — zusammengesetzt aus Kronkorken in Orange und Blau. Darunter: ein roter Pferdeleuchturm im Miniformat. Dahinter: das Meer, bewölkt, grau, zufrieden. Das Schild hat heute Abend mehr Besucher gesehen als Strand. Ich auch.

Jeju auf eigene Faust heißt: kein Plan, kein Guide — nur ein Mietwagen, ein Frosch auf dem Beifahrersitz und das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Leuchtturm zu stehen.
| Tag | 27. September 2023 |
| Iho Tewoo Beach | Westküste Jeju Stadt — kostenlos, Parkplatz vorhanden; Sonnenuntergang-Hotspot |
| Leuchttürme | Roter & weißer Pferdeleuchturm — das Wahrzeichen des Strands |
| Haenyeo-Statue | Fußgängerzone Jeju Stadt (Nuwemaru Street) — kostenlos, fußläufig |
| Dampflokomotive | Jeju Folklore & Natural History Museum Bereich — Eintritt gering |
| Tipp | Mietwagen auf Jeju ist Pflicht — Busse fahren, aber selten und langsam |
| Kermit-Faktor | Schläft auf Beifahrersitz. Trotzdem dabei. |




