Gardasee im Oktober: Spontan, ungebucht und trotzdem perfekt

Verwitterter Holzpfahl auf einem Steg am Gardasee mit Bergen im Hintergrund

Es gibt Urlaube, über die man ganze Romane schreiben könnte. Abenteuer, Pannen, unvergessliche Begegnungen. Und dann gibt es Urlaube wie diesen hier: Gardasee, Anfang Oktober, eine Ferienwohnung, Selbstversorgung. Einfach mal abschalten. Klingt simpel — war es im Grunde auch. Aber ganz so entspannt begann das Ganze dann doch nicht, denn wir hatten buchstäblich nichts vorgebucht. Kein Hotel, keine Ferienwohnung, nichts. Spontan eben. Ob das klug war? Frag mich das im Nachhinein lieber nicht. Aber es hat geklappt — und mehr brauchte es eigentlich nicht.


Tag 1 — Anreise: Vom Nichts-Gebucht-Haben zur Traumwohnung

München — Ronchi. Irgendwo auf der Autobahn, noch tief in Deutschland, wurde uns klar: Wir haben eigentlich nirgendwo ein Bett für die Nacht. Meine gute Freundin öffnete AirBnB auf dem Handy, ich versuchte gleichzeitig zu fahren und nicht nervös zu werden — eine Kombination, die ich nicht unbedingt empfehle. Aber sie hatte das entschieden bessere Talent für sowas. Während ich noch überlegte, ob Schlafen im Auto vielleicht auch eine Option wäre, hatte sie schon eine Wohnung gefunden und gebucht. Ich sage es ungern, aber: ohne sie wäre das Urlaub unter einer Brücke geworden.

Das ist auch das Schöne an Reisen mit ihr. Gute Gespräche, wenn man sie braucht. Und angenehmes Schweigen, wenn man das braucht. Kein Theater, kein Gezicke. Einfach gut.

Angekommen in Ronchi, haben wir das Nötigste erledigt: kurz beim Lidl um die Ecke eingekauft, Wohnung bezogen, fertig. Mehr brauchte der erste Abend nicht.

🏨 Attico Mina
Ronchi · Gardasee, Italien
📍Google Maps

Tolle Ferienwohnung — wirklich. Terrasse mit Seeblick, genug Platz, alles da was man braucht. Für eine spontane AirBnB-Buchung aus dem fahrenden Auto heraus war das ein verdammt guter Treffer. Manchmal hat das Universum ein Einsehen.


Tag 2 — GoPro, Terrasse und ein Abendessen

Nachmittags — Technik trifft Faulheit

Der zweite Tag war programmatisch: nichts tun. Aber nichts tun auf hohem Niveau — nämlich mit neuer Technik. Die GoPro musste endlich getestet werden. Also saß ich auf der Terrasse der Attico Mina, hielt das Selfie-Stick-Konstrukt vor mich hin und versuchte möglichst entspannt auszusehen. Das Ergebnis ist dieses leicht schräge Weitwinkel-Selfie, das mich größer macht als ich bin und die Terrasse kleiner — Fischeye-Optik sei Dank. Aber hey, Urlaub, Terrasse, Kaffee daneben, Gardasee irgendwo hinter der Balkonbrüstung. Das nenne ich Urlaub.

Abends — Essen gehen

🍽️ Locanda Gallehus
Ronchi · Gardasee, Italien
📍Google Maps

Am Abend haben wir uns dann doch aus der Wohnung bewegt. Die Locanda Gallehus in Ronchi — ein gemütliches Restaurant-Bar, das genau das richtige Lokal für diesen entspannten Urlaubs-Abend war. Selbstversorgung ist ja schön, aber manchmal soll das Essen einfach jemand anderes kochen.


Tag 3 — Einkaufen und der perfekte Terrassen-Abend

Nachmittags — Supermarkt-Hopping

Selbstversorgung bedeutet: Man muss irgendwann einkaufen. Also nichts wie hin zum Migross Superstore Castelnuovo del Garda. Wer denkt, Supermarkt-Besuche im Urlaub in Italien seien öde, hat noch nie vor einem italienischen Kühlregal gestanden und zwanzig Minuten Käse studiert. Das ist Kulturprogramm.

Abends — Rosé, Zypressen und Sonnenuntergang

Den Abend auf der Terrasse verbringen. Klingt nach einem bescheidenen Plan — ist es aber nicht, wenn man diesen Blick vor sich hat. Ein Glas Rosé, die Reihe der Zypressen in der Abendsonne, dahinter der Gardasee. Das Glas hielt ich selbst in die Kamera — wir waren schließlich noch im Jahr 2019 und mein kleiner grüner Begleiter kam erst später ins Team.

Kurz darauf stand die Sonne tief. Das Holzdach der Terrasse rahmte den Himmel ein wie ein Gemälde — links die untergehende Sonne, rechts eine Gewitterwolke, die sich zum Glück für den Norden entschieden hatte. Solche Momente rechtfertigen jeden Stau auf der Autobahn. Und jeden spontan aus dem fahrenden Auto gebuchten AirBnB-Aufenthalt.


Tag 4 — Peschiera del Garda: Steg, See und Abendstimmung

Nachmittags — Am Wasser

Tag vier — und wir haben uns entschlossen, den Gardasee auch mal aus der Nähe zu betrachten, nicht nur von der Terrasse aus. Also rüber nach Peschiera del Garda. Die kleine Stadt am südöstlichen Zipfel des Sees — UNESCO-Weltkulturerbe wegen ihrer venezianischen Festungsanlage, aber das war uns ehrlich gesagt eher egal. Wir wollten ans Wasser.

Am Steg stand dieser verwitterte Holzpfahl — vom Wasser zermürbt, von der Sonne gebleicht, von der Zeit in Form gebracht. Im Hintergrund türkisblaues Wasser, die Berge, ein makelloser Oktoberhimmel. Oktober am Gardasee ist übrigens unterschätzt. Keine Menschenmassen, keine überhitzten Touristenpulks, angenehme Temperaturen. Einfach gut.

🍽️ La Plume
Peschiera del Garda · Gardasee, Italien
📍Google Maps

Einen Stopp bei La Plume gab es auch noch — weil man in Italien einfach irgendwo reingeht, wenn man vorbeiläuft und es gut aussieht. Kein weiterer Grund nötig.

17:19 Uhr — Abendstimmung im Hafen

Kurz vor halb sechs — der Himmel über dem Hafen von Peschiera del Garda wechselte von Blau in zartes Rosa. Die Boote lagen ruhig im Wasser, die Laternen der Promenade zündeten einer nach dem anderen durch. Die Spiegelungen im stillen Hafenbecken sahen aus, als hätte jemand das Bild verdoppelt. Ich stand da, drückte auf den Auslöser und dachte: Das war ein guter Tag. Kein Plan, kein Programm. Einfach hingehen, schauen, stehen bleiben.


Tag 5 — Zurück nach München

Heimfahrt. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Der Gardasee blieb hinter uns, München lag vor uns, und irgendwo auf der Autobahn wurden die Berge flacher und der Himmel grauer. So ist das eben.


Manchmal ist der beste Urlaub der, über den man nicht viel zu berichten hat — weil man einfach nur da war.


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