Tag 2 in Busan. Der Himmel über dem Hafen hängt noch grau — aber das Programm ist randvoll. Gamcheon wartet. Eine Seilbahn über dem Meer wartet. Und irgendwo da draußen wartet ein Café mit Meerblick, das genau das richtige für Kermit und seinen Kaffee wäre. Wir haben das so eine Art Ritual: er hält die Tasse, ich esse den Kuchen. Funktioniert.
Gamcheon Culture Village — das Freiluftmuseum

Vom Taxi aus: Busan zeigt sich von seiner großstädtischen Seite. Glasfassaden, ein Hafen, eine Brücke. Grau über allem — aber das ist kein schlechtes Zeichen. Gamcheon funktioniert auch ohne Sonne. Vielleicht sogar besser.
Gamcheon Culture Village. Tausende Häuser in Pastellfarben, übereinander gestapelt an einem Hügel. Blau, Türkis, Orange, Rosa, Gelb. In den 1950er Jahren wurde das Viertel von Kriegsflüchtlingen gebaut — heute ist es eines der meistfotografierten Ziele in ganz Südkorea. Zu Recht.


Pflichtfoto. Kermit auf dem Rücken, bunte Häuser im Hintergrund, bewölkter Himmel obendrüber. Er wirkt entspannter als ich. Vielleicht weil er keine Treppen steigen muss.
Kunst in den Gassen
Die Gassen von Gamcheon sind eine einzige Galerie. An jeder Ecke ein Wandbild, an jeder Wand eine Geschichte. Hier: BTS. Jungkook und Jimin, lebensgroß auf Hausformat gezogen, Rosen in der Hand. Fans aus aller Welt pilgern hierher — für ein Foto vor dieser Wand.



Gamcheon hat eine eigene Sprache: Katzen, Comics, Sepia. Zwischen K-Pop-Wandbildern tauchen plötzlich historische Szenen auf — koreanisches Dorfleben in Brauntönen. Frauen beim Waschen, Männer bei der Feldarbeit. Ein Stück kollektiver Erinnerung, gemalt auf verwitterten Beton.


Die Gamcheon Bakery — rot, markant, mit einer Katzen-Statue die sehnsüchtig ans Schaufenster lehnt. Rucksack auf dem Rücken, Blick aufs Gebäck. Ich verstehe sie. Kermit hätte gern auch etwas — aber er wartet auf den Kuchen am Meer. Geduld, Kermit.
Am Wegesrand: eine Skulptur aus Treibholz. Ein Gesicht, das aus dem Boden wächst — oder besser: aus Wurzeln, die sich wie Arme spreizen. Die Augen sind geschlossen. Oder leer. Schwer zu sagen. Man läuft dran vorbei und dreht sich zweimal um.

Busan Air Cruise — Seilbahn über dem Meer

Nachmittag. Der Himmel hat aufgemacht. Die Seilbahn — Busan Air Cruise, Songdo Haesang Cable Car — zieht ihre Bahnen über der Bucht. Unter mir: türkises Wasser, eine Brücke, ein kleiner Leuchtturm. Ich sitze in der Kabine und denke: Das ist unverhältnismäßig schön für einen x-beliebigen Freitagnachmittag.
Kermit sitzt neben mir. Im Fenster hinter ihm: „Busan Air Cruise“ auf Koreanisch. Er schaut auf das Wasser. Ich mache ein Foto. Das ist unser System.



Songdo — Treppen, blaue Gassen und das Meer
Songdo Beach. Eine Treppe führt hinunter auf einen Felsensteg — am Ende: eine kleine Insel, gesichert mit weißem Geländer. Familien mit Kindern gehen runter. Ein Kind in Gelb, das Geländer links, das offene Meer rechts. Ich folge. Die Insel heißt Somunseom. Klein, fotogen, windig.


Irgendwo im Viertel rund um Songdo: eine Treppe, die vollständig blau gestrichen ist — Stufen, Wände, alles. Wassertropfen-Muster auf jedem Tritt. Oben ein blauer Himmel, unten blaues Wasser. Man läuft durch und fühlt sich wie in einem Unterwasserfilm. Kermit würde das gefallen — schade, dass er gerade Pause macht.
Das Ritual: Kaffee, Kuchen, Meerblick
16:13 Uhr. Terrasse eines Cafés über dem Meer. Kermit sitzt vor seiner Kaffeetasse, daneben ein Stück Cheesecake. Sonnenschirm. Blaues Wasser dahinter, Frachter am Horizont. Schiffe kommen und gehen. Wir bleiben sitzen. Das ist unser Ritual — Kaffee und Kuchen am Nachmittag, einfach entschleunigen. Er hat die Tasse, ich habe die Gabel. So funktioniert das.

Kermit hält die Tasse. Ich esse den Kuchen. Das Meer schaut zu. So soll das sein.
Abend: Sonnenuntergang über Busan

18:06 Uhr. Die Sonne geht über Busan unter — orange, rosa, leise. Im Vordergrund: zwei Katzen-Silhouetten aus Metall, auf einem alten Geländer. Lack blättert ab. Die Stadt leuchtet dahinter. Keiner der beiden Katzen scheint das zu stören. Auch ich störe mich nicht daran. Manchmal braucht man einfach das richtige Motiv vor dem richtigen Licht — und dann wartet man, bis beides zusammenpasst.
Busan ist laut, bunt, groß — und hat trotzdem Momente, in denen man einfach nur schaut und schweigt. Der Sonnenuntergang gehört dazu.
| Tag | 22. September 2023 |
| Gamcheon Culture Village | Eintritt ca. 2.000 KRW (Stempelkarte); früh hingehen — Wochenends sehr voll |
| Anfahrt Gamcheon | Bus Nr. 2 oder 2-2 ab U-Bahn Toseong (Linie 1); oder Taxi ab Innenstadt |
| Busan Air Cruise | Songdo Haesang Cable Car — ca. 15.000 KRW Hin & Rückfahrt; glasbödig optional |
| Somunseom Inselsteg | Songdo Beach — kostenlos, kurze Treppe runter, lohnt sich |
| Gamcheon Bakery | Direkt im Village — Warteschlange möglich, Gebäck gut |
| Kermit-Faktor | Sehr hoch. Gamcheon ist Kermit-kompatibel in jeder Hinsicht. |
| Café am Meer | Songdo-Küste: mehrere Cafés mit Meerterrasse — Cheesecake und Kaffee empfohlen |




