Auf dem Turmdach und durch den Kaukasus — Mestia lässt uns ziehen

Der letzte Abend in Mestia. Sonnenuntergang über den Türmen, die Berge orange, der Himmel noch blau. Man weiß, dass man morgen weg muss — und schaut trotzdem nochmal hin. Und nochmal. Kermit auch. Und dann, am nächsten Morgen: Koffer, Turm-Museum, Leiter, Dach, Flughafen, Propeller, Kaukasus. In dieser Reihenfolge.


Der letzte Abend: Mestia im Abendlicht

17:03 Uhr. Mestia von der Anhöhe aus. Wehrtürme, Herbstbäume, Schnee auf den Gipfeln — das ist das Postkartenbild, das man sich vorher nicht vorstellen konnte. Und dann noch der Lkw. Sowjetisch, rostig, geparkt vor einem schneebedeckten Viertausender. Niemand schaut zweimal hin. Ich schon. Kermit auch.


Abreisemorgen: Koffer, Gassen, ein letzter Blick

Morgens. Koffer auf Kopfsteinpflaster. Das klingt schöner als es klingt — Rollkoffer auf Kopfsteinpflaster macht einen Lärm der der ganzen Straße mitteilt: jemand reist ab. Kermit saß auf dem Rucksack. Er wusste Bescheid. Noch eine letzte Gasse, noch ein letzter Turm von unten. Der hoch aufragende Svan-Turm am Weg zum Flughafen ist das letzte, was man von Mestia sieht wenn man geht. Nicht schlecht als Abschiedsbild.

Mestia hat knapp 2.500 Einwohner und über zwanzig erhaltene Wehrtürme. Pro Kopf vermutlich mehr Türme als jede andere Stadt der Welt. Das ist keine Statistik, das ist eine Haltung.


Das Turm-Museum: Von innen, von oben

Kurz vor dem Flughafen: Stopp. Museum in einem echten Wehrturm. Man tritt ein und die Augen brauchen einen Moment. Dunkel, niedrig, alt. Alte Truhen, Hirschgeweih, Holzbalken die sich schwarz verfärbt haben. Geruch nach Jahrhunderten. Eine Holzleiter führt nach oben — steil, schmal, nicht für Koffer. Ich habe den Koffer unten gelassen. Kermit hat mitgemacht.

Und oben: das Dach. Holzplanken, Wind, und Mestia zu Füßen. Die anderen Türme ringsum. Das Tal dahinter. Ich saß da und dachte: das hier ist der Blick, den die Svanen jahrhundertelang hatten, wenn sie Feinde beobachteten. Heute beobachte ich Herbstbäume und Touristen. Passt auch.

Der Blick vom Dach nach Norden: Das Enguri-Tal öffnet sich, Mestia liegt unten wie auf einem Modell, der Fluss glitzert in der Ferne. Genau diesen Ausblick wollte ich haben. Er war es wert.


Der Flughafen: Handschrift, Propeller, Abenteuer

Der Flughafen von Mestia ist ein schwarzes Winkelgebäude an der Durchgangsstraße — man könnte dran vorbeifahren. Der Boarding Pass war wieder handgeschrieben. Diesmal auf einem richtigen Formular, immerhin. Mein Name drauf, Flug 011, Datum 01.11.23, Ziel: Kutaisi bzw. Tiflis. Die Maschine draußen: eine LET L-410, tschechisches Fabrikat, Kennzeichen OK-TCA. Klein, propellerbetrieben, bewährt. Kermit saß auf dem Fenstersitz. Natürlich.


Kermit am Fenster — und der Blick über die Schulter

Dann: Start. Und Kermit am Fenster, der Kaukasus hinter dem Propeller — das ist das Bild. Er schaut raus, ruhig, konzentriert, als würde er die Route checken. Ich habe ihn fotografiert und dann selbst rausgeschaut. Weiße Gipfel, Täler, Herbstwälder von oben. Georgien verabschiedet sich mit allem was es hat.

Und dann: die Pilotin. Kopfhörer, ruhige Hände, vor ihr das Cockpit und dahinter der Kaukasus. Eine junge Frau die diese Route fliegt wie andere zur Arbeit fahren. Ich habe sie kurz durch die offene Cockpittür fotografiert. Respekt. Ernsthaft.

Mestia nimmt man nicht einfach mit — Mestia bleibt. Irgendwo zwischen dem Turmdach, dem handgeschriebenen Ticket und Kermit am Fenster.


Abreise vonMestia, Svaneti, Georgien
ZielTiflis (via Kutaisi)
FlugzeugLET L-410, Kennzeichen OK-TCA
Boarding PassHandgeschrieben. Flug 011. Gültig.
Turm-MuseumSvan-Wehrturm in Mestia — Dachbesichtigung möglich
HighlightBlick über die Schulter der Pilotin
Kermit-PositionFenstersitz. Erste Reihe Kaukasus.
Mestia-FazitNochmal. Unbedingt.

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