Kelheim im November: Befreiungshalle, Keltenwall und Kloster Weltenburg in 18 km

Blick von oben auf Kloster Weltenburg am Donaudurchbruch im Herbst

November. Blauer Himmel. Sieben Grad. Kermit steckt im Rucksack und guckt skeptisch. Ich parke in Kelheim, ziehe die Mütze tief ins Gesicht und denke: Das wird gut. Kelheim ist von München aus mit dem Auto in knapp einer Stunde zu erreichen — kein Aufwand, großes Programm. Die Donau glitzert schon von weitem, über den Kalkfelsen thront die Befreiungshalle wie ein fehl am Platz geratenes römisches Pantheon, und irgendwo da unten liegt Kloster Weltenburg. Besser kann ein Herbsttag kaum anfangen.


Start in Kelheim: Uferweg und erster Blick nach oben

Am Parkplatz P5 Wöhrdplatz starte ich in Richtung Donauufer. Der Weg führt zunächst flach am Wasser entlang — Schrebergärten links, Felsen rechts, Mond noch am Himmel. Kermit lugt aus dem Rucksack und scheint das alles stoisch zu beurteilen. Ich auch. Noch. Die rund 18 Kilometer mit gut 400 Höhenmetern klingen auf dem Papier harmlos. Spoiler: Der erste Anstieg kommt schneller als erwartet.

Hinter dem Ort beginnt der Weg sofort zu klettern. Nach wenigen Minuten öffnet sich der Blick zurück auf Kelheim: Kirchturm, Donaubrücke, dahinter flaches Land bis zum Horizont. Der Dunst liegt noch im Tal, die Sonne kratzt schon knapp darüber. Schön.

Zwischen kahlen Ästen hindurch sieht man die Donau schon von hoch oben — und die Brücke, über die ich heute nicht zurückfahren werde. Vom Hang aus wirkt die Stadt klein und ordentlich. Kirchturm, ein paar Dächer, dahinter der Strom. Irgendwo da unten ist auch mein Auto. Das ist jetzt irrelevant.


Befreiungshalle: Wo Bayern auf die Antike trifft

Nach etwa zwei Kilometern und rund 100 Höhenmetern stehe ich vor der Befreiungshalle. Ludwig I. ließ sie zwischen 1842 und 1863 bauen — zum Gedenken an die Befreiungskriege gegen Napoleon. Das Ergebnis: ein Rundbau, der aussieht, als hätte das Pantheon in Rom einen bayerischen Cousin. 18 Kolossalstatuen blicken von außen herab. Ich blicke von unten herauf. Kermit hat den besseren Überblick.

Das Plateau rings um die Halle liegt verlassen in der Novembersonne. Kein Tourist weit und breit. Ich genieße das eine Weile, mache das obligatorische Selfie und ziehe weiter.

🏛️ Befreiungshalle Kelheim
Befreiungshallestr. 3 · 93309 Kelheim
🌐 schloesser.bayern.de
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Keltenwall und Herbstwald: Geschichte unter Laub

Der Weg führt weiter durch Buchen- und Eichenwald. Der Boden ist komplett in Rost und Ocker getaucht — so viel Laub, dass der Pfad manchmal nur zu erahnen ist. Kein Problem. Ich gehe einfach dahin, wo es schön aussieht. Das ist meistens richtig.

Dann: der Keltenwall. Ein unauffälliger Wall aus Erde und Moos, der sich durch den Wald zieht — knapp 2.000 Jahre alt, Teil einer keltischen Befestigungsanlage. Ich stehe davor und versuche, das in Relation zu setzen. Gelingt nur mäßig. Kermit ist beeindruckt, das reicht.

Der Keltenwall ist kein spektakuläres Fotomotiv. Er ist einfach da. Ein langer, bemooster Rücken im Wald, flankiert von Eichen mit rostbraunem Restlaub. Wer aufmerksam schaut, erkennt die Struktur. Wer nicht aufmerksam schaut, stolpert drüber. Beides ist legitim.

Von hier aus öffnet sich gelegentlich der Wald und gibt den Blick auf das Altmühltal frei — und auf die Donau, die sich irgendwo da unten ihren Weg durch den Kalkfels gräbt. Die Richtung stimmt. Weiter.


Panorama über Weltenburg: Das Postkartenmotiv wartet

Der Weg kämpft sich über den Kamm und dann — Pause. Zwangspause. Weil man da einfach stehen bleiben muss.

Rund 100 Meter tiefer liegt Kloster Weltenburg in der Donauschleife. Das barocke Ensemble mit dem markanten Zwiebelturm strahlt rosa-weiß in der Novembersonne. Die Donau biegt sich darum herum wie eine schützende Hand. Rechts und links steile Kalkfelsen, hinten Herbstwald in allen Brauntönen. Das Kloster wirkt wie ein Modell — zu hübsch, um echt zu sein. Ist es aber.

Von hier oben sieht man gut, wie eng der Durchbruch wirklich ist — die Felsen stehen sich auf beiden Seiten fast gegenüber, die Donau zwängt sich durch wie sie es schon seit Jahrtausenden tut. Ganz links im Bild, auf der anderen Talseite: die Kapelle Weltenburg, klein und weiß zwischen Herbstfarben. Und noch weiter hinten die Hügel des Altmühltals, die sanft im Dunst verschwimmen. Kermit sitzt im Rucksack und hat den gleichen Blick wie ich. Zufrieden.

Noch ein paar Schritte weiter hangabwärts, und das Kloster Weltenburg rückt ins volle Bild. Jetzt sieht man auch den weißen Kalkfelsen rechts — senkrecht abfallend, direkt aus dem Fluss wachsend. Die Donau liegt ruhig und dunkelgrün zwischen den Wänden. Ein Motorboot wäre hier fehl am Platz. Zum Glück ist keins da.

Das ist das Bild, das man kennt. Und es ist trotzdem jedes Mal wieder unwirklich schön. Der weiße Felsriegel rechts, das rosa Klostergebäude links, der grün-graue Fluss dazwischen — und über allem ein blauer Novemberhimmel, der eigentlich im falschen Monat ist. Ich stehe hier gefühlt zehn Minuten. Kermit beschwert sich nicht.


Kloster Weltenburg: Einkehr, Bier und ein zufriedener Frosch

🍺 Klosterschenke Weltenburg
Asamstraße 32 · 93309 Kelheim
🌐 kloster-weltenburg.de
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Unten angekommen, ist die Klosterschenke das Erste, worauf der Blick fällt. Und das aus gutem Grund. Kloster Weltenburg gilt als älteste Klosterbrauerei der Welt — seit mindestens 1050 wird hier Bier gebraut. Das ist kein Marketing, das ist Tradition. Ich setze mich in den Innenhof. November, aber die Sonne wärmt noch. Ich bestelle ein Dunkel und einen Schweinsbraten mit Knödel — weil man das hier einfach macht.

Das Bier: dunkel, malzig, mit einem Hauch Karamell. Genau richtig nach zehn Kilometern und den Aufstiegen. Der Schweinsbraten: knusprig, mit einer Soße, die nach echtem Herd schmeckt, nicht nach Pulver. Der Knödel: solide. Kermit hält währenddessen die Bierkrüg — er übernimmt das Halten, ich übernehme das Trinken. Bewährte Arbeitsteilung.

Das Publikum: überschaubar an einem Novembersamstag. Ein paar Radfahrer, ein älteres Pärchen, ein Hund der schläft. Keine Busgruppen, kein Trubel. Genau so soll das sein. Ich sitze länger als geplant. Das ist auch genau so.


Donaudurchbruch: Am Wasser zurück nach Kelheim

Der Rückweg folgt dem Uferweg direkt am Wasser — dem sogenannten Donaudurchbruch. Rund fünf Kilometer, fast eben, dafür mit konstantem Wow-Faktor. Rechts: senkrechte Kalkwände, 60, 70 Meter hoch, von Flechten überzogen. Links: die Donau, ruhig und spiegelglatt. Über allem: blauer Himmel.

Ich halte an einer Kiesbank und mache das, was man an einer Kiesbank macht: runterhocken, Foto, kurz die Hand ins Wasser halten. Kalt. Sehr kalt. Kermit bleibt im Rucksack.

Der Weg direkt am Wasser ist schlicht und ergreifend wunderschön. Herbstgelbe Linden hängen über den Fluss, die Blätter halten sich noch tapfer. Das Licht der Novembersonne steht tief und fällt schräg über das Wasser — alles leuchtet. Ich mache zu viele Fotos. Das ist keine Kritik, das ist Tatsache.

An einer Stelle, wo der Weg direkt unter einer senkrechten Kalkwand entlangführt, bleibt man einfach stehen. Rechts der Fels, links der Fluss, Äste über dem Kopf. Andere Wanderer kommen entgegen. Wir nicken uns zu. Alle wissen: Das hier ist außergewöhnlich.

An der Kiesbank liegt die Donau fast reglos. Die Kalkfelsen spiegeln sich im klaren Wasser — man sieht die Steine auf dem Grund. Der Durchbruch ist an dieser Stelle vielleicht 80 Meter breit. Auf beiden Seiten: senkrechtes Gestein und Herbstwald. In der Ferne zieht sich der Fluss zwischen den Felsen hindurch und verschwindet in einer leichten Biegung. Diese Gegend ist einfach absurd schön für Deutschland im November.

Das letzte Licht des Nachmittags trifft genau richtig auf die goldgelben Linden. Die Sonne steht so tief, dass sie direkt durch die hängenden Äste bricht — ein Stern aus Licht über dem Wasser. Ich halte noch einmal an. Kermit auch. Wir sind beide still.


Zurück in Kelheim: Hochwasserstand und Ende

Kurz vor Kelheim: die Hochwasserstand-Erinnerungssäule. Eine schlichte Steinsäule am Ufer, in die die Pegelstände vergangener Jahrhundertfluten eingraviert sind. Der höchste Strich liegt erschreckend weit oben. Ich schaue auf die jetzt ruhige Donau. Heute ist sie brav. Das war nicht immer so.

Dann der Parkplatz. Das Auto steht noch. Gut. Kermit wird aus dem Rucksack befreit und auf den Beifahrersitz gesetzt. Er hat heute ungefähr 18 Kilometer und 400 Höhenmeter mitgemacht — ohne Schritt selbst zu gehen. Das nenne ich Effizienz.


Manchmal muss man nur eine Stunde aus München rausfahren, um an einem Ort zu stehen, der aussieht, als hätte ihn jemand extra für einen schlechten Novembertag erfunden — und dann ist der Tag gar nicht schlecht.

📍 Parkplatz P5 Wöhrdplatz Kelheim · 🏁 Parkplatz P5 Wöhrdplatz Kelheim · 📏 18,2 km · ⬆️ 420 Hm · ⬇️ 420 Hm · ⏱ ca. 5:30 h

Die komplette Tour gibt es hier: Tour auf Komoot ansehen


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