Fahrradtour Anzinger Forst: Wald statt Wahnsinn

Fahrrad am Waldweg im Anzinger Forst mit Infotafel

Zu viel Arbeit, zu viel Bildschirm, zu wenig Sauerstoff. Irgendwann hatte ich mal gelesen, dass Wald den Stresspegel senkt. Klingt nach Wissenschaft, klingt nach einem guten Plan. Also: Fahrrad raus, Rucksack drauf, rein in den Anzinger Forst. Das neue Rad wollte sowieso endlich mal ausgefahren werden — und mein Kopf brauchte dringend etwas anderes als Tabs und To-do-Listen.

Der Anzinger Forst liegt quasi vor der Haustür. Mit dem Auto ist man von München aus in einer guten halben Stunde dort — einfach Richtung Anzing, kurz hinter dem Münchner Osten. Kein großes Abenteuer, kein epischer Roadtrip. Genau richtig für einen spontanen Nachmittag.


Rein in den Wald

Anfang Juni, Samstag, strahlend blauer Himmel. Die Bäume leuchten in diesem frischen Maigrün, das man nur ganz kurz im Jahr bekommt, bevor alles dunkler und satter wird. Ich bin fast allein hier. Kein Touristenpulk, keine Selfie-Stangen, keine Warteschlange. Nur Vogelgezwitscher, Kiesweg und ich.

Der erste Stopp kommt schnell: die Kapelle ‚Zu unserer lieben Frau im Wald‘. Ein kleines, unscheinbares Gebäude, halb im Grün versunken, mit einem hölzernen Vordach und einer Bank darunter. Davor hängt ein Schild — ‚Liebe Wanderer‘ steht drauf, und dann folgt Text, den ich in der Mittagssonne nicht vollständig entziffern kann. Die Botschaft ist aber klar: Hier darf man kurz innehalten. Mache ich. Kurz. Dann weiter.

⛪ Kapelle ‚Zu unserer lieben Frau im Wald‘
Anzinger Forst · 85614 Anzing
📍Google Maps

Die Kapelle ‚Zu unserer lieben Frau im Wald‘ ist einer jener stillen Orte, die man kaum auf dem Radar hat — und die genau deshalb funktionieren. Kein Rummel, keine Eintrittspreise, keine Audioguides. Nur eine kleine weiß verputzte Kapelle mit Holzdach, umgeben von sattem Grün. Wer mag, setzt sich auf die Bank darunter. Wer nicht mag, fährt einfach weiter.


Waldwege und Wildschwein-Hinweise

Die Forstwege hier sind breit, gut befahrbar, angenehm schattig. Das Rad rollt leise über den hellen Kiesbelag, links und rechts Fichtenreihen, dazwischen immer wieder Lichtungen mit diesem überschwänglichen Frühlings-Grün. An einer Infotafel am Wegrand halte ich kurz an. Irgendwas mit Naturschutz und Lebensraum. Lese ich zur Hälfte, nicke wissend, fahre weiter.

Was ich dort auch lese — und was mich doch kurz aufhorchen lässt: Wildschweine. Leben hier. Das erklärt die aufgewühlten Stellen am Wegesrand. Ich fahre fortan etwas aufmerksamer. Nicht panisch. Nur, sagen wir mal: informiert.


Das obligatorische Selfie

Irgendwann muss das Selfie sein. Sonst war man nicht wirklich da, oder? Das neue Rad im Hintergrund, ich mit Sonnenbrille und Rucksack davor — der klassische ‚ich mache das hier aus freiem Willen‘-Gesichtsausdruck. Die Sonne steht gut, der Weg ist leer, kein Zeuge dieser narzisstischen Minute außer ein paar Amseln.

Das Rad übrigens: neu, schwarz, solide. Ich war gespannt, wie es sich auf längeren Touren schlägt. Fazit nach diesem Nachmittag — läuft. Mein Po hatte da noch eine andere Meinung, aber dazu später mehr.


Der Geheimtipp: Weiher mit Bank

Und dann: der kleine Weiher. Taucht einfach so auf — eine Lichtung, ruhiges Wasser, eine verwitterte Holzbank direkt am Ufer. Drumherum lauter sattes Grün, das sich im Wasser spiegelt. Kein Schild, kein Parkplatz daneben, kein Eiscreme-Wagen. Nichts. Einfach nur ein schöner Fleck im Wald.

In Google Maps taucht das kaum auf — ich habe die Koordinaten, das war meine einzige Orientierung. Echter Geheimtipp also. Ich stelle das Rad ab, lasse mich auf die Bank fallen und schaue aufs Wasser. Mein Po sagt leise Danke. Nach knapp zwei Stunden Sattel war das mehr als verdient.

Kein Café, keine Einkehr weit und breit — aber ehrlich gesagt brauchte ich das hier auch nicht. Die Stille war das Beste, was der Tag zu bieten hatte. Und die hatte keinen Preis.

🏛️ Jodel Geräumt — Kleiner Weiher im Anzinger Forst
Anzinger Forst · 85614 Anzing
Nur per Koordinaten auffindbar — echter Geheimtipp
📍Google Maps

Der kleine Weiher am ‚Jodel Geräumt‘ ist der ruhigste Ort des ganzen Tages — und der unbekannteste. Kein offizieller Parkplatz, kein Wegweiser, kein Trubel. Wer ihn findet, hat ihn fast für sich allein. Eine Holzbank lädt zur Pause ein, das Wasser glitzert, die Zeit steht kurz still. So muss das sein.


Die Route — zum Nachfahren


Der Wald senkt den Stresspegel. Das hatte ich irgendwo gelesen. Ich kann das jetzt empirisch bestätigen — zumindest für einen Nachmittag. Der Po erholt sich noch.

📍 Anzinger Forst · 🚗 Auto ab München · ⏱ ca. 0:35 h Fahrzeit · 🎯 Highlights: Waldkapelle ‚Zu unserer lieben Frau im Wald‘, stille Forstwege, Geheimtipp-Weiher am Jodel Geräumt


zuletzt Aktualisiert:


Schreibe einen Kommentar