Wien im Sommer 2017 – und das als erstes Mal in der österreichischen Hauptstadt. Damals lebte und arbeitete ich als Expat in Sofia, Bulgarien. Ein kurzer Business-Trip zu Ingram Micro war der Anlass. Vier Tage, viel Arbeit, aber auch genug Stadt für erste Eindrücke. Dass Wien so eine Wucht ist, hatte ich nicht erwartet. Aber der Reihe nach.
Tag 1 – Anreise: Von Sofia direkt in die Arbeit
Morgens vom Sofia International Airport abgeflogen, mittags am Vienna International Airport gelandet. Keine große Eingewöhnung, kein Sightseeing – direkt weiter zu Ingram Micro. So läuft das beim Business Travel: Die Stadt wartet, der Kalender nicht.
Das PLAZA INN Wien Gasometer lag praktisch am Gasometer – eine dieser umgebauten Industriedenkmäler, die Wien so eigenartig lebendig machen. U-Bahn-Anschluss direkt vor der Tür, Zimmer solide, Preis vertretbar. Für einen Business-Trip mehr als ausreichend.
Tag 2 – Ganztags Arbeit, abends Wiener Küche
Tag zwei war klassischer Büroalltag. Den ganzen Tag bei Ingram Micro – Meetings, Abstimmungen, der übliche Business-Reise-Rhythmus. Ingram Micro ist einer der größten IT-Distributoren weltweit. Was das konkret bedeutet: Wenn ein Händler Laptops, Server oder Software kaufen will, kommt die Ware oft über solche Distributoren. Spannend, wenn man tiefer drin steckt. Ansonsten: Konferenzraum-Luft.
🌐 kolarik.at
Abends dann das Highlight des Tages: Essen mit den Kollegen in der Luftburg – Kolarik im Prater. Das Restaurant bezeichnet sich selbst als das größte Bio-Restaurant der Welt. Ob das stimmt, weiß ich nicht – aber die Portion Wiener Schnitzel war beeindruckend groß. Draußen sitzen, laue Sommernacht, gute Gesellschaft. So soll ein Arbeitstag enden.
Tag 3 – Arbeit am Vormittag, Wien am Nachmittag
Der dritte Tag war der beste. Morgens nochmal ins Büro, Mittag dann Schluss – und ab da gehörte Wien mir. Oder zumindest ein paar Stunden davon. Ich schnappte mir den Rucksack und lief los. Was folgte, war ein spontaner Stadtmarathon, der sich gewaschen hatte.
Schwarzenbergplatz & Stephansdom
Erste Station: der Stephansplatz und Umgebung. Auf dem Weg dorthin kam ich am Schwarzenbergplatz vorbei – und da stand ich plötzlich vor dem Sowjetischen Ehrenmal mit seinem mächtigen Springbrunnen. Mitten in Wien, mitten im Sommer. Das Caption-Feld meines Fotos sagt „Wien hat auch abseits der Konferenz einiges zu bieten“ – stimmt. Sehr.


Dann der Stephansdom. Man kennt ihn von Fotos, aber live ist dieses Zickzack-Ziegeldach eine andere Geschichte. Grün, gelb, schwarz – fast zu bunt für eine Kirche. Fast. Unten auf dem Platz war Baulärm, Kräne, Touristenmassen. Trotzdem: Kurz stehen geblieben, Hals in den Nacken gelegt, Foto gemacht. Pflicht erfüllt.
Belvedere & Stadtpark
Weiter zum Schloss Belvedere. Erster Blick auf den Belvedere-Schlossgarten – und ich verstand sofort, warum Leute hierfür extra nach Wien fliegen. Barock auf Barock, Hecken akkurat geschnitten, Blumenbeete in Reih und Glied. Alles so gepflegt, dass man sich selbst leicht ungepflegt fühlt. Das Selfie vom Caption-Feld sagt „kurze Auszeit“ – in Wahrheit stand ich da einfach und staunte.


Vom Stadtpark entlang der Wien war ich nicht vorbereitet. Diese historischen Arkaden am Flussufer – weiß, elegant, mit Rankenpflanzen bewachsen – wirken wie ein Bühnenbild. Ein bisschen Graffiti dran, ein bisschen Realität. Wien bleibt Wien, auch im Schmutz schön. Daneben der Schweizergarten – weitere grüne Auszeit zwischen zwei Terminen.
Zurück zum Belvedere-Garten, diesmal von der anderen Seite. Und dann traf ich sie: eine barocke Sphinx-Statue, die mich mit geschlossenen Augen und einem leichten Lächeln ansah – als würde sie über mein touristisches Hetzen schmunzeln. Im Hintergrund das Schloss. Das Foto hat was. Die Sphinx übrigens auch – Körper eines Löwen, Kopf einer Frau, Flügel eines Adlers. Wien macht keine halben Sachen.

Museumsquartier, Volksgarten & Prater

Am Museumsquartier dann ein unerwarteter Stopp. An einem Bauzaun prangen drei riesige Porträts: Conchita Wurst in der Mitte – unverkennbar. Daneben ein weiteres Gesicht und rechts Chester Bennington von Linkin Park, mit den Zeilen „In the end, it doesn’t even matter“. Das Mural hat eine Wucht, die man erst auf den zweiten Blick versteht. Street Art kann mehr als dekorieren.
Dann der Volksgarten am frühen Abend. Durch die Bäume hindurch das Burgtheater – eines der bedeutendsten deutschsprachigen Theater der Welt. Der Blick durch den Rahmen der Bäume auf das weiße Gebäude mit den roten Beeten davor ist fast zu schön für einen Handyschnappschuss. Ich nahm trotzdem die Kamera.


Gleich daneben das Palmenhaus – ein gläsernes Gewölbe aus der Gründerzeit, das jetzt als Bar und Eventlocation dient. Im Abendlicht mit den warmen Lampen drumherum wirkt es wie eine riesige erleuchtete Muschel. Die Leute auf der Terrasse sahen aus, als wüssten sie, dass sie an einem sehr guten Ort sitzen. Hatten Recht.
Letzter Stopp des Abends: der Prater. Vom Praterstern aus gut erreichbar. Das beleuchtete Eingangsschild mit dem Schriftzug „Herrrreinspaziert!“ – extra viele R – hat was von altem Jahrmarktzauber. Wien kann auch Rummelplatz. Den Besuch von Kolarik am Vortag hätte man also kombinieren können. Aber so war es zwei separate Erlebnisse. Nicht schlecht.

Tag 4 – Rückreise & Nachtleben in Sofia
Morgens nochmal kurz ins Büro, dann Koffer, Taxi, Vienna International Airport. Rückflug nach Sofia. Der Business-Trip war offiziell vorbei. Aber Sofia hatte noch Pläne mit mir.

Abends dann die Boombar in Sofia – und eine dieser Nächte, die man nicht plant, aber lange nicht vergisst. Das Foto sagt alles: drei lachende Gesichter, schlechtes Licht, bestes Gefühl. Das Caption-Feld nennt es „unvergessliche Nacht mit den Kollegen“ – korrekt eingeschätzt. Als Expat in Sofia war das genau das, was nach vier Tagen Arbeit und Sightseeing noch fehlte.
Wien in vier Tagen: Arbeit, Barock, Street Art und Prater-Jahrmarkt. Mehr braucht es nicht, um zu verstehen, warum diese Stadt einen nicht loslässt. Das erste Mal Wien – aber sicher nicht das letzte.




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