Tiflis, sofort — Straßen, Statuen und eine Stadt die nachts leuchtet

Vom Propeller direkt in die Großstadt. Tiflis empfängt einen nicht sanft — es empfängt einen laut, bunt, voll. Straßen mit Sowjetarchitektur und Jugendstilverfall nebeneinander, Street Art an jeder zweiten Wand, und hoch oben auf dem Hügel: Kartlis Deda, die Mutter Georgiens, die seit 1958 über die Stadt wacht. Kermit und ich haben keine Zeit verloren.


Erste Eindrücke: Rustaweli und die alten Gassen

Das erste große Gebäude setzt den Ton: Stalinstil mit Turm, beige-gelber Sandstein, Bogengänge im Erdgeschoss, Graffiti an den Pfeilern. Tiflis mischt das, ohne nachzufragen. Daneben: ein Wandgemälde, fünf Stockwerke hoch. Ein Mädchen, zwei Katzen, ein Vogel — hyper-realistisch, fast fotografisch. Kermit hat kurz nach oben geschaut. Ich auch.

Die alten Gassen dahinter: Jugendstilbalkone, verwitterter Putz, Wäsche dazwischen. Schön und marode zugleich. Tiflis hat keine Angst vor seinem eigenen Verfall — es trägt ihn mit einer gewissen Würde.

Und dann, auf einem Stromkasten: eine schwarze Katze mit Hasenohren. „2023 — The Year of Black Rabbit.“ „Cat“ durchgestrichen, „Rabbit“ drüber. Kermit hat das Bild länger betrachtet als ich. Er hat Sympathien für andere Tiere.

Irgendwo in den Seitenstraßen: ein kunstvoller Holzrahmen-Eingang, komplett aus alten Balusterpfosten und Schnitzereien zusammengesetzt. In der verspiegelten Scheibe: ich. Mit Kamera. „CAFE“ draufgesprüht. Kermit war knapp außerhalb des Bildes — ich wäre sonst nicht der einzige Frosch gewesen.


Kartlis Deda: Die Mutter Georgiens schaut auf alles

Auf den Mtazminda-Hügel. Zu Fuß oder mit der Seilbahn — ich bin gelaufen. Oben: Kartlis Deda. 20 Meter hoch, Aluminium, erbaut 1958 zur 1500-Jahr-Feier der Stadt. In der linken Hand Wein für Freunde, in der rechten ein Schwert für Feinde. Georgien in einer Statue. Von unten wirkt sie kolossaler als gedacht. Von der Seite, im Abendlicht: eine Silhouette die man nicht mehr vergisst.

Und dazwischen: das Selfie. Tiflis hinter mir, die modernen Glastürme im Dunst, die Altstadt darunter. Kermit steckte im Rucksack und verpasste nichts, weil ich das Foto gleich nach Hause geschickt habe. So funktioniert das.


Tiflis bei Nacht: Die Stadt die nicht aufhört

Abends vom Hotel. Tiflis leuchtet. Die Tsminida Sameba Kathedrale sticht golden aus dem Lichterteppich heraus — sie ist von überall zu sehen, tagsüber und nachts. Die Stadt zieht sich die Hügel hoch, Licht überall, der Himmel darüber bewölkt und warm. Kermit saß auf dem Fensterbrett und schaute raus. Wir haben nichts gesagt. Das war genug.

Tiflis ist eine Stadt die einen nicht loslässt — schon am ersten Abend nicht.


StadtTiflis (Tbilisi), Georgien
AnreisePropellerflug ab Mestia, Queen Tamar Airport
HighlightsRustaweli-Allee, Altstadt-Gassen, Kartlis Deda, Mtazminda-Hügel
Kartlis Deda20 m, Aluminium, 1958 — Wein für Freunde, Schwert für Feinde
Street ArtÜberall. Lohnt sich, langsam zu laufen.
NachtpanoramaVom Hotel aus — Tsminida Sameba leuchtet golden
Kermit-PositionFensterbrett. Nachts. Zufrieden.

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