Incheon — Chinatown, Märchendorf und Goodbye Korea

Jeju ist Geschichte. Kermit steckt im Rucksack, der Rucksack steht am Gate. Asiana Airlines, Seoul. Unter mir: die größte Stadt Koreas, ein Teppich aus Hochhäusern, der kein Ende nimmt. Aber vorher — ein Abstecher. Incheon liegt auf dem Weg zum Flughafen. Und Incheon hat ein Chinatown das man nicht einfach links liegen lässt.

Zwischenlandung Seoul — und Seoul von oben

Anflug auf Seoul. Unter mir: Millionen Dächer, Hochhäuser, Straßen die sich wie Adern durch die Stadt ziehen. Seoul hat fast zehn Millionen Menschen — und von oben sieht man jeden einzelnen Quadratmeter davon. Kermit schaut nicht aus dem Fenster. Er schläft. Vernünftig.


Incheon Chinatown — Korea trifft China

Incheon Chinatown. Das Tor ist gold, rot und blau — und macht sofort klar: hier gelten andere Regeln. Rote Laternen, chinesische Schriftzeichen, der Geruch von gebratenen Teigtaschen. Das ist nicht China, aber es ist auch nicht ganz Korea. Es ist irgendwas dazwischen, und das ist genau richtig so.

Die Hauptstraße des Chinatowns zieht sich den Hügel hoch — Tempo 30, rote Laternen, goldene Laternenmasten. Tagsüber läuft man einfach rein. Abends leuchtet alles. Wir kommen tagsüber. Abends kommen wir auch noch — aber das kommt später.

Treppen, Mauern und Kermit sitzt

Die bemalten Treppen von Incheon Chinatown — jede Stufe ein anderes Motiv. Drachen, Tempel, Pagoden. Hier: ein chinesischer Kaiserpalast, in leuchtendem Rot und Gold. Touristen laufen rauf und runter für das perfekte Foto. Ich mache auch eins. Man kann nicht anders.

Eine andere Treppe, ein anderes Motiv: die Chinesische Mauer, über mehrere Stufen gemalt. Und mittendrin: Kermit. Er sitzt da, schaut in die Kamera, als hätte er die Mauer selbst gebaut. Hat er nicht. Aber er sieht aus als wäre er stolz drauf.


Märchendorf — das andere Incheon

Direkt neben Chinatown: das Märchendorf Songwol-dong — 동화마을. Blaue Treppen, bunte Wände, Figuren aus Kinderbüchern an jeder Ecke. Ich stehe vor einer Straßenlaterne in Sternform und einem Schild das „童話村“ sagt — Märchendorf. Das ist entweder sehr niedlich oder leicht überwältigend. Wahrscheinlich beides.

Blaue Treppe, eine Giraffe die sich nach unten beugt und zwischen den eigenen Beinen durchschaut. Das ist entweder sehr kreativ oder das Werk von jemandem der zu lang in der Sonne war. Ich entscheide mich für ersteres und mache ein Foto.

Arielle. An einer Hauswand, dreidimensional, mit Muschel-Sitzgelegenheit. Ich setze mich daneben. Arielle schaut ins Nichts. Ich auch. Das Foto macht sich von selbst. Im Hintergrund: das Straßenschild „Donghwamaeuran-gil“ — Märchendorfgasse. Passt.

Das „Trick Art Story“ Museum — ein Gebäude das aussieht als hätte jemand ein Kinderbuch zu groß gedruckt. Rosa Türme, bunte Bögen, eine Prinzessin aus Pappe rechts daneben. Ich gehe nicht rein. Der Außenbau reicht vollkommen.

Kermit trifft seinen größeren Cousin

Und dann: eine Bank. Auf der Bank: eine große gelb-grüne Frosch-Skulptur, Arme ausgebreitet, Mund weit offen. Daneben: Kermit im Rucksack. Die beiden schauen sich an. Der große Frosch wirkt begeistert — Kermit wirkt reserviert. Er kennt das Konzept Frosch bereits aus erster Hand. Er ist das Original.

Erdmännchen. An einer Wand. Eines mit Sonnenschirm, eines ohne. Ein Schild erklärt die Kinderschutzzone. Alles macht Sinn und nichts macht Sinn. So ist das Märchendorf. Man geht einfach durch und lässt es geschehen.

Anna aus Frozen, ein Eisbär, Pinguine — auf einem bemalten Straßenkasten an der Donghwamaeuran-gil. „겨울왕국“ steht da — Frozen, wörtlich: Winterkönigsreich. Korea liebt Disney. Incheon liebt Disney besonders.


Zurück in Chinatown — Abend und Abendessen

Zurück in Chinatown. Ein rotes Gebäude, vier Stockwerke, vergoldete Schriftzeichen. Yangjeodang — eines der ältesten chinesischen Restaurants in Incheon. Man kann es nicht übersehen. Man soll es auch nicht übersehen. Das ist der Sinn.

Ein chinesischer Garten, mitten in Incheon. Steinbrücke, Bambuspflanzen, ein Pavillon im Hintergrund. Alles gepflegt, alles ruhig. Fünf Minuten von der Hauptstraße entfernt. Man muss nur hineinschauen.

Eine alte Backsteinkirche — Ende des 19. Jahrhunderts, als Incheon der erste Hafen war der für den Westen geöffnet wurde. Die Gasse daneben: Lichterketten, alte Gebäude, ein gelbes Fahrrad vor der Tür. Geschichte und Café-Kultur auf zehn Metern.

17:34 Uhr. Von einem Aussichtspunkt über Incheon: der Hafen, Hochhäuser, ein orangefarbener Abendhimmel der sich durch die Wolken drückt. Irgendwo da unten liegt der Flughafen. Morgen früh geht es weiter. Aber heute Abend noch nicht.

Die Treppe hinunter zurück in Chinatown — im Geländer ein steinerner Drache, unten ein belebter Platz, rote Laternen, Stände. Das ist Incheon Chinatown wie es sein soll: lebendig, laut, riechend nach gebratenem Teig. Kermit ist wieder wach.

Jajangmyeon — das muss sein

Abendessen. Incheon Chinatown ist die Geburtsstadt des Jajangmyeon — Nudeln mit schwarzer Bohnensauce, das koreanisch-chinesische Nationalgericht. Dazu: gebratene Dumplings, gedämpfte Xiaolongbao, frittiertes Hähnchen in Sauce, eine Frühlingsrolle. Der Tisch ist voll. Ich esse alles. Kermit schaut zu.

19:11 Uhr. Chinatown bei Nacht ist nochmal eine andere Stadt. Das Pagoden-Restaurant leuchtet in Rot und Weiß — jede Etage mit LED-Lichtern abgesetzt, rote Laternen hängen in Reihen. Es ist kitschig und schön und ich mache trotzdem das Foto. Oder gerade deswegen.


Incheon Airport — Goodbye Korea, Hello Vietnam

30. September, 09:30 Uhr. Incheon Airport. Ich sitze auf dem Fensterbrett, Kermit steckt im Rucksack — er schaut raus, ich schaue raus. Der Tower, das Vorfeld, bewölkter Himmel. Korea ist gleich vorbei. Zwei Wochen. Seoul, Busan, Jeju, Incheon. Das war viel. Das war gut.

Das Korea-Herz — Daumen und Zeigefinger, eine kleine Geste die in Korea überall ist. Ich mache es auch, weil es sich richtig anfühlt. Hinter mir: eine blaue Vietnam Airlines Maschine. Kermit lugt aus dem Rucksack. Er weiß, was jetzt kommt. Ich auch. Weiter.

Korea war eine gute Idee. Zwei Wochen, vier Städte, unzählige Treppen, ein Frosch auf jeder Etappe. Kermit hat kein einziges Mal gemurrt. Das sage ich auch über mich.


Tag29.–30. September 2023
Incheon ChinatownU-Bahn Linie 1, Station Incheon (인천역) — kostenloser Eintritt, fußläufig
Märchendorf Songwol-dongDirekt neben Chinatown — kostenlos, 15 Min. Spaziergang
JajangmyeonDas Gericht hier erfunden — unbedingt vor Ort essen, ca. 10.000–15.000 KRW
Trick Art StoryKostenpflichtig, der Außenbau reicht aber schon für ein Foto
Chinatown bei NachtAb ca. 19 Uhr leuchtet alles — Pflichtprogramm
WeiterreiseVietnam Airlines ab Incheon (ICN) → Hanoi oder Ho-Chi-Minh-Stadt
Kermit-FaktorHöchster des gesamten Korea-Trips. Er hat seinen Doppelgänger getroffen.

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