Regen, Märkte und ein lächelnder Schweinskopf — Daegu und weiter nach Busan

Nach vier Tagen Seoul: Tapetenwechsel. Der KTX bringt uns in unter zwei Stunden nach Daegu — Koreas drittgrößte Stadt, UNESCO Creative City of Music, und an diesem Tag: komplett verregnet. Kermit und ich machen das Beste daraus. Das Beste ist Kuchen.

Seoul Hauptbahnhof: Abfahrt

10:25 Uhr, Seoul Station. Kermit thront auf dem Gepäck — Rucksack auf dem Trolley, Abfahrtstafel im Hintergrund, irgendwo da oben steht Daegu. Er schaut in die Halle als würde er die Abfahrtszeit im Blick behalten. Ich vertraue ihm.


Daegu: Regen, Markt, Schweinskopf

Dongdaegu Station. Vor dem Ausgang steht ein großes Holzschild: „Daegu, a UNESCO City.“ Kermit steht davor mit dem Gepäck — als hätten wir das geplant. Haben wir nicht. Der Himmel ist grau, die Luft feucht, und Daegu begrüßt uns mit dem, was es an diesem Tag anzubieten hat: Regen.

Chilseong-Markt, Daegus größter traditioneller Markt. Hallengang, betongrauer Boden, Händler die Kartoffeln sortieren, Pilze stapeln, Säcke schleppen. Kein Tourist außer mir. Niemand schaut mich komisch an. Das ist der Alltag — und ich laufe mittendurch.

Eine weitere Gasse, überdacht, mit einer roten LED-Anzeige die auf Koreanisch etwas ankündigt — Angebote, Veranstaltungen, Warnungen? Keine Ahnung. Ich laufe drunter durch. Ein Händler schaut kurz hoch, dann weiter zum nächsten Kunden. Ich bin nicht interessant genug für eine zweite Sekunde Aufmerksamkeit. Das nehme ich als gutes Zeichen.

Und dann: ein Schweinskopf. Vollständig, auf einem Holzgitter, Essstäbchen in den Ohren, Augen halb geschlossen, leicht lächelnd. „Since 1986″ steht auf dem Schild darunter. Er ist eindeutig das Fotomotiv des Tages — und er weiß es. Kermit war nicht dabei. Ich habe ihn im Rucksack gelassen. Aus gutem Grund.

Daegu zeigt sich von der ehrlichsten Seite: kein Hochglanz, kein Tourismus-Schaufenster. Nur ein Markt, Regen, und ein Schweinskopf der einem direkt in die Augen schaut.

Das unvermeidliche Ritual: Kermit, Kaffee, Kuchen

16:28 Uhr. Ein Café irgendwo in der Daegu Innenstadt, Fenster mit Rauten-Folie, draußen grau, drinnen warm. Kermit bekommt einen Tisch, einen Kaffee, einen Kuchen. Das ist inzwischen unser Reiseritual — in jeder Stadt, bei jedem Wetter. Daegu macht da keine Ausnahme. Der Kuchen ist gut. Kermit sagt nichts, aber er lehnt sich zurück. Das ist sein Kommentar.

Tauben auf einem Geländer. Eine lange Reihe, alle in die gleiche Richtung schauend, alle nass, alle wartend. Dahinter: Daegus Innenstadt, Hochhäuser, Werbeplakate. Niemand kümmert sich um die Tauben. Die Tauben kümmern sich um niemanden. Das ist Symbiose.


Tag 6: Weiter nach Busan

21. September, 11:49 Uhr. Dongdaegu Station — wieder. Diesmal in die andere Richtung: Busan. Der Bahnhof ist groß, blau-gelb, leer um diese Zeit. Ein bisschen wie ein Flughafen, der sich nicht ganz entschieden hat was er sein will. Der KTX steht bereit.

Wagen 8, Zug 00327, Ziel: Busan. Das Display leuchtet rot-grün im Dunkeln des Bahnsteigs. Kermit sitzt im Rucksack und liest es nicht — aber ich lese es für ihn. Etwa 50 Minuten, und wir sind in Koreas zweitgrößter Stadt. Am Meer.

12:44 Uhr. Kermit sitzt am Zugfenster und schaut raus. Draußen: Reisfelder, ein Fluss der sich durch die Ebene zieht, Hochhäuser am Horizont, alles unter tiefgrauen Wolken. Das Wasser steht hoch — es hat die letzten Tage viel geregnet. Kermit schaut trotzdem entspannt. Er ist ein Frosch. Regen ist sein Element.

Daegu war kein Highlight auf dem Papier. Aber der Schweinskopf mit den Essstäbchen in den Ohren bleibt länger im Kopf als mancher Palast. So funktioniert Reisen.


Busan: Haeundae und das Meer

17:07 Uhr, Haeundae Beach. Kermit liegt auf dem Rucksack im Sand, hinter ihm die Marine City Skyline — drei schlanke Glastürme, Wolken, graues Meer. Es ist nicht der strahlende Strandtag aus dem Prospekt. Aber Kermit schaut trotzdem so, als wäre es genau das. Er hat Recht.

Direkt am Strand: ein gelbes Schild an einem Mast mit Lautsprechern. „Tsunami Evacuation Route.“ Links 160 Meter, rechts 550 Meter. Darunter eine Sirenenanlage die man hofft nie zu hören. Busan liegt am Meer — und hat das nicht vergessen. Ich auch nicht mehr, seitdem ich das gesehen habe.


Hotel-Innovation des Tages

22:55 Uhr, Ibis Hotel Busan. Im Waschraum: ein Automat der für 500 Won — etwa 35 Cent — einzelne Waschmittelpads ausgibt. Jede Reihe ein Pad, sechs Reihen, alles blau. „How to use a detergent machine“ steht oben drauf, auf Koreanisch, Chinesisch und Englisch. Das ist die Lösung für ein Problem das jeder Rucksackreisende kennt. Ich kaufe zwei.

Tag5–6, 20.–21. September 2023
RouteSeoul → Daegu (KTX, ca. 1h 40min) → Busan (KTX, ca. 50min)
KTX TicketSeoul–Daegu ca. 23.700 Won, Daegu–Busan ca. 14.800 Won (Standardklasse)
Daegu SehenswürdigkeitenChilseong-Markt — ehrlich, unturistisch, empfehlenswert
WetterRegen. Durchgehend. Kermit war entspannt.
HighlightSchweinskopf, Since 1986, Essstäbchen in den Ohren
Kermit-RitualCafé, Kaffee, Kuchen. Dritte Stadt, gleiches Ergebnis.

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