Zwei Tage, zwei Gesichter Maltas. Marsaxlokk im Süden — ein echter Fischerhafen, der noch so aussieht wie ein echter Fischerhafen. Und Gozo — die kleine Schwester, ruhiger, grüner, ein bisschen aus der Zeit gefallen. Dazwischen: ein Regenschauer, eine Fähre, ein Katzenschild mit echter Katze darunter. Malta hört nicht auf, mich zu überraschen.
01. April — Katzenschild-Promenade
12:06 Uhr. Eine Promenade irgendwo zwischen St. Julian’s und Sliema. Blaue Bänke, bewölkter Himmel, Meer links. Und an einem Laternenpfahl: ein Warnschild mit einer Katze drauf. Kein Hund, kein Igel — eine Katze. Malta hat offiziell mehr Katzen als Menschen, gefühlt jedenfalls. Ich fotografiere das Schild und laufe weiter. Zwei Tage später werde ich dasselbe Schild mit echter Katze darunter finden. Malta testet, ob man aufpasst.

02. April — Marsaxlokk

Marsaxlokk. Der Hafen, der Malta-Postkarten befüllt — und trotzdem echt ist. Dutzende von Luzzu-Booten, bunt bemalt, mit dem Auge des Osiris am Bug. Das Auge soll die Fischer schützen. Ob es hilft, weiß ich nicht — aber es sieht gut aus. Kermit beobachtet die Situation vom Rucksack aus mit professioneller Distanz.
Kniend am Kai. Ein Luzzu direkt hinter mir, Wolken in Bewegung, Sonne kämpft durch. Ich hocke mich hin für das bessere Bild — das Selfie-Spiel auf Reisen. Man tut Dinge, die man zuhause nie täte. Kermit würde das kommentieren, wenn er könnte.

Feldwege, Klippen, Regen

Hinter Marsaxlokk: Feldwege. Schmal, gerade, flankiert von gelben Wildblumen — Ringelblumen, soweit das Auge reicht. Der Himmel ist bewölkt, aber das Licht ist weich. Zwei Menschen am Horizont. Ich laufe in die andere Richtung und genieße kurz die Stille. Der Süden Maltas ist ruhiger als der Rest. Weniger Touristen, mehr Fels, mehr Blumen.
Eine Klippe, türkises Wasser, grauer Himmel. Der Kontrast ist brutal — das Meer leuchtet trotz Wolken. Unten am Fels: eine kleine versteckte Bucht, erreichbar nur für Leute ohne Gepäck oder mit sehr guten Knien. Ich schaue von oben. Kermit nickt zustimmend.


Dann: Regen. Kurz, heftig, maltesisch. Die Pflastersteine glänzen, die Bronzestatuen am Hafen — ein Fischer mit Korb, ein Kind, eine Katze — stehen stoisch im Nassen. Im Hintergrund schaukeln die Luzzu-Boote weiter. Der Regen interessiert niemanden hier besonders. Ich suche kurz Schutz unter einem Vordach und esse dabei ein Pastizzi. Perfektes Timing.
Die Katze und ihr Schild
Und dann: das Katzenschild — mit echter Katze darunter. Eine orangefarbene Katze, seelenruhig, läuft genau unter dem Warnschild durch, das vor ihr warnt. Malta hat Humor. Oder die Katzen haben ihn. Ich fotografiere, bevor sie wegläuft. Sie läuft nicht weg. Sie ist die Katze auf dem Schild und weiß das.


Die Pfarrkirche von Marsaxlokk. Zwei Türme, päpstliche Fahne, bewölkter Himmel. Malta ist eines der katholischsten Länder Europas — an jeder Ecke eine Kirche, in jedem Dorf eine Prozession, auf jedem Platz ein Heiliger. Die Kirche hier sieht aus wie alle anderen und ist trotzdem irgendwie anders. Vielleicht das Licht. Vielleicht der Regen.
Eine Straße irgendwo in der Nähe. Verfallende Fassaden, bunte Balkone in allen Stadien des Zerfalls — gelb, grün, rot, braun. Ein Schild: „Quicksale Property.“ Ich verstehe das Angebot, lehne aber höflich ab.

03. April — Gozo

Gozo. Die Fähre von Ċirkewwa dauert 25 Minuten — und man landet in einer anderen Welt. Ruhiger, grüner, weniger dicht. Victoria, die Hauptstadt, hat eine Zitadelle oben auf dem Hügel. Von dort: ein Panorama über die ganze Insel, Kuppeln und Türme soweit das Auge reicht, dahinter das Meer. Kermit sitzt auf der Mauer und schaut. Ich auch.
In den Gassen unterhalb der Zitadelle. Eine blaue Tür, daneben Efeu, dahinter Stille. Ich stelle mich davor — zweite blaue Tür dieser Reise. Malta und Gozo haben ein Faible für blaue Türen und ich offensichtlich auch. Kermit bleibt im Rucksack, er kennt das Ritual schon.


15:34 Uhr. Rückfahrt mit der Fähre. Das Kielwasser zieht hinter uns her, Sliema am Horizont. Ich stehe auf dem Achterdeck und schaue zurück auf Gozo — die Insel wird kleiner. Kermit schaut vermutlich auch, von innen. Morgen ist der letzte Tag.
Marsaxlokk riecht nach Fisch und Salz. Gozo riecht nach nichts — außer nach Stille, wenn so etwas einen Geruch hätte.
| Destination | Marsaxlokk + Gozo, Malta |
| Datum | 02.–03. April 2023 |
| Fähre Gozo | Ab Ċirkewwa, ca. 25 Min., ca. 5 € Hin- und Rückfahrt |
| Zitadelle Victoria | Kostenlos zugänglich |
| Marsaxlokk Markt | Sonntags — Fisch, Souvenirs, Touristen |
| Tipp | Marsaxlokk am frühen Nachmittag — Markt vorbei, Licht gut, weniger Gedränge |




