Siargao. Der Name allein klingt schon nach Urlaub. Die Insel im Süden der Philippinen ist vor allem bei Surfern bekannt — Cloud 9, eine der bekanntesten Wellen Asiens, liegt genau hier. Ich surfe nicht. Ich hatte aber trotzdem das Gefühl, dass diese Insel etwas für mich bereithält. Spoiler: Hatte sie. Auch wenn der Strom meistens weg war.
Ankommen. Bungalow. Keine Steckdose.
Der Bungalow direkt am Strand war genau das, was er sein sollte: einfach, nah am Wasser, mit Sand vor der Tür. Was er nicht hatte: verlässlichen Strom. Siargao hatte zu der Zeit einen weitgehenden Stromausfall auf der ganzen Insel — nur manche Restaurants und Resorts liefen mit Generatoren. Das bedeutete: Handy-Aufladen als taktische Entscheidung. Wo essen? Da wo Steckdosen sind. Wie lange bleiben? Solange der Akku es verlangt.


Das klingt nervig — und war es manchmal auch. Aber es hatte auch etwas Befreiendes. Wenn das Handy eh nicht lädt, bleibt man länger sitzen. Man redet mehr. Man schaut länger aufs Wasser. Unfreiwilliges Digital Detox, philippinisch.
Kaffee mit Aussicht — das unvermeidliche Ritual
Das Siargao Coffee hatte genau das, was man auf einer Insel ohne Strom braucht: Kaffee, einen Generator, und einen Tisch mit Blick auf die Straße. Toastie mit Chips, schwarzer Kaffee, das Treiben des Ortes im Hintergrund. Das ist kein Café — das ist Lebensqualität.

Kermit, Weihnachtsbaum und Halo-Halo
Dezember auf Siargao bedeutet: 30 Grad, Palmen — und trotzdem Weihnachten. Die Philippinen sind eines der wenigen Länder, in denen Weihnachten wirklich ernst genommen wird, auch wenn die Temperaturen nicht mitspielen. Das Restaurant hatte einen Weihnachtsbaum aufgestellt — aus geflochtenem Bambus und Palmenblättern, mit Lichterketten und Anhängern. Kermit war beeindruckt.


Halo-Halo ist das philippinische Nationaldessert: Crushed Ice, Kokosnussmilch, bunte Zutaten, und ganz oben drauf eine Kugel Ube-Eis — lila Süßkartoffeleis, unverkennbar in Farbe und Geschmack. Hier serviert in einer halben Kokosnuss. Man isst es, bevor es schmilzt. Das geht schnell.
Sonnenuntergang und der erste echte Blick aufs Meer
Der erste Abend am Meer. Die Sonne geht unter, das Licht wird orange, und man steht einfach da. Kein Filter nötig, keine Bearbeitung. Siargao macht das einfach.

Roller-Tour: Crystal Cove und der Norden
Roller gemietet, Karte angeschaut, losgefahren. Siargao ist klein genug, um es in einem Tag zu umrunden — aber groß genug, um immer wieder überrascht zu werden. Die Straße am Ostküste entlang ist schlicht eine der schönsten, die ich je gefahren bin: Links Dschungel, rechts Meer, kaum Verkehr.


Crystal Cove war der erste Stopp. Eine natürliche Felsbucht mit kristallklarem Wasser, Korallen darunter, ein paar Felsen die aus dem Meer ragen. Man springt rein, das Wasser ist warm, und man versteht sofort, warum Menschen hierher kommen und nicht mehr weiterfahren.


Secret Mountain View — und ein Krokodil-Warnschild
Weiter Richtung Norden, nach Burgos. Dort: der Secret Mountain View — ein selbstgebauter Aussichtspunkt auf einem Felsen, der über den Dschungel hinausragt. Keine große Infrastruktur, kein Eintritt, nur eine Holztreppe und oben die Aussicht: Ein endloses grünes Meer aus Kokospalmen, dahinter die Berge, und irgendwo dazwischen der Pazifik.




Auf dem Weg dorthin: ein gelbes Warnschild am Straßenrand. Krokodil-Silhouette, darunter handgeschrieben „Caltoclyto“ oder ähnliches. Ich habe das Schild fotografiert und bin weitergefahren. Etwas schneller als vorher.


Kookaburra Restaurant — Chicken Stew und eggstremely cute
Mittagessen im Kookaburra Restaurant in Burgos — ein einfaches Lokal, Bambuswände, Hund vor der Tür, handgeschriebene Speisekarte. Chicken Stew mit Reis und Iced Coffee im Einmachglas. Günstig, gut, ehrlich. An der Wand ein Schild: „You’re eggstremely cute!“ Das Kookaburra weiß was es ist und macht da keinen Hehl draus.



Strand, Ube-Eis und der perfekte Nachmittag
Nachmittags: Strand. Leer, breit, ruhig. Bewölkt — aber das macht den Strand nicht schlechter, es macht ihn nur menschenleerer. Und das ist gut.



Abend, ein Hund und der letzte Sonnenuntergang
Der letzte Abend auf Siargao. Ein Hund streunt über den Sand, der Himmel wird rosa und lila, die Wolken färben sich. Niemand macht ein Foto außer mir. Der Hund kümmert sich nicht. Er läuft einfach weiter.
Es gibt Momente auf Reisen, die man nicht plant und nicht wiederholen kann. Das war so einer.



Weiter: Siargao → Cebu → Bohol
Abreise. Cebu Pacific, ein kleiner ATR-Propeller-Flieger, direkt auf dem Rollfeld. Kermit hat das Foto verlangt. Der Flieger sah aus als wäre er aus einem anderen Jahrzehnt — er flog trotzdem.

Cebu war kein Ziel — es war eine Durchreise. Flieger landet, Gepäck abholen, raus aus dem Terminal, Motorrad-Taxi zum Hafen. Der Fährhafen in Cebu-City ist das philippinische Gegenteil von Siargao: laut, voll, chaotisch, lebendig. Hunderte Menschen, gelbe Plastikstühle, Stimmengewirr.


Tipp für die Strecke Siargao → Bohol: Flieger nach Cebu, dann Motorrad-Taxi vom Flughafen zum Fährhafen — schnell, günstig, und man sieht dabei mehr von Cebu als mit jedem anderen Transportmittel.
Siargao war das, was man sich unter einer philippinischen Insel vorstellt — und dann noch etwas mehr. Keine Steckdosen, dafür Sonnenuntergänge. Kein Plan, dafür ein Krokodil-Warnschild. Kein Strom, dafür genug Gründe, einfach länger sitzen zu bleiben.
Weiter geht’s in Teil 1D: Bohol — Tarsiere, Chocolate Hills, und warum man manchmal einfach auf einer Hängematte liegen bleiben sollte.
Trip-Infos: Siargao
| Lage | Siargao Island, Surigao del Norte — Mindanao, Philippinen |
| Unterkunft | Bungalow direkt am Strand — einfach, günstig, perfekt |
| Strom | Dezember 2024: Inselweiter Stromausfall — nur Generatoren in manchen Restaurants/Resorts |
| Roller | Miete in General Luna — ca. 500–700 PHP/Tag, Pflicht für die Erkundung |
| Highlights | Crystal Cove, Secret Mountain View (Burgos), Küstenstraße Nordsiargao |
| Essen | Kookaburra Restaurant (Burgos) — Chicken Stew, Reis, Iced Coffee. Günstig und gut. |
| Dessert | Halo-Halo mit Ube-Eis — unbedingt probieren, am besten in Kokosnuss serviert |
| Weiterreise | Cebu Pacific Flug nach Cebu → Motorrad-Taxi zum Hafen → Fähre nach Tagbilaran (Bohol) |





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