Vietnam — Teil 2: Weihnachten in HCMC & Silvester auf Phú Quốc

Teil 2 meiner Asienreise führte mich nach Vietnam — zuerst ein paar Tage Ho-Chi-Minh-Stadt (HCMC) rund um Weihnachten, dann weiter nach Phú Quốc für den Jahreswechsel. Eine Insel, die ich übrigens schon kenne: 2020 hat mich dort der Covid-Lockdown für fast zwei Monate festgehalten. Diesmal war die Rückkehr freiwillig — und ganz anders.


Ankunft in Ho-Chi-Minh-Stadt: Rucksack, Regen & dieser erste Moment

Mit dem vollgepackten Backpack — Kermit gesichert am Außenfach — checke ich ins Hotel ein. Das Spiegelselfie im Aufzug ist inzwischen fast ein Ritual: Ankunft bestätigt, Gepäck intakt, Reise läuft.

Ho-Chi-Minh-Stadt ist eine Stadt, die einen sofort in den Griff nimmt. Vom Hotelfenster aus: die Skyline des Distrikts 1, Baustellenkräne zwischen Hochhäusern und Kolonialbauten, breite Boulevards, auf denen sich der Roller-Strom seinen Weg bahnt. Das ist nicht langsam und beschaulich — das ist sofort und überall.


Weihnachten in Vietnam — ganz anders, aber irgendwie auch nicht

Weihnachten in einem buddhistisch geprägten Land klingt erstmal ungewohnt — aber Vietnam nimmt die Feiertage ernst, zumindest optisch. Die Tan Dinh Kirche in Distrikt 3, bekannt für ihre außergewöhnliche rosafarbene Fassade, ist zu Weihnachten in tausende Lichter gehüllt. Davor: ein Menschenmeer, Motorräder, Familien mit Kindern. Eine Energie, die man so nicht erwartet.

Das Frühstück mit Kermit am nächsten Morgen: starker vietnamesischer Kaffee, ein Ei in der Pfanne, Baguette — der französische Kolonialeinfluss ist bis heute in der Küche präsent. Das Café: Bambusdach, Weihnachtsschmuck, Schachbretter-Tischtuch. Irgendwie alles gleichzeitig.


Stadtleben HCMC: Roller, Bui Vien & Lotterie-Tickets

Wer HCMC nicht mit dem Roller erlebt hat, hat es nicht wirklich erlebt. Die Bui Vien — die berühmte Backpacker-Straße — ist am Morgen noch ruhig, Vietnamese Flaggen hängen in Reihe zwischen den Häusern, ein paar Mopeds schleichen durch. Abends sieht das ganz anders aus.

In einem Parkhaus irgendwo in Distrikt 1: Hunderte Roller, dicht an dicht, bis unter die Decke. Das ist kein Ausnahme-Moment — das ist einfach Alltag in HCMC. Die Stadt hat etwa 9 Millionen Einwohner und mindestens genauso viele Roller.

Beim Spaziergang am Nachmittag: ein älterer Herr verkauft Lotterielose am Straßenrand. In Vietnam ist das eine echte Institution — Lotterie-Verkäufer sind überall, jeden Tag. Ich kaufe ein paar. Natürlich gewinne ich nichts. Aber der Moment des Aufmachens ist trotzdem gut.

Abends: der Blick vom Dach. Die Vincom-Türme leuchten in Pink und Weiß, die Stadt ist ein Rauschen aus Lichtern und Hupen. HCMC schläft nicht — da ist sie ähnlich wie Bangkok, nur noch dichter, noch nervöser, noch lebendiger.


VietjetAir VJ329 — zurück auf die Insel

Nach ein paar Tagen HCMC: Gate-Schild leuchtet auf. VJ329 nach Phú Quốc, 18:20 Uhr. Für die meisten im Terminal ist das einfach ein Inlandsflug. Für mich ist es eine Rückkehr an einen Ort, den ich nicht vergessen habe.

Im Jahr 2020 war ich zum ersten Mal auf Phú Quốc. Und dann kam Covid. Grenzen zu, Flüge gestrichen, keine Möglichkeit rauszukommen. Fast zwei Monate blieb ich auf der Insel — zwangsweise, aber rückblickend eine der intensivsten Reiseerfahrungen, die ich je hatte. Eine Insel unter Lockdown-Bedingungen ist etwas völlig anderes als ein Urlaubsparadies.

Phú Quốc 2020: fast zwei Monate unfreiwilliger Aufenthalt wegen Covid-Lockdown. 2024: ich komme freiwillig zurück. Das fühlt sich seltsam gut an.


Phú Quốc — die Insel, die ich kenne und neu entdecke

Die Insel hat sich verändert. 2020 war Phú Quốc am Ende des Lockdowns fast menschenleer, die Resorts geschlossen, die Strände verlassen. Jetzt: voller Betrieb, neue Hotels, der Vinpearl Land Freizeitpark mit seinem „Grand World“-Komplex, der Venedig-Kanal und bunte Fassaden mitten im Dschungel — ein Kontrast, der schwer zu verarbeiten ist.

Aber dann: die ruhigen Strände im Norden der Insel. Weißer Sand, kristallklares Wasser, kaum Menschen. Nur Fußspuren im Sand — meine. Das ist das Phú Quốc, das ich 2020 kennengelernt habe. Das ist noch da.

Die andere Seite der Insel, der Strand im Süden bei bewölktem Himmel: Palmen, Wellen, lokale Besucher. Phú Quốc ist längst kein Geheimtipp mehr — aber es hat noch immer Ecken, die sich anfühlen wie der Anfang der Welt.


Silvester auf Phú Quốc — Kermit schaut dem Jahr beim Verschwinden zu

31. Dezember 2024. Sonnenuntergang am Strand. Kermit sitzt im Sand und schaut aufs Meer — ich glaube, das ist das beste Foto des gesamten Trips. Kein Mensch im Bild, nur ein grüner Frosch, ein orangefarbener Horizont und das Rauschen des Südchinesischen Meeres.

Als die Sonne verschwunden ist, bleibt dieser Himmel: Orange in Rosa in Lila in Dunkelblau. Felsen im Vordergrund, ein kleiner Tempel auf dem Felsen rechts, ein paar Menschen am Strand, die dasselbe sehen wie ich. Niemand spricht. Das Jahr 2024 geht unter — buchstäblich.


Vietnam — was bleibt

Vietnam ist kein einfaches Land zum Reisen. Es ist laut, es fordert, es überfordert manchmal. HCMC ist eine Metropole, die einen gleichzeitig fasziniert und erschöpft. Phú Quốc zeigt, wie schnell ein Ort sich verändert — und was trotzdem bleibt, wenn man die Richtung wechselt und einfach weitergeht.

2020 war ich auf dieser Insel gefangen. 2024 kam ich freiwillig zurück. Das ist vielleicht der schönste Satz, den ich über diese Reise schreiben kann.

Manche Orte kehren wieder — oder man kehrt zu ihnen zurück. Bei Phú Quốc weiß ich nicht mehr, was zuerst war.

Als nächstes: Teil 3 — Bangkok.


Trip-Infos: Vietnam

Zeitraum23. Dezember 2024 – 1. Januar 2025
Teil der ReiseTeil 2/3 — Philippinen → Vietnam → Bangkok
StationenHo-Chi-Minh-Stadt (HCMC / Saigon), Phú Quốc
InlandsflugVietjetAir VJ329 · HCMC → Phú Quốc
HighlightSilvester-Sonnenuntergang am Strand, Tan Dinh Kirche zu Weihnachten
BesonderheitRückkehr nach Phú Quốc — erste Reise dort endete 2020 im Covid-Lockdown
WetterHCMC: 28–30 °C, bewölkt / Phú Quốc: 30 °C, sonnig


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